KMK in der Stasis - In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders.

Recht auf Bildung für Tote?


Vor allem ein Ablenkungsmanöver

Wie die Kultusminister das Recht auf Bildung benutzen, um ihre Untätigkeit beim Schutz der Schulen zu verdecken

Von Mark Siemons

Bei den jüngsten Corona-Beschlüssen der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin hat sich diese Woche wieder ein rhetorisches Manöver durchgesetzt, mit dem die deutschen Kultusminister schon seit Ausbruch der Pandemie erstaunlich viel Erfolg haben: Sie geben sich den Anschein, als würden sie gegen irgendeinen mächtigen Gegner tapfer für das Recht auf Bildung und den Wert des Schulunterrichts streiten. In diesem Sinne ist der Verzicht auf irgendwelche weiteren national verbindlichen Schutzmaßnahmen für die Schulen von mehreren Politikern als Erfolg bezeichnet worden, um das Schulsystem zu „stabilisieren“, wie es Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne gegenüber dem „Spiegel“ formulierte.

Sieht Erfolge Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne
Sieht Erfolge: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne dpa


Doch die Suggestion ist gleich doppelt trügerisch. Zum einen gibt es gar keinen Gegner, der das Recht auf Bildung und den Wert des Schulunterrichts in Zweifel zieht. Zum anderen haben die Kultusminister in diesem Jahr selber kaum etwas getan, um diesem Recht und diesem Wert in ihrem eigenen Verantwortungsbereich Geltung zu verschaffen. Obwohl schon im Frühjahr eine zweite Welle der Corona-Ansteckungen für den Herbst vorausgesagt wurde, trafen die zuständigen politischen Instanzen all die Monate über keine strukturellen und institutionellen Vorkehrungen, um den Schulunterricht unter den in der gesamten übrigen Gesellschaft üblichen Schutzbedingungen gegen das Virus zu gewährleisten. Ihr sogenanntes Hygienekonzept beschränkte sich auf Appelle, die ihnen keinen konzeptionellen und finanziellen Aufwand abverlangten: Hände waschen, stoßlüften, Klassen voneinander trennen; später kam dann noch die Aufforderung hinzu, Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen. So scheint die Rhetorik der Bildung, auf die die Kultusminister in den vergangenen Monaten ihre Aktivitäten konzentrierten, bei näherem Hinsehen bloß als Ersatz für die Mühe zu fungieren, ihr im realen Leben einen Platz zu verschaffen. Es stellt sich die beunruhigende Frage, ob das womöglich symptomatisch ist für den Gebrauch des Bildungsbegriffs, wie er amtlicherseits auch sonst üblich ist.

Die unmittelbare Funktion der „Recht auf Bildung“Rhetorik ist offensichtlich: Sie soll das Recht auf Gesundheitsschutz erst gar nicht zum Thema werden lassen. Es wird so getan, als sei die Rolle der Schulen in der Corona-Politik darin erschöpft, zum sogenannten Infektionsgeschehen der Gesamtgesellschaft prozentual mehr oder weniger beizutragen. In den Worten des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans: „Das dort bestehende Infektionsrisiko nehmen wir in Kauf, weil die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen nicht abermals leiden darf.“ Dass es aber auch um den Schutz dieser einzelnen Schüler und Lehrer geht, die in der für sie verpflichtenden Schule der direkten Fürsorgepflicht des Staats unterstehen, wird von dem ministerpräsidentiellen „Wir“ ausdrücklich ausgeblendet. Die Ablenkungsstrategie geht allerdings nicht vollständig auf: Während sich die Ministerpräsidenten und Kultusminister als Hüter des Prinzips präsentieren, üben die Vertretungen der unmittelbar Betroffenen – zum Beispiel Bundesschülerkonferenz, Deutscher Lehrerverband und Bundeselternrat – bezeichnenderweise scharfe Kritik an dem vorenthaltenen Schutz. Schüler und Lehrer, die wegen fehlender Vorkehrungen an Corona erkrankt sind, tröstet es wenig, dass sie anteilsmäßig nicht so stark wie andere zur Gesamtkurve beitragen. Dass das Recht auf Bildung das Recht auf staatliche Fürsorge für die körperliche Unversehrtheit aushebeln soll, leuchtet ihnen offenbar nicht ein: Das eine Recht setzt doch das andere voraus.

