tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:/posts Matthias Seiferts Posthaven 2019-04-22T18:18:08Z Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1400804 2019-04-22T16:04:30Z 2019-04-22T18:18:08Z Bislicher Störche - heute ist was los: Jetzt ist das dritte Küken geschlüpft. ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1400722 2019-04-22T13:45:34Z 2019-04-22T13:45:34Z Bislicher Störche - Jetzt ist schon das zweite Küken geschlüpft. ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1400611 2019-04-22T08:10:46Z 2019-04-22T08:36:41Z Bislicher Störche: Das erste Küken ist geschlüpft.

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1400383 2019-04-21T21:01:42Z 2019-04-21T21:01:42Z Feinstaub: Benziner sind dreckiger als Diesel

Autos mit Ottomotor durften jahrelang mehr Ruß ausstoßen als Diesel. Jetzt zeigt sich: Nicht die Selbstzünder sind die größten Dreckschleudern.

Von Joachim Becker

Luftverschmutzung wird als Gesundheitsgefahr deutlich unterschätzt. Das zeigt nicht nur die aktuelle Leopoldina-Studie im Auftrag der Bundesregierung. Alarmierende Zahlen veröffentlichte im März auch das Max-Planck-Institut für Chemie zusammen mit der Universitätsmedizin Mainz: "Verschmutzte Außenluft fordert mehr Opfer als Rauchen", so die Ergebnisse des Wissenschaftlerteams. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Europäer werde dadurch um rund zwei Jahre verringert. In mindestens der Hälfte der Fälle sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache. Feinstaub in der Luft stellt dabei offenbar ein größeres Gesundheitsrisiko dar als bislang angenommen.

Feinstaub ist aber nicht gleich Feinstaub. Meist verbindet man damit die graue Rußwolke aus alten Dieselfahrzeugen oder den Staubbelag auf der Straße. Doch diese relativ groben Partikel sind nur der sichtbare Teil der Gefahr. Unsichtbar bleiben beispielsweise Stickoxide (NOx), die seit vielen Monaten im Zusammenhang mit möglichen Dieselfahrverboten diskutiert werden. Studien zeigen darüber hinaus, dass Kleinstteilchen aus dem Auspuff zusammen mit anderen Aerosolen einen besonders schädlichen Giftcocktail bilden. Dieser Ultra-Feinstaub mit minimalem Gewicht und Durchmesser ist gefährlich, weil er in den Atemwegen nicht herausgefiltert wird, sondern direkt in die Blutbahn eindringen kann. Moderne Partikelfilter reduzieren den Ausstoß von Feinstaub um über 99 Prozent - und sie erfassen selbst Partikel mit einem Durchmesser von lediglich 2,5 Mikrometern. Standard ist der Filter aber noch nicht.

Entgegen der landläufigen Meinung sind Dieselfahrzeuge nicht die Hauptverursacher von Feinstaub. Seit 2011 werden in Europa alle neuen Selbstzünder serienmäßig mit einem geschlossenen Rußsieb meist aus Keramik ausgerüstet. In dreckigen Städten wirken sie daher wie Staubsauger, die partikelhaltige Außenluft filtern. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit geht die weitaus größere Feinstaubgefahr seit Jahren von Benzindirekteinspritzern aus. Die vermeintlichen Saubermänner, die im Zuge des Diesel-Abgasskandals viele "dreckige" Selbstzünder ersetzt haben, entpuppen sich in Tests als gravierende Rußschleudern. Bereits vor zwei Jahren haben Schweizer Forscher festgestellt, dass moderne Benziner mit Direkteinspritzung so viele Rußpartikel ausstoßen wie alte Diesel vor 15 Jahren. An diesen Partikeln hängen zudem verschiedene krebserregende Substanzen, die über die Partikel in die Blutbahn gelangen können.

Die deutschen Autohersteller haben sich jahrelang gegen den Ottopartikelfilter gestemmt

Für ihre Untersuchung stellten die Forscher des Schweizer Empa-Instituts für Materialwissenschaften unter anderem die Euro-6-Benziner Citroën C4 1,2 Liter und Golf VII 1,4 Liter auf den Prüfstand. Getestet wurde nach den praxisnahen Regeln des WLTP-Normzyklus, der seit September 2017 für die Zulassung neuer Modelle gilt. "Ernüchternd", nennen die Empa-Ingenieure ihre Resultate: "Jeder der getesteten Benziner stieß zehn- bis hundertmal mehr feine Rußpartikel aus, als der zum Vergleich gemessene Diesel-Peugeot 4008 mit Partikelfilter", so Forschungsleiter Norbert Heeb. Der Peugeot Baujahr 2013 auf der älteren Emissionsstufe Euro 5b war das mit Abstand sauberste Fahrzeug im Test, während selbst die Euro-6-Benziner den EU-Grenzwert deutlich überschritten.

Das ist kein Zufall, denn moderne Direkteinspritzer (DI) haben ein generelles Problem: Kleinere DI-Motoren mit Turboaufladung sparen zwar Sprit, um auf Leistung zu kommen, müssen sie aber viel Kraftstoff unter hohem Druck einspritzen. Anders als bei Saugmotoren kann sich das Benzin nicht schon im Ansaugkanal gleichmäßig mit Luft mischen. Stattdessen bilden sich im Brennraum "fette Zonen": Wo Kraftstofftröpfchen mangels Sauerstoff unvollständig verbrennen, bildet sich Ruß. Trotzdem durften Benzindirekteinspritzer bis September vergangenen Jahres zehnmal mehr Partikel ausstoßen als Dieselfahrzeuge. Die vorgeschobene Begründung war die geringere Partikelmasse. Seit der Einführung von Euro 6 ist nicht mehr die Masse, sondern die Anzahl der Partikel ausschlaggebend, weil die für das Auge unsichtbaren Feinststäube in der Atemluft mindestens so gefährlich sind.

Die Autoindustrie hat sich jahrelang energisch gegen den Partikelfilter für Benzinmotoren gestemmt. Weniger wegen des Materialmehrpreises von etwa 100 Euro, sondern aufgrund des höheren Gegendrucks im Abgasstrang. Weil der Motor (wie beim Aufblasen eines Luftballons) zusätzliche Leistung für das "Ausatmen" aufbringen muss, steigt sein Verbrauch und damit der Ausstoß des Klimagases CO₂ (je nach Applikation um drei bis acht Prozent). Der Spiegelberichtete im Juli vergangenen Jahres, die deutschen Autohersteller hätten seit 2009 in geheimen Gesprächen verabredet, den Einsatz von Otto-Partikelfiltern möglichst zu verhindern. Ein weiteres Kartell gegen saubere Luft?

Erst seit dem Herbst des vergangenen Jahres werden alle Motoren nominell gleichbehandelt. Beim neuen WLTP-Prüfzyklus ist jedoch ein sogenannter Konformitätsfaktor von 1,5 bei der Partikelanzahl erlaubt. Das haben einige Hersteller als Schlupfloch genutzt: Während der Partikelfilter Pflicht für die Selbstzünder ist, können die Ottomotoren 50 Prozent mehr Ruß ausstoßen. Begründet wird das mit Schwankungen in der Messtechnik. Tatsächlich können sich viele Benziner dank dieser Messtoleranz noch um das Rußsieb drücken. Erst am 1. September dieses Jahres wird die Emissionsnorm Euro 6d-Temp für alle Neuwagen verpflichtend. Dann müssen die Fahrzeuge im Praxistest mit mobilen Messgeräten beweisen, dass sie die Grenzwerte bei Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h, Temperaturen bis -7 Grad und selbst bei Fahrten ins Gebirge einhalten. Erst dann wird der Partikelfilter wohl für alle DI-Ottomotoren zum Standard. Das Abgasproblem der bestehenden Benzinerflotte wird dadurch aber nicht gelöst.


https://www.sueddeutsche.de/auto/feinstaub-diesel-benziner-partikelfilter-1.4410994

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1400087 2019-04-20T18:49:46Z 2019-04-20T18:49:46Z Angrillen mit Alpenglühen (ohne Alpen) ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1399923 2019-04-20T15:21:43Z 2019-04-20T15:21:44Z Ich würde Trump einen neuen Namen geben und seine Frisur ändern, aber hey - was weiß ich schon von Politik?

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1399908 2019-04-20T14:35:40Z 2019-04-20T14:35:44Z Sie halten sich an das Verbot. Auf ihre Art...

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1399856 2019-04-20T10:55:12Z 2019-04-20T10:55:14Z Karfreitag der Kirche

Joseph Ratzinger als Papst Benedikt mit Familie Bush. Bild: Pixabay

Joseph Ratzinger macht erneut die "68er" verantwortlich für sexualisierte Klerikergewalt. Seine Ursachenforschung ist weder fromm, noch sachgerecht. In einem seriösen Diskurs sind auch die Historiker herausgefordert

In der zweiten Hälfte dieses Beitrags soll es konkret wie nur eben möglich zugehen. Denn am Karfreitag wird kein ewiges platonisches Schauspiel - abgehoben von der Welt - zelebriert. Die Dramatik von Golgotha besteht aus blutigem Ernst. Der verachtete und zu Tode gefolterte Mensch aus "Fleisch und Blut" ist der Ernstfall.

Jesus von Nazareth wollte Menschen dazu verführen, die eigene Schönheit zu entdecken und ohne Angst den aufrechten Gang einzuüben. Ein solcher Botschafter stört, und man darf ihn nicht am Leben lassen. Das System der Kreuzes-Aufrichter nährt sich nämlich aus der Anbetung der Macht und es sinnt auf nichts anderes, als dass Menschen Macht über Menschen ausüben.

Während die Fundamentalisten in allen Religionen zur Verteidigung des "Allmächtigen" aufrufen, lautet der Ruf des Karfreitags: "Schützt den verwundbaren Menschen, beendet den Kult von Macht und Gewalt!"

Wie schön klingt den Getauften seit Kindertagen die Kunde von einem Raum, in dem Jesus endlich Gehör findet und eine Gemeinschaft von Menschen wahr wird, die nicht nach den Gesetzen der sattsam bekannten Selbsterhaltungskollektive dieser Welt funktioniert.


Die platonische Kirchenlehre soll den Abgrund verdecken

Doch die Verhältnisse im verfassten Kirchengefüge, das sich einst als "perfekte Gesellschaft" präsentieren wollte, sie sind nicht so. Sehr bald nach der konstantinischen Wende ließ die Theologenpolizei der Staatsbischöfe Menschen verbrennen. Die Kreuzes-Aufrichter waren somit ins kirchliche System eingeschleust, wie der hl. Martin von Tours mit Bitternis erkennen musste.

Kein Verbrechen wäre zu nennen, das nicht im Laufe einer zweitausendjährigen Geschichte auch von einem Inhaber des päpstlichen Stuhles oder anderen Bischöfen und Geistlichen begangen worden wäre. Aus gutem Grund wird die Kirche in keinem rechtgläubigen Katechismus als Anbetungsobjekt aufgeführt.

Die sexualisierte Klerikergewalt offenbart auf besonders drastische Weise, dass der Kult der Macht Eingang in die Gemeinde Jesu gefunden hat. Wie kann es sein, dass mit guter Kunde beauftragte Botschafter Kinder, Jugendliche und andere Schutzbefohlene seelisch ermorden [1] - oder Schwestern zu sexuellen Sklavendiensten zwingen? In historischer und globaler Perspektive ist erst die Spitze eines Eisberges ansichtig geworden. Doch schon dies hat eine schier unaufhaltsame Pulverisierung der Kirche in Gang gesetzt.

Die bekümmerten und nachdenklichen Frommen bekennen mit Blick auf die Scheinsicherheiten des überkommenen Kirchengefüges: "Ad nihilum redactus sum. - Zu nichts bin ich geworden …". Die fundamentalistischen Anhänger einer platonischen Kirchenlehre wollen hingegen einen bequemen Weg gehen. Sie betäuben die eigene Angst und proklamieren, die feindselige Welt habe der Kirche die Schande ins Nest gesetzt.

Man muss nur befreit von den "Achtundsechzigern" zurückkehren zur reinen Lehre - wie 2010 Augsburgs Bischof Walter Mixa [2] - und genügend Exorzisten beauftragen. Dann wird alles wieder gut.


Horizont pädosexueller Verbrechen: "Physiognomie der 68er Revolution"?

Ein Täterbischof [3] in Florida führte schon 2002 seine eigenen Verbrechen entschuldigend auf ein bestimmtes "Klima der 70-er Jahre" zurück. In einem längeren kirchenpolitischen Text [4] für die aktuelle Ausgabe des bayerischen "Klerusblatt" hat der Theologe Joseph Ratzinger auf eben dieser Linie vor allem die "68er Revolution" für den Abgrund pädosexueller Klerikerverbrechen verantwortlich gemacht, der Sache nach aber auch seine alte These erneuert, der zufolge eine Akzeptanz von Homosexualität einem "Ausstieg aus der gesamten moralischen Geschichte" (!) gleichkommt.