Um so frappierender ist es, wie es der Bildungsrhetorik gelang, vorhandene Ideen und Anregungen zu neutralisieren. Schon am 5. August hatte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina unter dem Eindruck steigender Ansteckungszahlen eine „Verzahnung von Präsenz- und Distanzlernen“ empfohlen, wie sie jetzt, fast vier Monate später, die Ministerpräsidenten selbst ab einer Inzidenz von 200 allenfalls für einzelne Klassen „schulspezifisch“ in Erwägung ziehen, nicht aber vorschreiben wollen. Nur so sei der Abstand zu gewährleisten, sagte die Leopoldina damals, der in allen anderen Teilen der Gesellschaft verpflichtend gemacht wird. Außerdem riet die Akademie zu einer systematischen Teststrategie, zu einem Coaching der betroffenen Familien und zu einem länderübergreifenden Beirat, der die pandemische Lage an den Schulen fortlaufend beobachtet. Stefanie Hubig, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, nahm noch am selben Tag dazu Stellung: Ihre Organisation sei sich mit der Leopoldina „einig“, dass „Schülerinnen und Schüler ein Recht auf Bildung“ haben, das „sich am besten in der Schule verwirklichen“ lässt. Zu den konkreten Empfehlungen sagte sie dagegen nichts Konkretes; sie bekannte sich zum Gesundheitsschutz und zum „Thema Digitalisierung“ und betonte, dass ein Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht „schnell und reibungslos“ erfolgen müsse. Doch bis heute verbieten viele Kultusminister sogar Schulen, die schon funktionstüchtige Konzepte dazu haben, deren Anwendung.

Mit Mtze und Maske Plexiglasscheiben Lftungsanlagen und digitaler Unterricht scheinen noch weit entfernt zu sein
Mit Mütze und Maske: Plexiglasscheiben, Lüftungsanlagen und digitaler Unterricht scheinen noch weit entfernt zu sein. dpa


Am 12. Oktober empfahl das Robert Koch-Institut ab einer Inzidenz von 35 je hunderttausend Einwohner eine Maskenpflicht auch im Unterricht und ab einer Inzidenz von 50 eine Verkleinerung der Klassen durch Teilung oder Wechselunterricht, um den nötigen Mindestabstand zu gewährleisten. Der Beschluss der Kultusministerkonferenz am 23. Oktober erwähnte dann auch ausdrücklich das Robert Koch-Institut, aber nur mit der Einschätzung, die Schulen seien „kein Treiber der Pandemie“. Vom Wechselunterricht war jetzt trotz der mittlerweile weit über 50 gestiegenen Inzidenz gar keine Rede mehr, vielmehr wurde ohne weiteren Kommentar Präsenzunterricht als „oberste Priorität bei allen Entscheidungen über einschränkende Maßnahmen“ gefordert. Neben Hygieneregeln und fachgerechtem Lüften bezeichnete das Papier zwar auch das „Abstandhalten“ als „unerlässlich“, gab aber keine Erläuterung dazu, wie das in ungeteilten Klassen zu realisieren ist.

Die Lücke zwischen solchen Setzungen und deren sozialer und medizinischer Ermöglichung wird noch auffälliger, wenn man auf die gewaltigen Investitionen anderer Staaten für die Schulen während der Pandemie blickt – viele davon mit weit geringeren finanziellen und organisatorischen Ressourcen. In Mexiko, wo nur 56 Prozent der Haushalte Zugang zum Internet haben, werden die dreißig Millionen Schüler über Fernsehen und Radio unterrichtet; viele der geplanten 640 Sendungen werden auch noch in verschiedenen indigenen Sprachen aufgenommen. In Estland, wo die Digitalisierung der Schulen ohnehin schon weit fortgeschritten war, bekamen auch jene Schüler, die über keinen eigenen Laptop verfügen, mit der Hilfe von Gemeinden und Freiwilligenorganisationen einen „elektronischen Schulranzen“ zur Verfügung gestellt. In Südkorea werden schon Schulbücher auf die Option des digitalen Unterrichts hin umgeschrieben. Im Präsenzunterricht trennen viele Schulen die Tische in der Klasse durch Plexiglasscheiben voneinander. Auf der ganzen Welt ringen Regierungen mit den Beeinträchtigungen der Schulen durch die Pandemie und versuchen, den nötigen Schutz mit so viel Unterrichtsnormalität wie möglich zu verbinden. Doch auf die Idee, unter Berufung auf einen Rechtsanspruch auf Bildung vorhandene Schutzmöglichkeiten nicht zu nutzen, scheint sonst niemand zu kommen.

Wurde mit „Bildung“ vielleicht schon lange so verfahren? Es fällt auf, dass bei den Bildungsdebatten der letzten Jahrzehnte der Begriff eher vorausgesetzt als gefüllt wurde. Alle stimmen darin überein, wie wichtig die Bildung für die Volkswirtschaft und die soziale Gleichheit des Landes ist, und der Streit geht deshalb um die Frage, wie immer mehr Bildung ermöglicht werden kann, mit wie viel Digitalisierung und so weiter. Worin die Bildung aber überhaupt bestehen soll, scheint die Gemüter nicht so zu erhitzen. Liegt das etwa daran, dass Bildung einfach nur das ohnehin Selbstverständliche und Vorhandene besser funktionieren lassen soll? Der offizielle Sprachgebrauch während der Pandemie deutet darauf hin. Das Ideal des so wie immer weiterlaufenden Unterrichts wird da als „Regelbetrieb“ bezeichnet, und wenn es um die Weitergabe von Bildung geht, ist von „Beschulung“ die Rede. Ludger Wößmann, der Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik in München, bringt es in einem Aufsatz über die Folgekosten der Schulschließungen so auf den Punkt: „Bildung stattet die Menschen mit den Fähigkeiten aus, die sie beim Ausführen ihrer Arbeitsaufgaben produktiver machen.“ Er rechnet aus, welche späteren Einkommensverluste die geringere Zeit zur „Kompetenzentwicklung“ mit sich bringen werde. Bildung erscheint da geradezu als der Inbegriff des Ordnungsgemäßen und Erwartbaren. Ein so zirkulärer Begriff lässt offenbar keinen Raum für einen Einbruch von irgendetwas Irregulärem. Im Interesse der in Wirklichkeit aber jetzt doch irregulär bedrohten Schüler und Lehrer ist eine Erweiterung des Begriffs dringend geboten.

Quelle



Posthum

Mela Eckenfels (@Felicea): Denn, es ging ja nur um die "Anderen". Die namenlosen Alten und 'Schwachen', die man sich als nutzlos und überflüssig vorstellt. 

Wenn diese "Anderen" auf einmal die Eigenen sind, und das Ferne auf einmal ganz nah ist, und das Gesicht der eigenen Kinder trägt, Eltern, ... 

Mela Eckenfels (@Felicea): Geschwistern, Partnern ... dann sollte am Ende die Erkenntnis stehen, dass man einverstanden damit war, solange die "Anderen" keine Gesichter hatten und es für andere weiterhin okay ist, wenn "Andere" sterben. Hauptsache weit weg.

Mela Eckenfels (@Felicea): Die weitere Erkenntnis sollte dann sein, dass man ein Arschloch war und weiterhin ein Arschloch ist. Nur eben ein trauerndes Arschloch. Und dass auch die, die mit einem so gedacht haben, Arschlöcher sind. 

Aber soweit wird es nicht kommen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Statt dessen wird man "warum hat denn keiner was gesagt, warum hat uns die Regierung nicht beschützt"-Artikel geben.

Weil Arschlöcher signalisiert haben, dass Urlaub und Shopping wichtiger ist, als Menschen. Deswegen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Weil es nicht zu der gesellschaftlichen Einigkeit kommen konnte, sich gemeinsam hinzusetzen, und zu überlegen, wie man die Zeit auch finanziell und ohne große Unternehmenspleiten über die Runden bringen kann. Weil man alles auf das "schnell zurück zur Norm" setzte.


Corona-Tests und Corona-Nazis


Mela Eckenfels (@Felicea): Auch, wenn ich mich freue, das meine Recherchen in den "Corman-Drosten-Review" als hilfreich empfunden wurde. 

Was aber die Diskussion um den Report, um den Test der Charité und auch die PCR-Tests an sich vermissen lässt: Sie ist irrelevant. 

Das möchte ich versuchen einzuordnen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Denn ganz ehrlich: ich bin pissed. 

Wir verschwenden unsere Zeit und Energie mit Scheingefechten, mit Lügnern und mit Menschen die Lügnern glauben (wollen). 

So viel Zeit, die gerade Journalist:innen und Wissenskommunikator:innen NICHT damit verbringen können GUT zu informieren.

Mela Eckenfels (@Felicea): Weil Zeit und Energie dadurch aufgefressen werden, dass man sich tagtäglich abstrampelt gegen immer neue Falschbehauptungen und direkte Lügen aufzuklären. 

Das ist ein Kampf, den man nicht gewinnen kann.

Mela Eckenfels (@Felicea): Eine Lüge ist schnell in die Welt gesetzt. Sie aufzuklären dauert lange, braucht Sorgfalt und vor allem, die beste Aufklärung verteilt sich nicht so schnell und so weit wie eine Lüge. 

Es ist ein Kampf, gegen Windmühlenflügel.