Der Verfasser bleibt in seinem absurden Artikel meilenweit hinter Erkenntnissen zurück, die er in seinen Amtszeiten als Glaubenspräfekt und Bischof von Rom zum Gesamtkomplex der sexualisierten Gewalt erlangen musste. Die Stellungnahmen von Gewaltopfern, diffamierten Moraltheologen, kopfschüttelnden [5] "Systematikern", bekümmerten Laienvertretern und zornigen Publizisten sind in einem Dossier des "Münsteraner Forums" [6] und im Archiv von katholisch.de nachzulesen.

Die Quintessenz des Klerusblatt-Artikels lautet, ganz im Sinne von Kardinal [7] Gerhard Ludwig Müller: "Wir sind die Kirche und wir sind das Opfer!"

Sollte man die Wortmeldung von Joseph Ratzinger vielleicht begrüßen, weil sie - wie Bettina Gaus [8] zutreffend konstatiert hat - uns vor Augen führt, dass es um Teile der real existierenden Kirche viel schlimmer steht als gedacht und der "Mythos Papa emeritus" aus Deutschland jetzt endgültig ausgeträumt ist?

Der rätselhaft kurz greifende Horizont des ehemaligen Bischofs von Rom weist u.a. auch auf einen historischen Gedächtnisverlust hin, der beunruhigend ist und zwangsläufig eine "positivistische" - also faktenorientierte - Geschichtswissenschaft auf den Plan rufen wird.


Die Vergötzung des Klerikers im 19. Jahrhundert

Schon die klerikale "Sittengeschichte" des Mittelalters und der frühen Neuzeit offenbart ungezählte Widersprüche des geweihten Lebens, die freilich nicht immer zwangsläufig gewalthaltig waren. Erste Einblicke kann man sich schon durch edierte Visitationsberichte verschaffen.

Manche Reformatoren legten ohne Rücksichtnahme den Finger in die klaffende Wunde. Auch die Kulturschaffenden im Raum der römischen Kirche hatten in ihren Schöpfungen ja keine Schwierigkeiten, einen luxuriös gewandeten Klerus bis hin zu Päpsten und Kardinälen in langen Prozessionen der Hölle zuzuführen.

Noch waren Kleriker sterbliche Menschen wie alle anderen und genossen keine Immunität. Eine südwestfälische Chronik teilt zum Beispiel mit, bis etwa 1675 seien "die Leute hier zu Drolshagen auf Aschermittwoch um den hohen Altar gegangen, hätten geopfert, (…) den Wein und den Häring hat der Herr Pastor bekommen; sogar die Asche auch auf seinen Kopf." Auffällig ist, dass nach Abschluss der ultramontanen Verkirchlichung im 19. Jahrhundert öffentliche Kritik am Klerus in dieser Landschaft ganz verstummte. Wer hier ausscherte, wurde abgespeist: "Auf einem schwarzen Rock sieht man jedes Staubkorn."

Die Entwicklung, die in der Zuschreibung von göttlichen Attributen [9] an die hierarchische Spitze eskalierte, bringt der Religionswissenschaftler Friedrich Heiler 1919 so auf den Punkt: "Gehorsam gegen Gottes Gesetz ist für die strengen Katholiken gleichbedeutend mit Gehorsam gegen die kirchlichen Autoritäten."

Ob nicht besonders das 19. Jahrhundert die sexualisierte Gewalt im Kirchenraum zu ausuferndem Wachstum geführt hat, bleibt eine zentrale Forschungsfrage. Der geschichtswissenschaftliche Bestseller [10] "Die Nonnen von Sant' Ambrogio" von Hubert Wolf zeigt als gewissenlosen Akteur im mörderisch sexualisierten Gewaltkomplex eines Frauenklosters den Jesuiten Joseph Kleutgen (1811-1883). Dieser gehörte zu den bedeutsamsten intellektuellen Dienstleistern bei der rabiaten Durchsetzung einer neuen Idee: der 1870 dogmatisierten Lehre von päpstlicher "Unfehlbarkeit" und Allgewalt.

Kleutgens Sucht der Autoritätsverfechtung wurzelte in dem, was E. Drewermann in seinem "Kleriker"-Buch als "ontologische Verunsicherung" beschrieben hat. Wer die Verzweiflung der eigenen Existenz nur dogmatisch betäubt, ist gefährdet, der Gewalt als Täter - oder Opfer - zu erliegen. (Es erübrigt sich, in den nächsten Abschnitten immer wieder anzumerken, dass dies kein exklusiv "römisch-katholischer Komplex" ist.)


Neue Kongregationen: Nur Heilsbringer?

Das ultramontane - streng nach Rom ausgerichtete - 19. Jahrhundert des Katholizismus hat eine Fülle neuer Ordenskongregationen hervorgebracht. In den konfessionellen Landschaften waren Einrichtungen dieser Kongregationen wichtige Säulen des kirchlichen Gefüges. Effiziente Missionsorden erweiterten das weltkirchliche Kommunikationsnetz. Wohl nie zuvor wurden so viele karitative Einrichtungen förmlich aus dem Boden gestampft.

Dieser explosive "Ordensfrühling" kann unter vielen Gesichtspunkten betrachtet werden. Zigtausende Christinnen und Christen solidarisierten sich mit den Ärmsten, pflegten Kranke, arbeiteten für mehr Bildungsgerechtigkeit oder erprobten neue Wege der Sozialarbeit.

Homosexuelle Menschen, die sich nicht zur Heirat berufen fühlten, fanden Schutzräume und Anerkennung für einen abweichenden Lebensentwurf. Weibliche Orden waren nicht zuletzt unter bestimmten Bedingungen auch ein Experimentierfeld für die Emanzipation von Frauen. Die lichte Seite dauert in vielen verbliebenen Einrichtungen und Konventen noch immer an.

Doch der dunkle Schatten kann nicht ausgeblendet werden. Die verkirchlichten Milieus und also auch die Orden standen unter einer äußerst rigiden Sexualmoral, deren Einhaltung durch engmaschige Sozialkontrolle (Familie, Schule, Vereine ...) gewährleistet wurde. Die Repression produzierte keine höhere Sittlichkeit, sondern ungezählte Tränen, Heuchelei und viel Gewalt.

Wie überall, so gilt natürlich auch für die in nachfolgenden Abschnitten angeführten Beispiele: Nicht alle Kongregationen, nicht alle Niederlassungen einer Kongregation und nicht alle Mitglieder eines Konventes dürfen über einen Kamm geschert werden! Schlussendlich kann Haltbares zu Licht und Schatten immer nur auf der Basis von Empirie ausgesagt werden.


Zerbrochene Magie der katholischen Landschaft

Das Beispiel von Irland vermittelt nun jedoch eine Ahnung von dem, was über Generationen die Hofchronisten des konfessionellen Milieus in ihrer Geschichtsschreibung unterschlagen haben. Der Gewalt-Schatten im Gefüge der Einrichtungen von Pfarreien und Ordensgenossenschaften war so abgründig, dass sich förmlich eine ganze Nation in blankem Entsetzen entkirchlichte. Die "Magie der katholischen Landschaft" war zerbrochen.

Anhand der bisherigen "Katholizismus-Forschung" können wir noch gar nicht sagen, wie weit entfernt von "irischen Verhältnissen" hierzulande die Lebenswirklichkeiten lagen. Erst in diesem Jahrhundert werden unvoreingenommene Studien möglich. Die Dinge sind bisweilen verzwickt.

1981 erzählte mir eine betagte Frau, ein Vikar in Eversberg habe Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Küchentisch einen tödlich verlaufenen Abtreibungsversuch bei einer jungen Frau (bzw. "Freundin") vorgenommen und sei versetzt worden. Ein Dorfbewohner bestätigte vor einiger Zeit, so etwas gehöre zur lokalen Erzählüberlieferung. Ein kirchlich gesonnener Heimatforscher weiß hingegen rein gar nichts zu diesem Thema zu sagen. Solche traurigen Geschichten lassen sich selten mit einem Tag Archivarbeit aufklären.

Wie liegen die Dinge auf dem Feld der weltweiten Missionen? Für einige Ortskirchen in Australien und anderen Zielländern europäischer Missionsorden werden u.a. horrende Zahlen zum Anteil von Pädosexuellen im Klerus genannt. Ist es abwegig, nachzuforschen, ob entsprechende Täter-Strukturen nicht vielleicht in die Zeit der neuen Missionsorden des 19. Jahrhunderts zurückreichen? War die Reise über ferne Meere attraktiv auch für Kandidaten, die man nicht als "Heilsbringer" hätte entsenden dürfen?

Man scheut sich auch hier wieder, ungezählte - um Mitmenschlichkeit hochverdiente - Ordensmitglieder unter Generalverdacht zu stellen. Doch nach den abgründigen Erkenntnissen der letzten beiden Jahrzehnte erscheint es notwendig, auch das Feld "Mission und sexuelle Gewalt" historisch in großem Maßstab zu erforschen - und zwar unabhängig von der kirchen- und ordenseigenen Missionswissenschaft.


Die "Sittlichkeitsprozesse" der Nazis: Alles Lüge?

Der nachmalige Kardinal Gerhard Ludwig Müller klagte als Bischof der besonders belasteten Diözese Regensburg im März 2010, die Medien betrieben beim Thema "Missbrauch" eine "Kampagne gegen die Kirche", die ihn an die NS-Zeit erinnere. Bis heute bleibt G.L. Müller der Meistererzähler des Motivs "Kirche ist das Opfer" und liebt seine eigene Rolle als tragische Gestalt.

Müller bezieht sich ohne Zweifel nicht auf die in Hitlerdeutschland ermordeten Märtyrer der katholischen Basis, sondern auf die ab Mitte der 1930er Jahre angestrengten "Sittlichkeitsprozesse" gegen Ordensangehörige und Priester. Bei ca. 2500, zweifellos zum Großteil in kirchenfeindlicher Absicht durchgeführten Einzelermittlungen wurden 250 Verfahren eröffnet und 150 Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt. Müller argumentiert als "Dogmatiker" kirchenhistorisch hierzu scheinbar auf dem Stand einer Dissertation [11] von 1971.

Eine zukünftige Kirchengeschichtsschreibung wird diesen ganzen Komplex hoffentlich anders darstellen als die alte "apologetische Schule". Einerseits muss jenen homosexuellen Ordensmitgliedern, die sich nach heutigen strafrechtlichen - und überzeugenden ethischen - Maßstäben nichts zuschulden kommen ließen und dennoch aufgrund der Anklagen wegen §175 jegliche Solidarität der kirchlichen Gemeinschaft verloren, Gerechtigkeit widerfahren.

Andererseits sind in kirchenhistorischen Darstellungen ohne Verschleierung jene Fälle darzustellen, in denen Ordensangehörige gegen anvertraute Zöglinge brutale physische, oft gleichzeitig sexualisierte Gewalt ausübten, im Einzelfall sogar mit Todesfolge. Es verwundet die Opfer noch einmal mehr, wenn die zahlreichen Gerichtsverfahren (1935ff) wegen §174 pauschal unter die Überschrift einer kirchenfeindlichen NS-Kampagne gestellt werden. Dazu sollte sich kein Historiker hergeben.

Einstweilen scheint eine weitergehende geschichtswissenschaftliche Forschung von theologischen Fakultäten noch nicht geleistet zu werden. Privatdozent Dr. Thomas Schnitzler hat dagegen im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Stiftung Demokratie Saarland am 9. März 2015 seine Studie [12] zu einem grausamen Teilgebiet vorgelegt: "Sexualisierte Gewalt in Pflegeheimen des Bistums Trier. Unbekannte Vorfälle vor 1945". Ein 22seitiger täterbiographischer Anhang, den ich 2017 noch abrufen konnte, ist in der aktuellen Internetfassung leider nicht mehr enthalten.

Die Arbeit von PD Dr. Thomas Schnitzler ist frei von Häme und Polemik. Man kann auch als Katholik nur danken für die hier erarbeitete Hilfestellung zu einer neuen Wahrnehmung der Geschichte.


Caritasdirektor Dr. Rudolf Dietrich - ein Widerstandsheld der NS-Zeit?

Warum Opfer und auch Mitaufklärer an der Schwerhörigkeit der verbliebenen kirchlichen Selbstlob-Kollektive und Selbstschutz-Clans so oft verzweifeln, kann auch ein trauriger Kasus aus dem Erzbistum Paderborn vermitteln.