Mela Eckenfels (@Felicea): Okay, also warum ist die Frage, ob der Test der Charité funktioniert oder nicht und ob die Studie sauber war oder nicht irrelevant?

Weil dieser Test eine Krücke war.

Mela Eckenfels (@Felicea): Eine Krücke, damit die westlichen Länder, in denen es zu diesem Zeitpunkt noch keine oder wenige Möglichkeiten gab mit dem Virus direkt zu arbeiten, infizierte Menschen erkennen zu können.

Mela Eckenfels (@Felicea): Um dann Maßnahmen einleiten zu können, Personen isolieren zu können und - so die Hoffnung - ein Überspringen der Epidemie von China auf den Rest der Welt - also die Pandemie - verhindern zu können.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ja, richtig, liebe Leute, die ihr glaubt, nur wegen dieses Tests hätten wir überhaupt eine Pandemie. 

Er war ein frühes Werkzeug, das _erste_ Werkzeug, mit dem man hoffte, die Situation noch einfangen zu können.

Mela Eckenfels (@Felicea): Wir haben diese Situation nicht mehr. Das Virus ist seit Ende Januar zum ersten Mal in Deutschland aufgetaucht. Labore heute haben Zugriff auf das Virus und brauchen den Workaround, den das Team der Charité geschaffen hatte, nicht mehr.

Mela Eckenfels (@Felicea): Was den ersten SARS-CoV-2-PCR-Test so besonders macht, ist, dass das Team der Charié sich die in China veröffentlichten Daten angeschaut hat und dann auf Basis verwandter, nicht (aktuell) beim Menschen vorkommender Viren, eindeutige Erkennungsmerkmale einen Test gebastelt haben.

Mela Eckenfels (@Felicea): Das war ein Hack. Ein kleines, kreatives Kunststück. Die Leistung der Charité verdient Hochachtung. Sie war für eine gewisse Zeit eine Hoffnung, dass die Pandemie vermieden werden könnte. Leider hat die Natur des Virus plus menschliche Dummheit diese zunichte gemacht.

Mela Eckenfels (@Felicea): Inzwischen benötigt man den Workaround nicht mehr. Das Virus ist auf der gesamten Welt verfügbar. Leider. 

Jedes Labor, jedes entsprechend eingerichtete medizinische Unternehmen kann eigene Tests entwickeln und viele tun das auch.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ich habe mitgestoppt. Ich habe fast 30 Sekunden durch die Liste der in Deutschland zugelassenen SARS-CoV-2-Tests gescrollt: 

https://www.dimdi.de/dynamic/de/medizinprodukte/datenbankrecherche/corona-tests-tabelle/

Wenn also ein Hockertz behauptet, dass "alles an diesem Test" hinge, dann muss er wissen, dass diese Aussage nicht zutreffen kann.

Mela Eckenfels (@Felicea): Der PCR-Test der Charité ist weder der einzige Test, noch der maßgebliche, noch sind alle neuen Tests nach dem 'Rezept' der Charité gebaut. Ich wiederhole mich: es war ein Workaround. Eine Notlösung.

Mela Eckenfels (@Felicea): Die Diskussion, ob in dem Paper der Charité nun jedes Komma gestimmt hat und wer im Board des Journals gesessen hat, ist für die Frage, ob wir aktuell in einer Pandemie leben, irrelevant. 

Ja, wir befinden uns in einer Pandemie.

Mela Eckenfels (@Felicea): Auch die Behauptung, im "Beipackzettel" des PCR-Tests stünde, dass dieser nicht zur Diagnostik zugelassen sei, ist an Absurdität nicht zu überbieten.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ob sie von Menschen stammt, die es nicht besser wissen, oder von Menschen stammt, die es definitiv besser wissen (siehe Hockertz) und es dennoch Leuten erzählen, die es nicht besser wissen können: keine Ahnung.

Mela Eckenfels (@Felicea): Aber ein PCR-Test kommt nicht einzeln verpackt wie ein Schwangerschaftstest. Es ist ein Labortestverfahren, das bei dem größere Mengen von Tests zeitgleich durchgeführt werden. Es wird nicht jeder Test liebevoll von der Probenabnahme liebevoll einzeln durchgeführt.

Mela Eckenfels (@Felicea): Alleine der Gedanke an einen "Beipackzettel" wie man ihn von Medikamenten aus der Apotheke kennt, ergibt keinen Sinn und man kann ihn auch nur Menschen weis machen, die noch kein Labor von innen gesehen haben, schamlose Lügen nicht hinterfragen und Lügnern glauben _wollen_.