Über Paul Brune, Opfer sexueller Priester- und Pädagogen-Gewalt im römisch-katholisch geführten Johannesstift Marsberg [13] vor und nach 1945, berichtete David Schrawen schon in der Süddeutschen Zeitung vom 3.3.2003:1 [14] "Über Jahre wird Brune, wie er sagt, im Stift auch sexuell missbraucht. Zuerst vom Caritasdirektor des Bistums Paderborn, Rudolf D., in der Sakristei. Nach dem Krieg vom neuen Anstaltsleiter, Hubert M., in dessen Büro."1

Der hier genannte Geistliche Dr. Rudolf Dietrich (1907-1966) wechselte später mit dem nachmaligen Kardinal Franz Hengsbach ins neue Ruhrbistum Essen. Als Caritas-Direktor (1938-1954) stand Dietrich zur NS-Zeit ständig im Visier der Gestapo, doch er gehörte gewiss nicht zu jenen vergessenen Märtyrer- und KZ-Priestern, deren Gedächtnis dem deutschnationalen Militaristen Erzbischof Lorenz Jaeger 1945 extrem gleichgültig war.

Gleichwohl wird Dr. Dietrich 2016 in der Arbeit einer Schülerin als prominentes NS-Verfolgungsopfer gerühmt, was die Kirchenzeitung Der Dom vom 22.1.2017 in einem Bericht [15] hocherfreut aufgreift. Um Schlimmeres zu verhindern, meldet sich der Katholik und pensionierte Journalist Wolfgang Stüken zu Wort, dessen Klarstellungen dann aber nur in der "Neuen Westfälischen" vom 9.3.2017 als Leserbrief ("Seltsame Aufarbeitung") erscheinen.

Niemand nimmt den Einspruch ernst, sodass auch die Caritas auf ihrer Website [16] den einstigen Direktor noch immer unverdrossen wie ein Vorbild präsentiert. Wolfgang Stüken arbeitet weiter an einer Untersuchung zu den Marsberger Gewaltverhältnissen und hat mir vorab Einblick gewährt in ein erschütterndes Originalzeugnis des Opfers Paul Brune (1935-2015), das die oben zitierte Darstellung der "Süddeutschen" zum geistlichen Täter bekräftigt.


Abgründe bei den Vinzentinerinnen in Marsberg

Über Jahrzehnte hat Paul Brune versucht, Behörden und Öffentlichkeit über die Abgründe im Marsberger Johannesstift zu informieren. Heute ist allgemein anerkannt, dass die Zöglinge noch bis etwa 1980 eine kaum beschreibbare Leidensgeschichte durchmachen mussten. Die sexualisierte Gewalt gegen Jungen in der von Vinzentinerinnen geführten Marsberger Einrichtung ging auch von Nonnen [17] aus, ein noch immer wenig bedachter Täterinnenkomplex.

Mit "1968" freilich konnte das sexualisierte Gewaltgefüge der frommen Frauen im Sauerland oder auch in Speyer [18] noch nichts zu tun haben - mit rigider Sexualunterdrückung im konfessionellen Milieu aber sehr wohl. Paul Brune hat als Opfer der Einrichtung den Ordensfrauen seiner Leidenszeit später bescheinigt, bigott, ungebildet und unmündig bzw. hilflos gewesen zu sein. Man hüte sich, leichtfertig die "heilige Einfalt" zu loben!

Vor 1945 beriet die Vinzentinerinnen ein geistlicher Professor der Moraltheologie in Paderborn, der berüchtigte Joseph Mayer. Laut Insideraussagen hat er zur NS-Zeit ein dubioses "Euthanasie"-Gutachten verfasst, und es gibt wenig Grund, ihn als Anwalt von geschundenen Menschen zu betrachten. Bei Kriegsende war es für diesen V-Mann der Gestapo ratsam, ein neues Refugium zu suchen.

Kirchliche Publizistik galt damals offenbar als ideales Feld für geweihte NS-Kollaborateure. J. Mayer arbeitete 1946 bis 1956 als Schriftleiter des bayerischen Klerusblattes. (Das ist übrigens jenes Periodikum, in dem J. Ratzinger soeben seinen Artikel über die Schuld der "1968er" an sexualisierter Klerikergewalt veröffentlicht hat.)

Für eine vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Auftrag gegebene Dokumentation [19] zum Marsberger Stift haben die Autoren noch lebende Ex-"Insassen" befragt. Einer der Interviewten gab an, er sei als Kind von einem "Mönch(!), der die Messe gehalten habe, vergewaltigt worden". Hier gibt es, wenn auch vage, den Hinweis auf einen weiteren männlichen Täter.


Schläge mit dem Brautring Christi: "Die Erde ist schön …"

Einer meiner Freunde ist eine Generation nach Paul Brune in einem Kinderheim aufgewachsen, das auch von einer kurz vor dem I. Vatikanum gegründeten Frauenkongregation geleitet wurde. Die Bemühungen der 68er-Generation um Befreiung der Kinder aus antiquierten Erziehungsanstalten kamen ihm erst sehr spät durch die Anstellung weltlich ausgebildeter Sozialpädagogen zugute. Mein Freund sagt nicht, die Nonnen wären in einen Orden gegangen, um ihm das Leben schwer zu machen. Er sagt vielmehr aus heutiger Sicht, dass sie völlig überfordert waren.

In Kinderzeiten war seine maßgebliche Betreuerin nur die Ordensfrau G. Sie kam aus einer stramm katholischen Bauernfamilie in Westfalen und hatte noch nicht die Möglichkeit, bei einem Therapeuten wie Eugen Drewermann Hilfe zu suchen. Ihr Essverhalten war auffällig, ein reichhaltiger Bier- und Weingenuss kam hinzu.

Den Kindern erzählte die Nonne, sie sei mit Jesus verheiratet und trage deshalb einen Ehering. In Erinnerung hat mein Freund diesen Ring, weil er bei körperlicher Züchtigung die Schmerzen vervielfachte. Die Schwester hatte nicht gelernt, wie Menschen offen miteinander sprechen statt Gewalt anzuwenden. Am Sonntag wurde gesungen: "Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr: Neu ist der Mensch, der liebt wie er …"

Sexualisierte Gewalt ging von älteren Zöglingen aus, doch sie wurde von den Nonnen offenbar nicht erkannt. Ein Täter blieb der immerwährende Musterknabe des Hauses. Vier enge "Heim-Brüder" meines Freundes haben wegen Drogenkonsum und Suiziden nur ein kurzes Leben gehabt. Die Einrichtung war ganz durchschnittlich und ist nie Gegenstand eines öffentlichen Skandals geworden. Vor einiger Zeit begegnete mein Freund eine Novizin des Klosters aus seiner Kinderzeit. Sie ist aus dem Orden ausgetreten und lebt heute mit einer Partnerin zusammen.


Ein pädosexueller Rektor predigt gegen Eugen Drewermann

In der Zeit des Theologiestudiums habe ich an meinem Heimatort werktags oft einem pensionierten Priester, der aus dem Bistum Essen zugezogen war, zur Messe ministriert. Dieser "Rektor" hatte einen "gehobenen Lebensstil" und war bekannt für seine Kritik des bei Visiten dargereichten Gebäcks. Die katholische Publizistin im Dorf monierte seinen albernen Umgang mit Kindern im Schwimmbad am Ort. Erst viel später habe ich erfahren, dass er regelmäßig mit Kindern u.a. auch in weit auswärts gelegene Schwimmbäder gefahren ist. Alle Eltern waren ahnungslos …

Wir ehrenamtlich tätigen "Nicht-Kleriker" in der Gemeinde waren in den 1980er Jahren vollständig uninformiert bezogen auf den Rektor und auch vollständig ignorant hinsichtlich des Komplexes Pädo-Sexualität. Heute können wir uns beides nicht mehr erklären. Warum klärte uns die Geistlichkeit über den Rektor nicht auf? Warum waren wir selbst so unwissend, blind und unfähig, Wahrnehmungen "begrifflich" zu fassen, zur Sprache zu bringen? Gab es vor 35 Jahren eigentlich schon "Tatort"-Regisseure, die das Publikum über Pädo-Sexualität aufklärten?

Beim Mittagessen schimpfte mein Vater nach einer Heizungsreparatur in der Wohnung des Rektors, der ganze Flur sei behängt mit Kinderfotos, Jungen in Badehose. Ich bin nicht auf die Idee gekommen, unseren Pfarrer, mit dem ich ständig in Kontakt stand, zu dieser Sache des Pensionärs zu befragen.

Viel hielt der Rektor auf seine enge Verbindung zum Weihejahrgangs-Confrater und Essener Bischof Franz Hengsbach, der wegen seiner politischen Kampagnen gegen die lateinamerikanische Kirche der Armen kurze Zeit darauf zum Kardinal erhoben wurde. Meine Einwände gegen den Rektor waren theologischer Natur. Er predigte im Sinne des damaligen römischen Glaubenspräfekten J. Ratzinger und des Paderborner Erzbischofs gegen Eugen Drewermann, dessen Werk "Strukturen des Bösen" doch meine theologische Existenz gerettet hatte. Das Problem des Menschen, so verkündete der Rektor, sei überhaupt nicht die Angst. Er z.B. habe überhaupt gar keine Angst.

Als der Rektor sich später selbst nicht mehr versorgen konnte, musste sein Haushalt aufgelöst werden. Ein Augenzeuge hat mir Fundstücke der Wohnungsauflösung aufgezählt: ein Buchratgeber zum Thema "Wie verführt man kleine Jungen"; ein Filmfundus mit "Kinder-Pornographie", Kinder-Aktfotos (mit einem Möbelstück des Rektors) … Diese Kenntnisse habe ich vor neun Jahren den Bistümern Paderborn und Essen mitgeteilt. In Paderborn (Weihebistum, Ruhestandsbistum) lag keine relevante Personalakte zum inzwischen verstorbenen Rektor vor; aus dem für die meisten Berufsjahre zuständigen Ruhrbistum kam keine Antwort auf meine Fragestellungen.

Ein Nachschlagewerk zu NS-Kirchenkonflikten weist auf, dass der Rektor als geistlicher Religionslehrer während des 3. Reichs einmal verhört worden ist. Er hat aber nach 1945 auf dem kirchlichen Fragebogen offenbar gar nicht angegeben, worum es dabei eigentlich ging: "Näheres nicht ermittelt!"

Zum Vorschlag, in meiner Heimatgemeinde unser kollektives Wegsehen und Versagen zu reflektieren, beschied die zwischenzeitlich zuständige Ortsgeistlichkeit vor einem Jahrzehnt als Letztinstanz, das würde nur die Gemeinde beunruhigen. Das Verhalten von insgesamt drei verstorbenen Kardinälen wäre im genannten Fall zu untersuchen.

Im Bistum Münster und anderswo wird heute vorgemacht, dass weit zurückliegende Fälle konkret in Pfarrgemeinden [20] aufgeklärt werden können. Dazu gibt es gar keine Alternative.

Für solche vertrauensbildenden Veranstaltungen müssen die Kirchenleitungen selbstredend offenlegen, welche Stationen die Geistlichen aufgrund welcher versetzungsrelevanter "Vorkommnisse" durchlaufen haben und wie die Bischöfe die jeweilige Ortsgemeinde speziell beim Umzug pädosexueller Priester ins Bild gesetzt haben, um Kinder zu schützen, oder - im anderen Fall - einfach für Stillschweigen sorgten und Akten verschwinden ließen.

Liebe Generalvikare! Es genügt heute nicht mehr, wenn ein Bistum mitteilt, es gäbe zwar Aktenlücken, aber keine Belege für eine planmäßige Selektion von Akten. Wir Getauften wollen genau wissen, welche Bistümer Transparenz schaffen und welche nicht.


Die rechtgläubigen Kandidaten des Bischofs Joachim Meißner

Im Paderborner Konvikt suchte zu der Zeit, als ich noch Priesteramtskandidat war, der Berliner Ost-/West-Bischof Joachim Meisner (1933-2017) "seine Theologiestudenten" auf. Der geistig rege Teil der Hausgemeinschaft empfand seinen infantilen Show-Auftritt am Abend als peinlich. In einem Restaurant an der Pader, so wurde mir von einem Augenzeugen mitgeteilt, wedelte der Berliner Bischof vor seinen zukünftigen Priestern mit einem dicken Bündel Geldscheine, um ihnen seine Wertschätzung auszudrücken.

Er hätte ihnen aber besser auf andere Weise Aufmerksamkeit schenken sollen. Zwei seiner romtreuen Kandidaten haben nach Zechgelagen meine Schutzgrenzen missachtet. Sie setzten sich nicht mit ihrer Homosexualität auseinander, zumal Joseph Ratzinger alsbald in Rom ein entsprechendes Priester-Berufsverbot forcierte. Nach der Beerdigung des erstgeweihten Berliners, der nicht alt geworden ist, saßen wir zu drei Männern an einem Tisch und erfuhren voneinander, dass wir alle den gleichen "Vertrauensbruch" erfahren hatten. Die gesamte abgründige Geschichte kann ich dem zuständigen Bistum auf Anfrage erläutern. Der inzwischen verstorbene Kleriker hat übrigens als Zögling einer sehr kinderreichen Familie von einem älteren Bruder selbst regelmäßig sexuelle Gewalt erfahren.

Irritationen der Meisner-Zeit in dem von Opus Dei und Neokatechumenat dominierten Erzbistum Köln halten an. Ein Übergriff gegenüber schon volljährige Personen stand offenbar einer weiteren Kleriker-Karriere nicht entgegen. Derzeit wird u.a. geprüft, warum unter Kardinal Meisner ein "Missbrauchs"-Verfahren [21] nicht vorschriftsgemäß nach Rom gemeldet worden ist.

Zu den besonders bewegenden Stunden dieses Jahres gehört für mich die Predigt eines Seelsorgers, der der Gemeinde etwas von seinen Erfahrungen mit dem Machtmenschen Joachim Meisner mitteilte. Nach der Priesterweihe mit Handauflegung war der Kardinal auf den kritisch-loyalen Theologen zugegangen: "Jetzt habe ich Sie in meinen Fängen!" Befreiend war die persönliche Direktheit und Offenheit dieser Predigt wider den Machtkult. Die ganze Gemeinde atmete auf - mit frohen Gesichtern - und applaudierte laut. Meine über 90-jährige, geistig hellwache Banknachbarin kommentierte: "Heute war es doch so fromm!"


Keine Heilung ohne Hilfe von außen

In diesem Beitrag sind einige Erfahrungen, Fakten und Gesichtspunkte zusammengeführt worden, die für ein weiteres Nachdenken hilfreich sein können. Bezogen auf den Abgrund der sexualisierten Gewalt (Ursachen, Begünstigungsfaktoren, Ausmaß, Heilungswege …) gibt es keine allwissenden Experten - weder in den Kirchen und Religionsgemeinschaften, noch in der Gesellschaft. Gewiss ist allerdings, dass im Raum der Kirche ein geistiges, ökonomisches(!) und rechtliches Machtgefüge - neben anderem - die Entstehung und Vertuschung von sexueller Gewalt befördert hat. Insbesondere der klerikale Männerbund unter Ausschluss der weiblichen Hälfte der Getauften hat jegliche Legitimität verloren, seitdem die Öffentlichkeit ihn zum beträchtlichen Teil als eine kriminelle Vereinigung einstuft. Wer hier weniger angehen will als eine neue Reformation, kann keine Autorität mehr beanspruchen.

Die schlimmste Versuchung besteht derzeit darin, angesichts der lethargischen Stimmung im Kirchenraum und im Wissen um die noch kommenden "Gebirgsmassen" bei den ersten Schritten stehen zu bleiben. Das Aufklärungsprojekt steht bestenfalls am Anfang. Erst zu einem späteren Zeitpunkt des Weges kann die Kirche vielleicht auch eigene Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen und die Abgründe in "diakonische Kompetenz" verwandeln.

Die Auflösung der konfessionellen Milieus hat etwas Heilsames, denn jetzt gibt es bald die Vertuschungs-Clans und Stillschweige-Pakte nicht mehr. Kein Verständiger vertraut noch darauf, dass Kirchenbehörden oder kirchenamtliche Auftragsschreiber so etwas wie eine seriöse, aufklärerische "Vergangenheitsbewältigung" hinbekommen. Wo wie im Bistum Hildesheim Hilfe [22] von außen erbeten und angenommen wird, besteht Hoffnung.

Zum Schluss: Wer sich heute noch mit Brüsseler Spitzen und Kleiderfirlefanz aus feudalistischen Zeiten schmückt, zeigt äußerlich an, dass er sich nicht helfen lassen will. Wenn einige Bischöfe im theologischen Sinn Interviews ohne Inhalt geben und offenbar nicht mehr wissen, was die Gemeinde Jesu auf dem Globus bewegt, so ist das traurig. Aber es liegt nicht an Jesus von Nazareth, sondern an den Bischöfen.


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Links in diesem Artikel:
[1] http://die-kinder-lassen-gruessen.at/
[2] https://www.spiegel.de/panorama/katholische-kirche-bischof-mixa-gibt-sexueller-revolution-mitschuld-an-missbrauchsfaellen-a-678203.html
[3] https://derstandard.at/889609/Bischof-in-Florida-wegen-Missbrauchs-Minderjaehriger-zurueckgetreten
[4] https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-04/papst-benedikt-xvi-wortlaut-aufsatz-missbrauch-theologie.html
[5] https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/dogmatikprofessor-benedikt-text-offenbart-system-des-schweigens
[6] http://www.theologie-und-kirche.de/
[7] https://www.welt.de/vermischtes/article191864733/Kardinal-Mueller-Benedikts-Schreiben-intelligenter-als-alle-Beitraege-zu-Missbrauchsgipfel.html
[8] http://www.taz.de/!5585436/
[9] https://www.heise.de/tp/features/Die-dritte-Inkarnation-Gottes-in-Rom-3382932.html
[10] http://www.imprimatur-trier.de/2013/imp130605.html
[11] https://epub.ub.uni-muenchen.de/4650/
[12] https://www.stiftung-demokratie-saarland.de/uploads/media/Sexuelle_Gewalt_in_Pflegeheimen_01.pdf
[13] https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/erlebtegeschichten/vorlage_erlebtegeschichten104.html
[14] https://www.heise.de/tp/features/Karfreitag-der-Kirche-4402938.html?view=fussnoten#f_1
[15] http://www.derdom.de/artikel/widerstand-widrigen-zeiten
[16] https://www.caritas-paderborn.de/ueber-uns/caritas-geschichte/caritas-geschichte/
[17] https://www.focus.de/panorama/welt/klinikopfer-brechen-ihr-schweigen-nonnen-in-jugendpsychiatrie-marsberg-quaelten-und-missbrauchten-kinder_aid_946889.html
[18] https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/missbrauch-in-speyer-auch-frauen-als-tater-im-visier
[19] https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=43956
[20] https://www.kirche-und-leben.de/artikel/sexueller-missbrauch-kaplan-pottbaecker-war-taeter-in-bockum-hoevel/
[21] https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/koelner-erzbistum-beurlaubt-pfarrvikar-100.html
[22] https://www.kirche-und-leben.de/artikel/hildesheim-will-missbrauchsvorwuerfe-gegen-ex-bischof-aufarbeiten/

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1399737 2019-04-19T17:38:00Z 2019-04-19T17:38:04Z Notre-Dame als Gau des Internet der freien Kommunikation

Notre-Dame brennt, ein Ereignis von historischem Ausmaß. Youtube untertitelt die Videos jedoch mit Infobox-Texten aus der Encyclopedia Britannica zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Zensur-Bots hatten vorsorglich die Videos als Fake News identifiziert und den Inhalt entsprechend kommentierend „richtig“ gestellt.

Einen besseren Live-Test für die Fehlbarkeit der schöngedachten neuen Internet Welt kann es nicht geben. Die Dimension der Fehlinterpretation AI-getriebener Bots, einer künstlichen Intelligenz (KI, im englischen Artifical Intelligence: AI), prallt frontal gegen frisch verabschiedete Gesetze. Gesetze, die davon ausgehen, dass AI in der Lage sein würde, intelligent zu zensieren.
Die deutsche Geschichte ist reich an Satire über Zensurbehörden. Da haben jedes deutsche Reich und jede deutsche Republik ihre ganz eigenen Qualitäten entwickelt. Aber: Immer waren es Funktionäre, Beamte oder andere Funktionsträger. Immer waren es Menschen.

Mit AI-Zensur-Bots, darunter auch der Upload Filter, wird ein neues Kapitel in der Zensurgeschichte aufgeschlagen. Es könnte heißen „Zensur im Zeitalter der fremdgesteuerten Ahnungslosigkeit – alienated ignorance-AI“. Bis dato war es eine Amtshandlung, eine Entscheidung, eine Weisung, ein Verbot, gegen das man sich zum Teil wehren, das man vielleicht austricksen konnte. Jetzt wird die Verantwortung auf eine dritte Macht, götter- oder schicksalsgleich verschoben. In den Medien heißt das dann, dass der „Youtube-Algorithmus .. gescheitert“ sei. Ein Algorithmus ist eine Handlungsvorschrift, eine Dienstanweisung, ein Script Code, programmiert von einem verschlafenen Programmierer mittlerer Intelligenz, geplant von einem Systemarchitekten mit mittlerer Intelligenz in Erwartung einer höheren Intelligenz. Später wird man sagen: „so entstand die Matrix“.
Was für eine Informationswelt entsteht, wenn unsere Bilder und Töne von AI vorzensiert werden? Wer verbreitet dann Fake News? Die aktuelle Entwicklung der großen Informationskanäle, in Reaktion auf neue Internet Gesetze ist jetzt schon verheerend, obwohl sie noch in keinem europäischen Land verabschiedet wurden.

Vom Profit getriebene Interessen der traditionellen Kunstverwerter zerstören organisch gewachsene Suchalgorithmen, entstanden aus dem Bedürfnis, das zu finden was man sucht. Inzwischen kann man sich nicht mehr sicher sein, ob das Angebotene nur scheinbar das Gewünschte ist. Vielleicht entschied ein Zensur-Bot, lieber die „Richtige“ Alternative abzuspielen.
Vielleicht ist es aber auch ein Marketing-Bot, der (nach der Werbung) bezahlten Inhalt präsentiert, der zu irgendetwas überreden soll, geschickt zugeschnitten auf die Suchanfrage.
Wo wird mein hochgeladenes Material eingeordnet? Gibt es vielleicht wieder schwarze Listen? Klopft irgendwann ein Sicherheitsorgan an meine Tür? Wer kontrolliert das Ganze?

Notre-Dame ist nicht nur ein Sinnbild der Verletzlichkeit unserer Symbole, die im Anblick ihrer Zerstörung Gefühle auslösen, einen besten Freund verloren zu haben. Notre-Dame ist zugleich ein Symbol dafür, wie das Internet der freien Kommunikation geschlachtet wurde. Geschlachtet und ausgeweidet, im vorauseilenden Gehorsam, von den Internet-Giganten selbst.
Die Triade aus geldgeilen Verlagen, an Selbstüberschätzung leidenden Politikern und moralinsauren Mediendebatten macht die Weiten der Ozeane zu einer nebligen Brühe aus Geisterbildern und Truglichtern. Folgen Sie bitte dem grünen Licht…
Es ist Zeit, sich neue Surfreviere zu suchen. Piraten lieben das freie Meer und die freie Sicht.



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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1399438 2019-04-18T20:38:33Z 2019-04-20T14:24:54Z Update: Notre Dame - Ein Leserbrief (nrz) und die ungekürzte Fassung

Und das ist die ungekürzte Fassung des Leserbriefs, einschließlich der Streichungen an Stellen, die die nrz im gedruckten Text nicht kenntlich gemacht hat:

Welcher Geist soll da auferstehen ? Das Symbol  der abolutistischen Herrschaft des Adels im Bündnis mit der Römisch-Katholischen Kirche ? Der Inquisition ? Der europäischen Kriege im Namen der Religion und Konfession ?  Des Nationalismus von Verdun ? Der Ausbeutung der Kolonien durch die Reichen und Mächtigen Europas? Des europäischen Neoliberalismus von Macron und seines Milliardärsprotektors  Arnault und der Clans von Pinault, Total und L'Oréal ? Welcher Gott soll darin wohnen ? Nur der abendländisch-christliche Kriegsgott und des Marktes oder der des Geistes Jesu und seiner Bergpredigt, der Vernunft der Aufklärung oder  der demokratischen  Frz. Revolution für Freiheit, Gleichberechtigung und Solidarität mit den Geschwächten ? Zur Selbstbeweihräucherung der Reichen und Mächtigen oder der Anbetung der Nation oder gar des weithin unchristlichen Europas  heute ? Als Mahnmal und als bautechnische und kulturelle Meisterleistung aufbauen ja, als Machtverherrlichung nein.  Sorry, wenn schon Weltkulturerbe und Geschichte, dann das Ganze.

Dietrich Horstmann

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1399427 2019-04-18T19:59:29Z 2019-04-18T20:00:15Z Wann ist tot tot?