Mela Eckenfels (@Felicea): 

Mela Eckenfels (@Felicea): 

Mela Eckenfels (@Felicea): Auch die Behauptung, dass PCR-Tests per se unzuverlässig seien, per se nicht für die Diagnostik geeignet, sondern 'nur für die Forschung' ist, ist nicht nur unzutreffend und uninformiert, auch das ist eine Lüge und zwar eine sehr bösartige Lüge.

Mela Eckenfels (@Felicea): Selbst wenn es Tests gäbe, die 'nur für die Forschung' zugelassen wäre. Ich wiederhole mich. Die Zahl der verfügbaren Tests ist: 30 Sekunden Scrollen, oder auch 701 und sie sind zur Diagnostik zugelassen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Korrektur: nicht alle dieser 701 Tests sind PCR-Tests. Es sind auch Antigen-Tests enthalten. Mit einer Suche finde ich "PCR" 213 Mal auf der Seite, aber der Begriff kommt in manchen Spalten mehrfach vor.

Mela Eckenfels (@Felicea): PCR-Tests gibt es seit den 80er Jahren und sie haben ihre Stärke wieder und wieder unter Beweis gestellt. 

Mit PCR-Tests werden Erbkrankheiten und Mutationen aufgespürt - sprich: diagnostiziert.

Mela Eckenfels (@Felicea): PCR-Tests verdanken wir sichere Bluttransfusionen, denn sie werden verwendet, um Spenderblut auf HIV und Hepatitis zu untersuchen, bevor es einem Empfänger gegeben wird.

Mela Eckenfels (@Felicea): Mit PCR-Tests werden viele virale Krankheiten diagnostiziert, sie kommen bei Vaterschaftstests zum Einsatz, in der Forensik, in der Lebensmittelüberwachung.

Ohne PCR-Tests hätten wir HIV nicht mehr oder weniger im Griff und auch Tuberkulose nicht.

Mela Eckenfels (@Felicea): Zu sagen, dass PCR-Tests per se nicht funktionieren oder zu unsicher sind, ist ebenso gut wie zu sagen, dass die gesamte wissenschaftliche, kriminaltechnische und medizinische Zunft der letzten bald 40 Jahre in einem Fiebertraum gelebt haben. Nein, wir alle.

Mela Eckenfels (@Felicea): Denn wegen PCR-Tests können wir mit ruhigem Gewissen  eine Blutkonserve empfangen und gehen kein tödliches Risiko ein. 

Sich einreden zu lassen, dass PCR-Tests nicht könnten, _wozu sie entwickelt wurden_, ist, sich sehenden Auges an der Nase herumführen zu lassen.

Mela Eckenfels (@Felicea): PCR-Tests, also Polymerase-Kettenreaktion-Tests, sind kein  jetzt hastig völlig neu entwickeltes einmaliges, fertig verkauftes Testkit, an dem sich eine Firma gesundstößt - wie Verschwörungserzählungen behaupten - es ist ein Verfahren.

Mela Eckenfels (@Felicea): Wie das PCR-Verfahren funktioniert, ist nicht mal so wahnsinnig schwer zu verstehen:

Mela Eckenfels (@Felicea): Wer also bisher den Verschwörungserzählungen glaubte, dass es nur einen Test gäbe, dass der unzuverlässig sei, dass im Beipackzettel dies und jenes stünde, der möge sich an Ängste erinnern, die er NICHT hat und nicht haben braucht - vor verseuchten Blutkonserven nämlich.

Mela Eckenfels (@Felicea): Und der möge dann mal hinterfragen, warum Menschen in der aktuellen Situation versuchen zu lügen und zu betrügen ... und warum er diesen Lügen bereitwillig zuhört.

Mela Eckenfels (@Felicea): Auch die Behauptung, PCR-Tests wären nicht aussagekräftig, weil sie nur die Infektion, aber nicht die Infektiosität nachweisen können, führt auf den Holzweg.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ein PCR-Test ist nur ein Schnappschuss. Auch eine niedrige Virenlast sagt nur aus, dass der infizierte Mensch in dem Moment, in dem der Test abgenommen wurde, eine niedrige Virenlast im Rachenbereich trägt.

Mela Eckenfels (@Felicea): Der Test kann weder in die Vergangenheit, noch in die Zukunft schauen. Er kann nicht sagen, ob die Person ansteckend war oder ansteckend sein wird. Auch das kann nur vage an Hand von Symptomen und Symptombeginn über den Daumen gepeilt werden.

Mela Eckenfels (@Felicea): Oder eben, wenn man weiß, wo und wann eine Person sich angesteckt hat, halbwegs berechnen. Aber hier gibt es immer Unbekannte, die man nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen kann. Der Verlauf von Covid-19 ist individuell.