Während in Deutschland die Organspende zum Normalfall erklärt werden soll, wird in der Schweiz der Hirntod als Kriterium für den eingetretenen Tod angezweifelt

In Deutschland geht man zumeist davon aus, dass der Mensch mit dem Eintreten des Hirntodes sein Leben ausgehaucht hat, ein Bild, das im Übrigen aus dem Alten Testament stammt und als Geweihter Atem/Heiliger Geist die christliche Theologie bis heute beeinflusst, hatte doch der aus Lehm geformte Adam sein Leben erst durch das Einhauchen des göttlichen Atems erhalten. Mit dem Hirntod hat man in der europäischen Kultur den Tod eines Menschen definiert, auch wenn es heute möglich ist, viele lebenswichtige Körperfunktionen mit externen Mitteln anzusteuern, so dass sogar eine hirntote [1]Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen kann

In Deutschland will man auf der Basis der Definition des Hirntods jetzt die Entnahme von Organen zum Zwecke der Transplantation erleichtern, indem man auf die mit einem Testament vergleichbaren Einwilligung zu Organentnahme verzichten, die Organspende zum Normalfall erklären und für ihre jeweilige Ablehnung eine aktive Erklärung fordern will. Diese Widerspruchsregelung hat einigen Widerspruch [2] herausgefordert. Dagegen gibt es in der Schweiz eine Ärzteinitiative, welche dafür plädiert, die Organentnahme bei Hirntoten zu verbieten.

Die erste Herztransplantation gelang dem südafrikanischem Chirurgen Christiaan Barnard am 3. Dezember 1967 im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Zwar überlebte der 53 Jahre alte, aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky die Operation nur um 18 Tage, dies galt jedoch damals als großer Erfolg der Transplantationsmedizin. Das Herz stammte von der 25-jährigen Bankangestellten Denise Ann Darvall, die bei einem Verkehrsunfall tödliche Hirnverletzungen erlitten hatte [3].

Ihr Vater gab die Zustimmung für die Entnahme des Herzens. Das war damals vergleichsweise unbürokratisch möglich. Inzwischen lässt sich die Abstoßung eines transplantierten Organs besser vermeiden und somit hat sich die Lebenserwartung der Menschen, welchen ein Organ eingepflanzt wird, deutlich erhöht. Und mit der Operationsroutine nahm auch die Zahl der Transplantationen zu, was manchen Organempfängern ein neues Leben nicht nur versprochen, sondern auch ganz praktisch ermöglicht hat. Und wer Menschen kennt, deren Weiterleben von einem gespendeten Organ abhing, kann einschätzen, welche Bedeutung die Organspende für diese Menschen hat.

Da in Deutschland die Zahl der Organspender nicht so ansteigt wie der Organbedarf, sucht man nach Möglichkeiten, also etwa 10.000 Menschen auf eine Organspende warten, aber im vergangenen Jahr nur 800 Spender gefunden werden konnten, sucht man nach Möglichkeiten, die Spende und damit die Organentnahme organisatorisch zu vereinfachen. In Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Spanien und der Türkei sowie den Niederlanden gilt heute bereits die Widerspruchslösung.

Wann ist ein Mensch tot?

In Dänemark, Großbritannien, Litauen, Rumänien und der Schweiz gilt die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung. Dabei müssen die Angehörigen stellvertretend für die verstorbene Person über die Organentnahme entscheiden, falls der Verstorbene zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen und dokumentiert hat. Und in der Schweiz, wo im vergangenen Jahr 126 Personen nach ihrem festgestellten Hirntod zu Organspendern wurden [4] und jetzt auch über eine Widerspruchslösung nachgedacht wird, regt sich inzwischen Widerstand dagegen, dass der Hirntod als Kriterium dafür genutzt wird, Organe aus einem menschlichen Körper entnehmen zu dürfen. Herzen oder Lungen aus einem noch lebenden Körper zu schneiden, sei ein massiver kultureller Bruch, meint der von Ärzten und Pflegefachleuten neu gegründete Verein Äpol, der ein Totalverbot von Organspenden von Hirntoten durchsetzen will.

Dem Verein geht es nach eigener Aussage darum, dass durch eine Organentnahme der natürliche Sterbeprozess gestört werde und für die Angehörigen eines potentiellen Organspenders eine aktive Begleitung des Sterbevorgangs verunmöglicht würde. Da man für die Transplantation von Organen diese im Spender mit technischer Hilfe in ihrer Funktion erhalten muss, weil sich tote Organe nicht mehr verpflanzen lassen, müsse man davon ausgehen, dass die betreffende Person noch lebe. Es gebe bislang keinen Beweis, dass Hirntote nichts mehr empfinden könnten und dass sie somit möglicherweise unter einer Operation leiden könnten, die sie faktisch töte.

Wenn man sich allerdings von der Vorstellung des Hirntodes verabschieden will, ist die Medizin gezwungen, sich bei der Transplantation auf solche Organe zu beschränken, die für den Spender nicht lebensnotwendig sind, weil er mindestens zwei davon hat und mit diesen weiterleben kann. Für alle anderen Menschen wäre die Hoffnung auf ein transplantiertes Organ damit erloschen. Da stellt sich die Frage, ob der Vorgang des individuellen Sterbens bedeutender sein soll als die Möglichkeit, einem anderen Menschen ein Weiterleben zu ermöglichen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/portugal-hirntote-frau-bringt-gesundes-kind-zur-welt-a-1260718.html
[2] https://www.heise.de/tp/features/Organspende-wider-die-Widerspruchsregelung-4358929.html
[3] https://www.deutschlandfunk.de/vor-50-jahren-erste-herztransplantation-der-welt-in-kapstadt.871.de.html
[4] https://www.nzz.ch/schweiz/aerzte-wollen-die-organentnahme-bei-hirntoten-komplett-verbieten-ld.1470564

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1399373 2019-04-18T16:26:35Z 2019-04-18T16:26:35Z Diesel gegen Elektro: Nein, doch, ohhh!

Die Ifo-Studie arbeitet mit nicht korrekten Zahlen

Ich bin etwas im Eile, aber die heute erschienene Ifo-Studie(pdf) kann man so nicht stehen lassen. Sie behauptet, dass E-Fahrzeuge im besten Falle 11 % und im schlechtesten Falle 28 % mehr CO2 verursachen, als ein Mercedes Diesel 220d. Als Vergleich hat man dazu einen Tesla 3 genommen. Aus Zeitgründen hier nur die beiden wichtigsten Faktoren, die die Studie leider unglaubhaft machen:

1. Man rechnet noch mit dem NEFZ Verbrauch

Die Studie basiert auf dem veralteten und vor allem für Verbrenner schön gerechnetem NEFZ Verbrauch. Der neue WLPT Zyklus führt zu bis zu 30% höheren Verbräuchen. Das gilt natürlich auch für den Tesla. Da der angebotene Ladestrom aber bei fast allen Anbietern aus regerativen Energiequellen kommt, ändert sich der CO2 Wert kaum, auch wenn der Verbrauch steigt. Beim Diesel bleibt er jedoch bestehen. Die 30%, die ein Diesel besser sein soll als ein E-Auto sind allein schon deswegen hinfällig, weil der NEFZ Wert 30% unter dem tatsächlichen Verbrauch liegt.

Hier noch mal genauer aufgeschlüsselt:

2. Falscher Flottenverbrauch

Zitat aus der Studie: “So wurde der CO2-Ausstoß pro Pkw-Kilometer von 2015 bis 2020 gesetzlich bereits von 130 auf 95 Gramm pro Kilometer gedrückt.“
Die Autoren vergessen zu erwähnen, dass nicht ein einziger Hersteller diese Wert in der Flotte zur Zeit schafft.

3. Die “Schweden-Studie”

Es gibt eine lange Geschichte zur unglücklichen Schweden-Studie. Diese hat ein Problem bei der Berechnung der CO2-Werte bei der Batterieproduktion. Das Handelsblatt (und andere Publikationen) haben die Studie, bzw. das, was daraus berichtet wurde, schon widerlegt. Ich zitiere hier ausdrücklich aber das Handelsblatt, weil die nun wirklich nicht in dem Verdacht stehen für die Öko-Industrie zu schreiben.

Zitat aus der Ifo-Studie: “In einer Metastudie, die eine Vielzahl von anderen wissenschaftlichen Arbeiten zusammenfasst, schätzen Romare und Dahllöf (2017), dass pro kWh Batteriekapazität zwischen 145 kg und 195 kg an CO2-Äquivalenten ausgestoßen werden. Für eine Tesla-Batterie von 75 kWh bedeutet das einen zusätzlichen CO2-Ausstoß von 10 875 kg bis 14 625 kg CO2.”

Die „Schweden-Studie“ ist eine Metastudie, sie fasst mehrere Studien zusammen. Diese Studien geben wiederum unterschiedliche Werte an. Pro Kilowattstunde (kWh) liegen die Werte zwischen 70 und 200 Kilogramm emittiertem CO2. Die Schweden haben dann einen Mittelwert genommen (140 kg). Einige Journalisten haben aber den Höchstwert genommen, auf eine 100 kWh Batterie eines Tesla umgerechnet und kamen so auf die 17 Tonnen CO2, die auch von der Ifo-Studie ausgerechnet wird. Nur stimmen die 17 Tonnen CO2 hinten und vorne nicht.

LG hat Zahlen zur Produktion eines Akku rausgerückt. Zitat Handelsblatt: “…dass die Emissionen bei etwa 140 Kilogramm pro Kilowattstunde Speicherkapazität liegen. Bei einer Kapazität von 24 kWh wurden also bei der Herstellung des Akkus für den Ford Focus insgesamt 3,2 Tonnen CO2 freigesetzt. Zum Vergleich: Ein Benziner mit knapp sieben Liter Verbrauch stößt diese Menge auf einer Fahrstrecke von 20.000 Kilometern aus.” Rechnet man dies wiederum auf den Tesla hoch, kommen man auf einen Wert von unter 10 Tonnen.

Dazu kommt dann allerdings auch noch, dass die Gigafactory, in der die Batteriezellen für den Akku hergestellt werden, mit regenerativen Energien betrieben wird. Aber selbst, wenn man diesen Faktor ignoriert. Der tatsächliche Wert bleibt bei unter 10 Tonnen CO2. Damit sinken auch die Werte pro Kilometer von den in der Ifo-Studie angegebenen Wert von 98 Gramm auf um die 55 Gramm.

Nervigerweise findet eine eigene Aufschlüsselung der Daten und Werte in der Ifo-Studie nicht statt, man bedient sich der falschen Zahlen aus der Schweden-Studie und weist an keiner Stelle darauf hin, dass die Studie mehrfach kritisiert und widerlegt wurde.

40 % weniger CO2 pro Kilometer als angegeben. 30 % weniger Verbrauch bei Diesel, weil man sich auf einen alten Verbrauchswert bezieht. Zusammengerechnet liegt das E-Auto, wie viele andere Studien auch belegen, deutlich unter dem Diesel.

Was man Ende dann dazu führt, dass plötzlich der Diesel besser da steht, als der E-Motor. Erstaunlicherweise ist diese Studie des Ifo-Institut die einzige mir bekannte Studie, die behauptet, dass ein Dieselfahrzeug über die gesamte Lebensdauer immer in Sachen CO2 immer besser dasteht, als ein E-Auto. Selbst die mit falschen Zahlen agierende Schweden-Studie gibt an, dass ein Tesla S ab einer bestimmten Laufleistung besser ist, als ein Diesel.

4. Stickoxide
Völlig außer Acht gelassen hat die Studie die Frage der Stickoxide, die ja gerade bei Diesel ein Problem darstellen. Die Fahrverbote, die gerade diskutiert und teilweise umgesetzt werden, beziehen sich aber nicht auf die CO2 Belastung, sondern auf Stickoxide und Feinstaub.

Die Ifo-Studie ignoriert diese Punkte komplett und bezieht auf die reine CO2-Belastung, was völliger Unsinn ist. Zum einen stimmen die Daten nicht, zum anderen will die Studie so den Eindruck vermitteln, ein Diesel sei in Sachen Umweltbelastung besser, als ein E-Auto.