Mela Eckenfels (@Felicea): Aber niedrige Virenlast kann auch daher rühren, dass der Test zu zaghaft abgenommen wurde.

Mela Eckenfels (@Felicea): Wenn man also einkalkuliert, dass in vielen Fällen der Test früh in der Inkubationszeit oder spät in der Inkubationszeit abgenommen wird und gerade ein Teil der Tests, der von ungeübtem Personal abgenommen wird, möglicherweise eine falsch-niedrige Belastung aufweist ...

Mela Eckenfels (@Felicea): ... dann ist die Behauptung, dass die Tests massenhaft falsch-positive Ergebnisse zeigen würden, nicht nur lächerlich. Auch sie stellt die Situation bewusst falsch dar. Und das von Personen, die es besser wissen müssen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Auch die Behauptung, PCR-Tests wären nicht aussagekräftig, weil sie nur die Infektion, aber nicht die Infektiosität nachweisen können, führt auf den Holzweg.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ein PCR-Test ist nur ein Schnappschuss. Auch eine niedrige Virenlast sagt nur aus, dass der infizierte Mensch in dem Moment, in dem der Test abgenommen wurde, eine niedrige Virenlast im Rachenbereich trägt.

Mela Eckenfels (@Felicea): Der Test kann weder in die Vergangenheit, noch in die Zukunft schauen. Er kann nicht sagen, ob die Person ansteckend war oder ansteckend sein wird. Auch das kann nur vage an Hand von Symptomen und Symptombeginn über den Daumen gepeilt werden.

Mela Eckenfels (@Felicea): Oder eben, wenn man weiß, wo und wann eine Person sich angesteckt hat, halbwegs berechnen. Aber hier gibt es immer Unbekannte, die man nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen kann. Der Verlauf von Covid-19 ist individuell.

Mela Eckenfels (@Felicea): Aber niedrige Virenlast kann auch daher rühren, dass der Test zu zaghaft abgenommen wurde.

Mela Eckenfels (@Felicea): Wenn man also einkalkuliert, dass in vielen Fällen der Test früh in der Inkubationszeit oder spät in der Inkubationszeit abgenommen wird und gerade ein Teil der Tests, der von ungeübtem Personal abgenommen wird, möglicherweise eine falsch-niedrige Belastung aufweist ...

Mela Eckenfels (@Felicea): ... dann ist die Behauptung, dass die Tests massenhaft falsch-positive Ergebnisse zeigen würden, nicht nur lächerlich. Auch sie stellt die Situation bewusst falsch dar. Und das von Personen, die es besser wissen müssen.

Mela Eckenfels (@Felicea): PCR-Tests sind natürlich keine Rundrum-Glücklich-Lösung. Sie haben Limits. Es gibt Probleme. Die ausführende Person kann Fehler machen. Das Labor kann schlechte Materialien benutzt.

Mela Eckenfels (@Felicea): Aber zu glauben, dass die Personen, die PCR-Tests herstellen und anwenden, dass die Labors, die Mitarbeiter, diese Limits und Probleme nicht kennen, dass jedes 'Problem' das ein Verschwörungsmystiker ausgräbt, nun auch ein 'Beweis' für die Untauglichkeit sei:

Mela Eckenfels (@Felicea): dies zu Glauben ist an Arroganz nicht zu überbieten.

Das Menschen, die sich zum ersten Mal mit Viren oder Labordiagnostik beschäftigen, auf ein 'Geheimnis' stossen könnten, das man vor ihnen verborgen hat, spricht von einer unfassbaren Hybris.

Mela Eckenfels (@Felicea): Sie spricht vom Glauben, dass hochqualifizierte Berufe, von MTAs bis zum Professor für Virologie, lediglich die Erfüllungsgehilfen einer größeren Macht sind. Dass sie stur und stupide Dinge anwenden, deren Sinn und Hintergrund sie selbst nicht verstehen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Sie überhöht die 'Einsicht' der Verschwörungsgläubigen in komplexe naturwissenschafliche Prozesse völlig und stellt eine unfassbare Missachtung von jahrelangem Lernen, Wissen und Expertise dar.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ich muss mich wiederholen: Diese Hybris, zu glauben, man wisse es besser als Menschen, deren Beruf es ist, ist schwer auszuhalten und schwer zu begreifen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Auch zu glauben, dass Labors eigentlich permanent pfuschen und Fehler machen, inkompetent sind und deswegen ständig Proben verschmutzt werden … falls das Spiegeln ist, dann möchte ich nicht wissen, wie die Menschen, die solche Behauptungen mittragen, ihren eigenen Job machen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Natürlich kommen Fehler vor. Fehler sind menschlich. Aber einer ganzen Branche Pfusch zu unterstellen, ist - erneut - eine unfassbare Arroganz.

Mela Eckenfels (@Felicea): Genauso, sich isoliert deutsche Übersterblichkeitszahlen anzusehen, und  zu behaupten, es gäbe ja gar nicht mehr Tote als üblich. 

Wer sich auf einzelne 'Beweise' stürzt und das größere Bild nicht sehen _will_ der muss sich fragen lassen, was genau er damit bezweckt.

Mela Eckenfels (@Felicea): Denn Aufklärung, Wissensgewinn oder gar die Pandemie in den Griff zu bekommen, kann es nicht sein. 

Die lauten 'Corona-Rebellen' richten gerade enormen Schaden an. Ich zweifle nicht, dass ihr Wirken, die Skepsis bei Politikern erhöht hat, wem sie nun glauben sollen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ich zweifle auch nicht daran, dass sich schwache Politiker, die sich vor frühen und einschneidenden Maßnahmen und dem Ärger der betroffenen Branchen fürchteten, nur zu gerne den Einflüsterungen zugehört haben.

Mela Eckenfels (@Felicea): Von einigen Politikern im Osten Deutschlands wissen wir ja sogar von entsprechenden Treffen. 

Diese scheinbare Ungewissheit (es gab keine, hat man _Experten_ zugehört) hat gerade jetzt im Herbst Initiative verzögert.

Mela Eckenfels (@Felicea): Der 'Shutdown-Light' der nichts anderes tut als eine unangenehme Situation in die Länge zu ziehen, wird gerade Gastrounternehmen und die Veranstaltungsbranche sehr viel härter treffen, als kurze und harte Maßnahmen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Mit "The Hammer und the Dance" wären wir sehr wahrscheinlich mit nur leicht gerupften Federn durch die Pandemie gekommen. "The Wollpuschel and the Limbo" hat nicht den gleichen Effekt.

Mela Eckenfels (@Felicea): Wir befinden uns in einer Pandemie. Seit 10 Monaten. Man bemerkt es, sogar dort, wo man es nicht erwartet.

(Danke an @BMauschen für den Hinweis.)

Gestern starben 432 Personen an Covid-19. In den ersten 4 Tagen des Dezembers starben 1785 Menschen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Wir wissen noch nichts, gar nichts, was wir an Langzeitschäden zu erwarten haben, aber die Long-Covid-Fälle, die wir bereits haben, geben einen Vorgeschmack.

Mela Eckenfels (@Felicea): Covid-19 ist nicht binär. 

Es ist nicht wie HIV, entweder infiziert oder nicht infiziert, entweder ausgebrochen oder nicht ausgebrochen. 

Es ist: symptomatisch und dann lass uns mal schauen, welchen Teil aus dem großen Wunderkasten hat sich SARS-CoV-2 bei dir herausgepickt.

Mela Eckenfels (@Felicea): Und jetzt noch was in eigener Sache. 2009, als ich meinen ersten Vorgeschmack bekam, was es heißt, ins Visier von Trollen geraten zu sein, hatte ich mir einen Vorsatz genommen:

Mela Eckenfels (@Felicea): Ich lasse mich nicht durch Angstmacherei zum Schweigen bringen. Ich lasse nicht Angst bestimmen, was ich schreibe oder nicht. Was ich sage oder nicht. Wofür ich mich einsetze oder nicht.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ich habe im Verlauf dieses Jahres viel nicht geschrieben, was ich gerne hätte schreiben wollen. 

Weil ich andere Baustellen hatte. Weil es viel kompetentere Menschen zum Thema gibt.

Mela Eckenfels (@Felicea): Aber auch, weil ich keine Lust auf Menschen hatte, die nicht sich nicht mit der Realität abfinden wollen und glauben, wenn sie jene, die die Realität aussprechen, niederschreien, würde sich etwas an Tatsachen ändern.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ich hatte keine Lust, tagelang Menschen zu haben, die sich auf meinem Account austoben, die gebetsmühlenartig 'Beweis' um 'Beweis' vorbringen, denen man versucht einen Punkt nach dem anderen zu erklären und die dann wieder mit dem nächsten 'Beweis' um die Ecke kommen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Ich hatte keine Lust, auf Menschen, die glauben wollen, statt verstehen zu wollen, was abläuft. 

Ich hatte keine Lust auf Trolle und vor allem keine Lust auf aggressive Trolle.