Man könnte fast das Gefühl haben, dass die Autoren das Publikum nur trollen wollen um möglichst viel Aufmerksamkeit auf das eigene Institut zu lenken. Wissenschaftlich korrekte Arbeit sieht anders aus.


https://www.dondahlmann.de/?p=25331]]>
Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1398478 2019-04-16T08:21:29Z 2019-04-16T08:21:29Z Geschmack ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1398281 2019-04-15T19:47:23Z 2019-04-15T19:47:23Z Ohne Worte ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397672 2019-04-14T14:16:17Z 2019-04-15T19:57:30Z Sozialpsychologie: Alle gegen einen

Der Kapitalismus fördert Konkurrenzdenken und Abgrenzung. Wer nicht funktioniert, wird ausgegrenzt – Fragmente einer Sozialpsychologie des »Mobbings« 

Von Götz Eisenberg

Seit dem Tod eines elfjährigen Mädchens in Berlin-Reinickendorf Ende Januar 2019 wird wieder einmal breit über das Thema »Mobbing« diskutiert. Der selbsternannte Anti-Mobbing-Coach und Darsteller in einer Dokusoap von RTL 2 Carsten Stahl erklärte das Mädchen flugs zum Mobbingopfer und erhob schwere Vorwürfe gegen die Schule, die sie besucht hatte. Er rief zu einer Mahnwache auf, an der circa 150 Menschen teilnahmen. Man warf der Schulleitung und dem Kollegium vor, die seit Jahren bestehende Problematik nicht ernst genug zu nehmen und nichts dagegen zu tun. Die Eltern baten indes darum, den Tod ihrer Tochter nicht zu instrumentalisieren und ihnen mehr Zeit zur Klärung einzuräumen. Leute wie Stahl machen aus Fällen wie diesem ein Geschäftsmodell. Vor allem neigen sie zu Vereinfachungen. Todesfälle wie der des elfjährigen Mädchens werden immer etwas Rätselhaftes behalten, das sich unseren Deutungsversuchen entzieht. Monokausale Erklärungen genügen hier nicht.

Ich hege ein gewisses Misstrauen gegenüber Begriffen, die aus der Ethnologie in die Sozialwissenschaften und die Psychologie eingewandert sind. Sie dienen häufig dazu, ein historisch und gesellschaftlich spezifisches Verhalten zu einer biologischen oder zumindest anthropologischen Konstante zu verdinglichen und damit aus dem Bereich dessen zu verbannen, der veränderbar ist. Der Begriff »Mobbing« geht, soweit ich weiß, auf Konrad Lorenz zurück, der damit aggressive Verhaltensweisen von Tieren beschrieb, die dazu dienen, Eindringlinge von ihrem Territorium zu vertreiben. Der Begriff ist vom englischen Verb »to mob« (»herfallen über«) abgeleitet. In den 1980er Jahren führte Heinz Leymann, ein in Schweden lebender deutschstämmiger Psychologe, den Begriff ein, um schwere Formen seelischer Gewalt in Organisationen, vor allem in der Arbeitswelt zu beschreiben. In den 1990er Jahren drang »Mobbing« in die Alltagssprache ein. Ein solcher Vorgang der Verallgemeinerung eines Begriffs verweist in der Regel auf die Vermassung dessen, was mit dem Begriff bezeichnet werden soll. Mobbing als massenhaftes Phänomen scheint eine Begleiterscheinung und Folge der Durchsetzung neoliberaler Praktiken in Wirtschaft und Gesellschaft zu sein. Diese haben eine im Kapitalismus tief eingewurzelte endemische Verhaltensweise zu einer akuten Epidemie anwachsen lassen. »Der Kapitalismus«, hat der österreichische Sozialist Günther Nenning einmal gesagt, »ist nur nett, wenn er muss, und gegenwärtig muss er nicht.« Zu Zeiten des Kalten Krieges war der Kapitalismus weniger reich als jetzt, und dennoch finanzierte er, wenn auch nie begeistert, den vollen Sozialstaat, der die schlimmsten Auswirkungen des Kapitalprinzips abfedern sollte. Mangels kommunistischer oder auch nur sozialdemokratischer Herausforderungen sieht er sich jetzt zu solchen Nettigkeiten nicht mehr genötigt und legt seine Beißhemmungen ab.

Neoliberales Treibhaus 

Eine vom Markt und seinen Gesetzen vollkommen beherrschte Gesellschaft zwingt die Menschen zu einem Leben im Zustand permanenter Verteidigung und Aggression. Wer vorwärts kommen und nicht irgendwann zu den Herausgefallenen und Überflüssigen gehören will, muss sozialdarwinistische Haltungen wie Skrupellosigkeit und Härte an den Tag legen. Der Neoliberalismus hat solche Haltungen vermasst. Es herrscht ein Klima, in dem Praktiken des Mobbings wie in einem Treibhaus gedeihen.

Robert J. Sternberg hat in seinem Buch »Erfolgsintelligenz« das Wirken des darwinistischen Prinzips in der Gesellschaft anhand folgender Geschichte illustriert: Zwei Jungen begegnen irgendwo in den amerikanischen Wäldern einem aggressiven Grizzlybären. Während der eine in Panik gerät, setzt sich der andere seelenruhig hin und zieht sich seine Turnschuhe an. Da sagt der in Panik Geratene: »Bist du verrückt? Niemals werden wir schneller laufen können als der Grizzlybär.« Und sein Freund entgegnet ihm: »Du hast recht. Aber ich muss nur schneller laufen können als du.«

Glück ist, wenn der Pfeil den Nebenmann trifft. Die Wut der Unterdrückten dreht sich, wenn sie sich nicht gegen die Verursacher kehren kann, im Kreis und richtet unter den Unterdrückten selbst Verheerungen an. Mobbing ist nicht zuletzt Folge von nicht ausgetragenen und stillgestellten Klassenkämpfen. Oskar Negt hat eine Definition des Begriffs Mobbing vorgeschlagen, der ich mich anschließen kann: »Mobbing ist ein aktuelles Stichwort für atmosphärische Veränderungen innerhalb von institutionellen Gruppenzusammenhängen, deren reibungslose Funktionsfähigkeit durch ausgeglichene emotionale Beziehungen garantiert wird. Wo harte Leistungskonkurrenz nach innen drängt, wo das Denken und Verhalten der einzelnen bis ins Unbewusste hinein durch Überlebenskampf bestimmt wird, wo Unbehagen und Wut aber keine eindeutigen Adressaten finden, entstehen leicht diffuse Aggressionen, die sich auf beliebige Objekte fixieren.«

»Hallo, Masern!« 

Eingangs seiner Autobiographie, die unter dem Titel »Wie man wird, was man ist« erschienen ist, schildert der amerikanische Psychotherapeut und Schriftsteller Irvin D. Yalom einen späten Traum. Er ist zehn, vielleicht elf Jahre alt und fährt in seinem Heimatort mit dem Rad eine Straße entlang. Er sieht ein Mädchen namens Alice vor ihrem Haus sitzen. Sie ist ein wenig älter und hübsch, aber ihr Gesicht ist voller roter Flecken. Im Vorbeifahren ruft er ihr zu: »Hallo, Masern!« Im Traum steht plötzlich ein großer und kräftiger Mann vor ihm und stoppt seine Fahrt, indem er den Lenker seines Rades packt. Es ist der Vater des Mädchens. Er ist sehr erbost und fragt ihn, ob er sich vorstellen könne, wie seine Tochter sich nach dieser Anrede fühle. Ihm wird noch im Traum klar, dass er Alice grob beleidigt und gekränkt hat. Er ist entsetzt, vor allem auch darüber, wie leicht und unbedacht ihm die Beleidigung über die Lippen ging. Schließlich kommt Alice herbeigelaufen und fragt ihn, ob er nicht reinkommen und mit ihr spielen möchte. Er antwortet: »Ich fühle mich so schrecklich, ich schäme mich so. Ich kann nicht.«

Als Junge ist Yalom tatsächlich am Elternhaus von Alice vorbeigeradelt und hat ihr »Hallo, Masern!« zugerufen. Nun, siebzig Jahre später, bricht ein verkapselter Abszess auf, und er braucht lange, um sich von diesem Traum zu erholen. Er ist aufgewühlt und voller Schuldgefühle. Ihm wird klar, welchen Schaden er damals leichtfertig angerichtet hat und formuliert in seiner Autobiographie eine späte Entschuldigung: »Verzeih mir, Alice.«

Zweierlei finde ich an dieser Episode bemerkenswert. Da ist zum einen die für unsere heutigen Ohren relative Harmlosigkeit der Bemerkung »Hallo, Masern!«, und zum anderen der unerbittliche innere Gerichtshof des Gewissens, der noch siebzig Jahre nach dem Vorfall nicht auf Freispruch wegen Verjährung, sondern auf schuldig plädiert. Die Ansprache des Vaters trifft auf ein empfängliches Gewissen und eine intakte moralische Instanz auf seiten des jungen Irvin Yalom. Ohne diese bliebe es bei einer Schuldzuschreibung von außen ohne korrespondierendes Schulderleben.

Wie anders ist die Situation heute. Lehrerinnen und Lehrer berichten von einem Zugleich von schlimmsten Mobbing- und Dissing-Attacken und einem fast vollständigen Fehlen von Gefühlen der Schuld und der Scham auf seiten der Täter. Ein Siebenjähriger kündigt einer Mitschülerin an, ihr seinen »Penis in den Mund zu stecken«, und kann, von der Lehrerin zur Rede gestellt, nichts dabei finden. Die Scham des Mädchens geht im Gelächter der Klasse unter. Zwölfjährige filmen ihre Mitschülerinnen mit einer Selfiestange unter der Toilettentür hindurch und stellen die kompromittierenden Filme ins Netz. Schuldgefühle? Fehlanzeige. Neulich begegnete ich im Wald einer Schulklasse auf einem Wandertag. Obszöne Beschimpfungen flogen durch die Luft. In dem Gefängnis, in dem ich lange als Psychologe gearbeitet habe, herrschte, im Vergleich mit dieser Schulklasse, ein gesitteter Ton. Ich erinnere mich an mein Erschrecken, als ich zum ersten Mal mitbekam, dass unter Kindern und Jugendlichen »Du Opfer« als Schimpfwort im Schwange ist. Dass so etwas möglich ist, wirft ein Schlaglicht auf das Menschenbild, das in den letzten Jahren im Zeichen eines Kults des »Winners« entstanden ist.

Woran die aktuelle Debatte krankt, ist der Umstand, dass die gesellschaftlichen Ursachen der beklagten Phänomene, mangelnde Empathie und ein Schwund des Mitgefühls, nicht thematisiert werden. Aber wie sollen diese sich entwickeln, wenn Kinder bereits in der Grundschule einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt sind? Wenn Kinder und Jugendliche mitbekommen, wie Dieter Bohlen in seiner Castingshow vor einem Millionenpublikum Leute runterputzt? Sadismus als Abendunterhaltung zur besten Sendezeit. Mit der Verbreitung des Smartphones und der sogenannten sozialen Netzwerke kam das »Cybermobbing« als neuer Breitensport hinzu. Meist aus dem Schutz der Anonymität heraus werden andere mittels Beleidigungen, Gerüchten oder Lügen sowie kompromittierenden Fotos oder Montagen drangsaliert. Die sozialen Medien fungieren als digitaler Pranger. Die Social-­Media-Plattformen fördern all jene Emotionen, die Menschen am längsten am Bildschirm halten – und das sind Häme, Schadenfreude und Hass.

So ist es kein Wunder, dass Mobbing zu einer Seuche des neoliberalen Zeitalters geworden ist. Gerade höre ich im Radio die Meldung, dass sich die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt hat, von rund 48 Millionen im Jahr 2007 auf 107 Millionen im Jahr 2017. Die Fehltage sind ein ziemlich genauer Indikator für den Druck, der auf all denen lastet, die noch einen Job haben. Praktiken, die man als Mobbing einstuft, werden an dieser Entwicklung ihren Anteil haben. Krankenkassen und Unternehmen antworten auf psychische Störungen und andere »Dysfunktionen« mit Achtsamkeits- und Resilienztrainings, die sie ihren Mitgliedern und Belegschaften anbieten oder verordnen. Arbeiter und Angestellte sollen lernen, mit immer stärkeren Belastungen umzugehen, um die Produktivität ihrer Arbeit weiter zu steigern. Vernünftig und im Sinne einer »Ökonomie des ganzen Hauses« letztlich auch rentabler wäre es, das aberwitzige Tempo des Lebens zu drosseln, allen Menschen anständige, menschengerechte Arbeitsbedingungen zu bieten und ihnen nicht länger zuzumuten, ihre Gesundheit auf dem Altar des Profits zu opfern. Dann bräuchte es den ganzen psychologisch-medizinischen Reparatur- und Kompensationsaufwand nicht.

Der Sündenbockmechanismus 

Von dem Sozialpsychologen Peter Brückner habe ich gelernt zu fragen: »Welche menschlichen Haltungen gedeihen eigentlich in einem gegebenen sozialen Klima, welche verdorren?« Die Antwort: Ellenbogeneinsatz, Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Leiden und Skrupellosigkeit gedeihen im sozialdarwinistischen Klima; Mitgefühl, Solidarität und Empathie drohen zu verdorren. In dem Maße, wie die Menschen von der Kita bis zum Seniorenheim gehetzt und vor allem aufeinandergehetzt werden, der Konkurrenz- und Leistungsdruck zunimmt, ohne dass sich ihnen eine Möglichkeit der Gegenwehr bietet, wächst das Bedürfnis nach einem Sündenbock, auf den die Malaise verschoben werden kann. Er ist das beste Objekt für die Projektion aller möglichen Bedrohtheits- und Unsicherheitsgefühle. Mobbing ist eine Spielart des Sündenbockmechanismus, auf den alle klassengespaltenen Herrschaftskulturen zwecks systemkonformer Entschärfung von Konflikten angewiesen sind.


Robert Walser gehört zu den Schriftstellern, denen ich mich seelenverwandt fühle. Er zählt zu den »Zaungästen des Fortschritts«, als die Theodor W. Adorno gewisse randständige Künstler charakterisiert hat. Es gelang Walser nie, »sich der bürgerlichen Ordnung brav anzuschmiegen«, und er zog es vor, die zweite Hälfte seines Lebens in Heil- und Pflegeanstalten zuzubringen. Dort wischte er nach dem Essen die Tische ab, beschrieb Zettel in seiner mikroskopisch kleinen Bleistiftschrift und unternahm ausgedehnte Wanderungen. Manchmal durfte ihn sein Vormund und Förderer Carl Seelig begleiten. Bei einer dieser Gelegenheiten sprach Walser über einen Bruder im Geiste, und man kann davon ausgehen, dass er, indem er über Hölderlin sprach, auch über sich selbst sprach: »Ich bin überzeugt, dass Hölderlin die letzten dreißig Jahre seines Lebens gar nicht so unglücklich war, wie es die Literaturprofessoren ausmalen. In einem bescheidenen Winkel dahinträumen zu können, ohne beständig Ansprüche erfüllen zu müssen, ist bestimmt kein Martyrium. Die Leute machen nur eines daraus!«

In seinem letzten, vor dem Rückzug in die Anstalt geschriebenen Roman »Der Räuber« finden sich Sätze, die uns mitten ins Zentrum der Mobbingthematik führen (wenn dieser Terminus aus dem Arsenal zeitgenössischer sozialtechnischer Begriffe in diesem Kontext einmal erlaubt sei). Walser beschreibt den Räuber so: »Wer lebhaften Geistes ist, spinnt eben ab und zu mal. Im allgemeinen, so wird man glauben dürfen, wurde er verfolgt, weil sich das fast von selbst ergab, weil’s leicht war. Man sah ihn nämlich immer so ohne jede Gesellschaft, so mutterseelenallein. Man verfolgte ihn, damit er leben lerne. Er gab sich so exponiert. Er glich dem Blatt, das ein Knabe mit der Rute vom Zweig herunterschlägt, weil es ihm als Vereinzeltes auffällt.« Robert Walser starb am zweiten Weihnachtstag 1956 auf einem seiner Spaziergänge. Man fand ihn tot im Schnee liegend, ganz so, wie er 50 Jahre zuvor den Tod des Dichters Sebastian in seinem Roman »Geschwister Tanner« beschrieben hatte. Peter Brückner, auch so ein Bruder im Geiste, resümierte die Erfahrungen von Außenseitern und verfolgten Minderheiten im 20. Jahrhundert mit dem knappen Satz: »Wer aber nicht ›komplett‹, wer nicht sichtlich unsereiner ist, steht sehr unfest in der Kultur.«

Ausgrenzungserfahrungen 

Was ist eigentlich mit meinen eigenen Erinnerungen an erlittene Demütigungen und Schulqualen? Es hat sie gegeben in den frühen Jahren. Das Gedächtnis ist gnädig und hat sie weitgehend dem Vergessen überantwortet. Aber ein gewisses Nachgefühl ist doch geblieben, und je länger ich mich mit dem Thema befasse, desto mehr versunkene Erinnerungen tauchen auf. Nach dem frühen Tod meiner Mutter hatte man mich von allen Seiten mit Süßigkeiten vollgestopft. Das galt als probates Mittel gegen kindlichen Kummer. Wer mir allseits bedauerten Halbwaise etwas Gutes tun wollte, gab mir Schokolade oder Kekse. War ich schon zu Lebzeiten der Mutter ein wenig pummelig gewesen, umgab ich mich nun mit einer Schicht aus traurigem Fett. Und da ich dick war, wurde ich gehänselt und verlacht: »Dicker fetter Pfannekuchen«, riefen die anderen hinter mir her, gelegentlich auch »Fettsack« und »fettes Schwein«. Verglichen mit den heute üblichen Beschimpfungen war es relativ harmlos. Aber natürlich traf und verletzte es mich. Tief gruben sich die Schmähungen ein und prägten mein Selbst- und Weltverhältnis. Mein Vater war mit Beruf, Haushalt und Kind überfordert. Eines Tages fand er morgens die richtigen Kleidungsstücke nicht, und ich wurde mit der Schlafanzughose in die Schule geschickt, die unten aus der Stoffhose herausschaute. Man kann sich vorstellen, dass eine Woge des Spottes über mich hereinbrach. Das Gelächter der anderen dröhnte mir noch lang in den Ohren.

Der Tod der Mutter hat meinem Leben und meinem Verhältnis zur Welt einen Schlag verpasst, der sich durch die in Kindergarten und Schule gemachten Erfahrungen der Zurückweisung noch verstärkte. Ich fühlte mich verlassen und zurückgestoßen. Ich wurde krank. Irgendwann reagierte ich mit Aggressionen und ging blindwütig auf die Beleidiger und Peiniger los. Meist zog ich gegen die Übermacht der anderen den kürzeren und kehrte blutend und geschlagen nach Haus zurück. Dort war auf Unterstützung nicht zu rechnen, denn auch hier wurde ich »Dicker« genannt. Ich entsprach nicht dem Ideal eines »deutschen Jungen«, das mein Vater, wie vieles andere auch, aus dem wilhelminischen Deutschland und dem »Dritten Reich« in die Bundesrepublik mitgeschleppt hatte. Für ihn war vor allem das Turnen wichtig, für mich war das der blanke Horror. Verzweifelt stand ich da und wusste beim besten Willen nicht, wie ich die Kletterstangen hinaufkommen oder einen Bock überspringen sollte.

Niederlagen und erlittene Demütigungen machten einsam, und diese Einsamkeit zog weitere Nachstellungen nach sich. Kinder und Jugendliche, die Opfer jener Paranoia geworden sind, die man Erziehung nennt, besitzen oft eine feine Witterung für kleinste Anzeichen von Differenz; wer abweicht, wer fremdartig erscheint, erfährt Ablehnung und Aggression. Körperliche Stigmata wie Schielen, abstehende Ohren, rote Haare, eine Brille oder in meinem Fall Fettleibigkeit reichten aus, um einen zum Opfer von Nachstellungen werden zu lassen. Mit so einem mochte keiner die Bank teilen. Schwache, Hilflose, Sensible wurden und werden leicht Beute von Hetzmeuten. Die Schwäche reizt die Starken, die ihre Stärke der Verleugnung der eigenen Schwäche verdanken. Wer Verbündete und Freunde hat, fällt ihren Attacken weniger leicht zum Opfer. Gewalt und seelisch-körperliche Quälereien gedeihen vor allem im trüben Klima der Unterwerfung unter fremde Zwecke. Schulen sind bis heute Institutionen des Zwangs geblieben. Da sie sich immer mehr als effiziente Zulieferbetriebe für Industrie und Markt begreifen, werden sie verschärft zu Orten der Konkurrenz, der Selektion und damit auch der Kränkung und Beschämung.

Dabei hätte ich so gern dazugehört. Mein Außenseitertum war ja kein selbstgewähltes, es war mir von außen aufgezwungen worden. Erst als meine Stiefmutter mich am Beginn der Pubertät auf strenge Diät setzte und meine Fettleibigkeit sich verlor, besserte sich meine Lage. Ich begann Sport zu treiben und fand dort endlich die Anerkennung, nach der ich mich lange vergeblich gesehnt hatte. Ich entdeckte die Wonnen der Gemeinsamkeit, blieb allerdings immer skeptisch gegenüber Formen von Gemeinschaft, die auf Kosten und unter Ausschluss von anderen zustande kommen. Das brüllende Gelächter nach einem Witz, der zu Lasten von Minderheiten und Schwächeren geht und letztlich auf den Totschlag hinausläuft, war mir immer zuwider. Jede Kameraderie blieb mir unheimlich und flößte mir Schrecken ein. »Kameraden«, schrieb Peter Brückner einmal, »sind diejenigen, die von den gleichen Ressentiments radikalisiert werden.« Viele dieser Ressentiments hatten ja die Ausrottung ihrer Objekte überlebt und erfreuten sich in den 1950er und 1960er Jahren noch immer großer Beliebtheit. In gewissen Vorurteilen sind sie »so sicher konserviert wie die Mücke im Bernstein«, fährt Brückner fort. »Gemeinschaft« können sich viele Deutsche bis auf den heutigen Tag nur als »Volksgemeinschaft« vorstellen, die jene ausschließt, denen gewisse soziale oder ethnische Merkmale fehlen, die man vom »Volksgenossen« fordert.

Sendboten des Faschismus 

Michael Hanekes Film »Das weiße Band« führt diesen Mechanismus im Milieu eines norddeutschen Dorfes im wilhelminischen Deutschland vor. Der Faschismus bezog und bezieht seine psychischen Energien aus dieser Quelle. Er systematisierte Verhaltensweisen, die bereits vermasst vorlagen. Theodor W. Adorno sprach deswegen in einem »Der böse Kamerad« überschriebenen Abschnitt der »Minima Moralia« davon, dass der Ausbruch des Faschismus zwar sein politisches Urteil überraschte, doch nicht seine unbewusste Angstbereitschaft. Er konnte den Faschismus aus den Erinnerungen seiner Kindheit ableiten. »Wie ein Eroberer in fernste Provinzen, hatte er dorthin seine Sendboten vorausgeschickt, längst ehe er einzog: meine Schulkameraden.« Diese hatten ihn verprügelt und brüllend gelacht, wenn er, der Primus, einmal versagte. »Im Faschismus ist der Alp der Kindheit zu sich selber gekommen«, heißt es abschließend.

Einer oder eine Gruppe wird ausgeguckt, gejagt und zur Strecke gebracht. Das stiftet ein Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Jägern. Primär ist die Bosheit, die den Menschen von den sozialen Verhältnissen und der Erziehung eingepresst wird. Mobbing ist ein Ventil, um diese eingepresste Bosheit gegen einzelne und Minderheiten loszulassen. Der menschenverachtende Furor käme erst in einer Gesellschaft zum Erliegen, in der Solidarität zur vorherrschenden Verkehrsform und Freundlichkeit zum bestimmenden Kommunikationsstil würde. Man kann nur hoffen, dass die neue Schülerbewegung etwas davon vorwegnimmt und in den Schulalltag einführt.

Junge Welt, 13./14.4.2019


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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397583 2019-04-13T20:00:14Z 2019-04-13T20:02:33Z Die App ist da. ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397565 2019-04-13T16:54:11Z 2019-04-13T16:54:11Z Claus Kleber außer Rand und Band – Oder: Warum der Einmarsch Russlands im Baltikum ausfällt

Im heute-journal vom 4. April lässt Claus Kleber in einer Anmoderation russische Truppen im Baltikum einmarschieren. Dieser grobe journalistische Schnitzer wirft ein Schlaglicht auf den geistigen und moralischen Zustand der medialen Eliten in Deutschland.

von Gert Ewen Ungar

Auf meinem Bildschirm erscheint eine Nachricht. "Eilmeldung" steht dort auf Russisch. Und darunter die Überschrift: "Auf einem deutschen Fernsehkanal wird über den 'Einmarsch' Russlands in Estland berichtet". Jetzt übertreiben die Kollegen beim russischsprachigen Kanal von RT aber wirklich, denke ich. Doch schon wenige Minuten später stellt sich heraus, aus Russland kommt wie immer der fachlich bessere Journalismus, der niederschmetternd schlechte kommt aus Deutschland.

Denn schon eine kurze Recherche später ist klar: Er hat es wirklich gesagt. Claus Kleber hat sich in seiner Anmoderation eines Beitrags über die NATO im heute-journal vom 4. April tatsächlich zu dieser Aussage verstiegen:

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft sind heute amerikanische, deutsche und andere Verbündete unterwegs nach Estland, um dort die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben.

Er fügt dann noch hinzu: "Keine Sorge, das ist nicht so, das ist nur eine Vision, aber eine realistische." Eine Nullnachricht, garniert mit der ihr zugrunde liegenden wilden Mutmaßung. Realistisch ist hier nämlich gar nichts, wie ich zeigen werde.