Mela Eckenfels (@Felicea): Das heißt, ich habe mich doch von dem Verhalten der 'Corona-Rebellen' in meinem Verhalten beeinflussen lassen. 

Mir ist vorgestern anders geworden, als ich gesehen habe, wie die Mitglieder des "Consortiums" auf niederländische Journalisten und andere Twitterer losgehen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Mit ist gestern ganz anders geworden, als ich gesehen habe, wie massiv Horden von Trollen und einige besonders aggressive Trolle auf niederländische Kollegen losgegangen sind, die über das "Consortium" berichtet haben.

Mela Eckenfels (@Felicea): Mir wird anders, wenn ich sehe, welchen Anfeindungen sich @KorinnaHennig ausgesetzt sieht. Nur weil sie tut, was sie kann: einen richtig guten Job machen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Mir wird anders, wenn ich sehe, was jeder Journalist abbekommt, der über die Pandemie berichtet, solange nicht nur die genehmen 'Experten' gehört werden. Und wie viel aggressiver das nochmal gegen Journalisinnen ist.

Mela Eckenfels (@Felicea): Das muss aufhören.

Wer mit Aggression, wer mit Anfeindungen und Drohungen gegen Journalist:innen vorgeht, der weiß, dass er nichts in der Hand hat. Der weiß, dass er die Realität nicht auf seiner Seite hat. Der weiß, dass sein Phantasiegebilde auf Sand gebaut ist.

Mela Eckenfels (@Felicea): Denn nur dann braucht man Drohungen und Hass, um zu verhindern, dass man die Realität vor Augen gehalten bekommt.

Und das ist schwach. Das ist klein. Das ist jämmerlich.

Mela Eckenfels (@Felicea): Wer es nötig hat, das Berichten über Tatsachen zu verhindern, in dem er Menschen Angst macht oder schlicht deren Leben zu Hölle, der hat auf jeden Fall nichts Gutes im Sinne. 

Der will nicht, das wir gut durch die Zeit kommen.

Mela Eckenfels (@Felicea): Der will nicht, dass die Phasen die wir uns einschränken müssen, möglichst kurz bleiben. 

Der will nicht, dass wir das Virus verstehen und beherrschen. 

Der will, dass das Virus uns beherrscht. Der will, dass mehr Menschen sterben, als nicht zu verhindern ist.

Mela Eckenfels (@Felicea): Und jedes neue Gerücht verhindert und will verhindern, dass Menschen gut informiert sind. Weil es Kräfte bindet. Wie auch der Corman-Drosten-Report nichts mehr tun soll, als Kräfte zu binden und mit sinnloser Arbeit von wichtiger Arbeit abzuhalten.

Mela Eckenfels (@Felicea): Corona-Rebellentum ist menschenfeindlich, wissenschaftsfeindlich, wirtschaftsfeindlich und informationsfeindlich. 

Es reicht.

Mela Eckenfels (@Felicea): P.S. Ich gehe nicht davon aus, dass ich nochmal weiter an den Hintermännern und -frauen des Corman-Drosten-Reports recherchiere. Nicht, weil ich Angst vor den Folgen hätte, sondern weil es mich schon zwei Tage gekostet hat.

Mela Eckenfels (@Felicea): Es ist Arbeit, die mir niemand zahlt*, mich aber von Arbeit abhält, die Geld reinbringt. 

*Ich möchte mich aber nochmal bei den Personen bedanken, die mir etwas ins Spendenkässchen geworfen haben. Das federt das etwas ab. Danke!

Mela Eckenfels (@Felicea): @threadreaderapp unroll

Mela Eckenfels (@Felicea): Noch ein P.S. 

Für jemanden der was mit 'with history' studiert hat, ist zunehmend schwerer auszuhalten, dass das Jahr 2020 in einigen Punkten ähnlich abläuft, wie das Jahr 1349, das Jahr 1832 oder das Jahr 1918.

Mela Eckenfels (@Felicea): Das jetzt, wo wir alle Möglichkeiten hätten, mit Wissen und Verstand gut informiert gegen eine Pandemie vorgehen zu können, nicht nur Gesundbeter und Seelenfänger aus der Versenkung auftauchen, sondern ihnen zugehört und geglaubt wird.

Mela Eckenfels (@Felicea): Wir haben nichts aus der Vergangenheit gelernt. Gar nichts. Und wir haben als Gesellschaft lediglich eine technologische Revolution hingelegt, aber keine gesellschaftliche.

Mela Eckenfels (@Felicea): 

Mela Eckenfels (@Felicea): 

Mela Eckenfels (@Felicea): 

Mela Eckenfels (@Felicea): 

Mela Eckenfels (@Felicea):