Es mag sein, Kleber habe nur Wachrütteln wollen angesichts einer in seinen Kreisen wahrgenommenen russischen Bedrohung. Es mag ja sein, dass er aufgrund dieser Bedrohung zu einem Mittel gegriffen hat, das er bei Orson Wells entlehnte. Das mag er ja alles als Entschuldigung für seinen groben Fehltritt anführen. Allerdings ist damit zwar das eine oder andere erklärt, entschuldigt ist damit aber nichts, denn der Vorgang wirft ein Licht auf die Verrohung und die intellektuelle Dürftigkeit der deutschen medialen Eliten.

Als Orson Wells im Radio zu einem neuen Stilmittel griff, brach in den USA eine Panik aus. Wells schilderte den Einfall Außerirdischer so realistisch, dass die Zuhörer nicht begriffen, dass es sich um eine Fiktion, ein Hörspiel handelte.

Claus Kleber mag sich in seiner Anmoderation davon inspiriert gefühlt haben. Er mag gedacht haben, er wandele nun auf den Spuren der großen Kunst. Allein es verkam ihm zu einer geistigen Bankrotterklärung. Es gibt nämlich einen kleinen, aber gravierenden Unterschied. Wir wissen nicht, ob es Außerirdische gibt. Russland aber gibt es. Das Land ist unmittelbarer Nachbar der Europäischen Union. Und während es mit möglicherweise vorhandenen Außerirdischen aktuell keinerlei Spannungen gibt, gibt es mit Russland zahlreiche.

Verzerrung - nicht nur im SPIEGEL

Kleber begibt sich mit seiner Anmoderation daher weniger auf das Feld der hohen Kunst als in den Kontext der Gleiwitz-Lüge. Der Grund für den Überfall auf Polen durch die Deutsche Wehrmacht, der den Beginn des Zweiten Weltkriegs markiert – er war in gleicher Weise erfunden, wie Kleber seinen Einfall russischer Soldaten in Estland erfindet. Es ist daher mehr als nur geschmacklos, wozu sich Kleber hinreißen lässt. Es ist geschichtsvergessen. "Seit 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen." In diesen Kontext begibt sich eine große deutsche Nachrichtensendung. Man kann sich nur schämen.

Es mag ja den transatlantisch ausgerichteten Medienvertretern als reale Möglichkeit erscheinen, dass Russland eine Bedrohung für die Baltischen Staaten darstellt, weil man derartigen Unsinn in diesen Kreisen eben verbreitet und dort allem Anschein nach auch daran glaubt – in der realen Welt gibt es diese Bedrohung nicht. Seriöser Journalismus würde auf diese Tatsache hinweisen. Die Bedrohung, die baltische Staaten fühlen und die die NATO für ihre zunehmende Aggression gegen Russland benutzt, existiert nicht. Die Wiederholung macht es auch nicht wahrer.

Jedem, der genauer hinsehen kann, fällt unmittelbar auf, dass der westlichen Aggression auf russischer Seite die Entsprechung fehlt. Während hier das Schreckgespenst eines Überfalls auf die Baltischen Staaten als Argument für Aufrüstung und Truppenstationierung an der russischen Westgrenze herhalten muss, fehlt in Russland eine derartige Rhetorik vollständig. Es gibt dort nicht so etwas wie "Das Baltikum ist unser". Es gibt nichts, das darauf hindeutet, die russische Regierung bereite die Bevölkerung medial auf eine Konfrontation vor. Das Gegenteil ist deutlich näher an der Wahrheit. Man ist in Russland froh, das Baltikum losgeworden zu sein.

Seriöser Journalismus würde nicht nur herausfinden, dass dem so ist, er würde auch darlegen, warum dem so ist: Das Baltikum war ein Problem für die Sowjetunion, so wie es heute ein Problem für die EU ist. Es ist wirtschaftlich nicht eigenständig. Es hat keine Industrie, kein funktionierendes Geschäftsmodell, keine Ressourcen. Das Baltikum lebt von der Abwanderung seiner jungen Bewohner, die im europäischen Ausland arbeiten und Geld nach Hause überweisen. Es gibt dort tatsächlich nichts, das Russland bräuchte. Es ist auch strategisch unwichtig. Russland hat genug Zugänge zur Ostsee. Man könnte auch sagen, das Baltikum schnorrt sich so durch die Geschichte. Mal hier und mal dort.

Die Idee Klebers, Russland könnte nun ausgerechnet Estland überfallen, zeugt daher von einer befremdlichen Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Es ist schmerzhaft peinlich, was Kleber in transatlantischer Hörigkeit an geistiger Flachheit öffentlich abliefert. Es lässt aber auch den Schluss zu, wie die transatlantische Unterwanderung deutscher Medien inzwischen dazu geführt hat, dass wir systematisch fehlinformiert werden. Russiagate, russische Hacker allüberall, Skripal, russische Bedrohung des Baltikums, russische Truppen in der Ukraine – alles Fake, der durch die Qualitätsmedien geistert und eine Bedrohung inszeniert, die der Realität nicht entspricht. Es ist Propaganda, was wir vorgesetzt bekommen, die ein Feindbild erzeugen soll. Kleber machte das am 4. April überdeutlich.

Was sich Kleber geleistet hat, ist ein Tiefpunkt des deutschen Journalismus und Zeugnis für eine intellektuelle Verrohung und Verflachung Deutschlands.

Das Baltikum ist ein Problem für die EU, denn nirgendwo in der EU wird die Grundrechtecharta derart offensichtlich mit Füßen getreten wie dort. Staatliche Diskriminierung von Minderheiten, Verletzung der Menschenrechte, offener Faschismus – für all das steht das Baltikum. Dass wir davon nichts erfahren, auch dafür steht der Journalismus eines Claus Kleber. Ganz ehrlich und ganz an den Fakten orientiert, müsste er nämlich sagen: So eine Region möchte man nicht mal geschenkt, weil sie mit ihrem Rechtsradikalismus das Gesamtprojekt EU nicht nur in Verruf bringt, sondern tatsächlich gefährdet.

Mehr zum Thema - Diskriminierung von Minderheiten in der EU: Die baltischen Staaten 

Kleber aber hängt ausgerechnet daran den NATO-Bündnisfall auf, den niemand von uns überleben würde. Es ist entweder nah am Wahnsinn, was Kleber hier tut, oder er ist hoffnungslos fehlinformiert. Egal wofür man sich entscheidet, in einer Nachrichtensendung mit einem Millionenpublikum hat so etwas nichts zu suchen.

Und noch ein Wort zur Krim. Russische Soldaten sind da nie eingefallen. Sie waren immer schon dort, ihre Stationierung war mit der Ukraine vertraglich geregelt. Sie haben die Krim auch nicht besetzt, sondern lediglich ukrainische Soldaten daran gehindert, das Referendum zu stören, in dem sich eine übergroße Mehrheit der Krimbewohner für die Loslösung von der Ukraine und den Anschluss an Russland ausgesprochen hat. Auch darüber informiert Kleber sein Publikum falsch.

Immer die Guten die NATO-Auenminister bei ihrem Treffen in Washington am Donnerstag

Über die Ukraine informiert er praktisch gar nicht mehr. Die Ukraine kommt in deutschen Nachrichten kaum noch vor. Das hat damit zu tun, dass in der Ukraine keinerlei Demokratisierung und wirtschaftliche Entwicklung zum Positiven festzustellen ist. Während es auf der Krim steil bergauf geht, geht es in der Ukraine steil bergab. Der deutsche Mainstream schweigt die Folgen westlicher Intervention in der Ukraine einfach tot. Die Fakten sind trotzdem nicht aus der Welt und weiterhin wirksam.

Wenn ein Ukrainer heute auf die Krim schaut, kann er angesichts des dort vorhandenen Wohlstands, der gefestigten Strukturen sowie der dort herrschenden Freiheit nur vor Neid erblassen. Es ist daher nicht schwer zu prophezeien, dass die Krim einer der Faktoren sein wird, an dem der ganze vom Westen angezettelte Putsch in der Ukraine scheitern wird. Es herrschen dort gute ökonomische und politische Bedingungen, in der Ukraine nicht. Kleber und die Seinen verschweigen das.

In zwei von ihm einleitend gesprochenen Sätzen ohne jeden nachrichtlichen Gehalt ist jede Grundlage dieser Sätze nachweisbar falsch und ideologisch aufgeladen. So etwas nennt man Propaganda. Das sind deutsche Nachrichten heute: Zeugnisse einer tiefen geistigen Verrohung und einer geistigen Verbarrikadierung vor der Realität. Über diesen Zustand unserer Nachrichtenlandschaft informieren uns heute russische Medien, denn dort ist der Journalismus entgegen allen Behauptungen völlig intakt.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Mehr zum Thema - Eiserner Vorhang à la EU: Baltische Staaten errichten Stacheldrahtzäune an Grenze zu Russland



https://deutsch.rt.com/meinung/86900-claus-kleber-ausser-rand-und-band/]]>
Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397533 2019-04-13T16:27:28Z 2019-04-13T16:27:29Z Assange 06: Können diese Bilder echt sein?

Der Umgang mit Julian Assange als Angeklagten lässt einige Zweifel an einer noch rudimentär vorhandenen Rechtsstaatlichkeit aufkommen.

Ein Kommentar von Hermann Ploppa.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen ergangen ist.

Die Bilder von der Festnahme des Wikileaks-Begründers Julian Assange durch britische Kriminalbeamten (deren Zugehörigkeit zu einem bestimmten Dienst nicht leicht zu erkennen ist) haben mich eiskalt auf meinem Stuhl erwischt. Die Würdelosigkeit und die Respektlosigkeit, ja geradezu die höhnisch-sadistische Art und Weise der Sistierung des australischen Journalisten Assange durch die Sicherheitskräfte bewirkte bei mir einen tiefen Schock. Ich wollte zur gleichen Zeit weinen und mein Magen zog sich zusammen. Meinerseits eine Mischung aus hilflosem-Zuschauen-müssen, blankem Entsetzen und einem tief gehenden Ekel vor diesen staatlichen Fleischergesellen.

Assange: in seinem Blick endlose Verzweiflung, dass es nun zum größten annehmbaren Unglück kommt. Körperliche Schwäche. Verwahrlost so wie wir Assange noch nie gesehen haben. Ein schöner Mann, der immer sehr auf sein Äußeres geachtet hatte, halb in Sitzstreikhaltung aus der ecuadorianischen Botschaft geschleppt. Krank. Ein hilfsbedürftiges Häuflein Elend wird grob in den Transporter gekippt wie ein Müllsack.

Einige unserer Leser werden sich gewiss noch erinnern, wie es sich eigentlich gehört für einen echten Rechtsstaat: der Angeklagte genießt den Respekt der Unschuldsvermutung. So lange jemand nicht rechtskräftig verurteilt ist, ist ihm das volle Maß des Respekts auch der Sicherheitsorgane zu garantieren – immer gesetzt der Fall, es handelt sich nicht um einen gemeingefährlichen Raubmörder. Als (vorgeschobener) Haftgrund wird Assange ein Nicht-Erscheinen zu einem gerichtlichen Termin zur Last gelegt. Dahinter steht der – nicht aufgeklärte Vorwurf eines Sexualverkehrs ohne Kondom durch eine schwedische Staatsbürgerin.

Daraus ergäbe sich als rechtsstaatliche Behandlung des Angeklagten Julian Assange: die Polizei betritt das Gebäude der ecuadorianischen Botschaft und bittet Herrn Assange, mit ihnen mitzukommen zu einem richterlichen Untersuchungstermin. Da Assange die Ausweglosigkeit seiner Lage bewusst ist, wäre er wohl unter zivilisierten Begleitumständen ohne Widerstand mit den Beamten mitgegangen. Er wäre sodann, eingerahmt von den beiden Polizeibeamten, in einem PKW mit zum Gericht gefahren. Das ist eigentlich so üblich – in einem Rechtsstaat. Dazu noch der gute alte römische Grundsatz: in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten.

Ein solches Bild rechtsstaatlicher Normalität war jedoch seitens der englischen Strafverfolger und der interessierten Politiker gar nicht erwünscht. Vielmehr wollen sie das Bild eines üblen Kriminellen erfinden, der die Solidargemeinschaft der Steuerzahler viel Geld gekostet habe: „Julian Assange ist kein Held und niemand steht über dem Gesetz. Er hat sich jahrelang vor der Wahrheit versteckt.“, so twitterte der britische Außenminister Jeremy Hunt.

Nun wissen wir ja alle, dass sich hinter dieser fadenscheinigen schwedisch-britischen Haftgrund-Konstruktion das Interesse der Verfolgungsbehörden der USA abzeichnet. Die US-amerikanischen Staatsanwälte wollen Assange in ihre Hände bekommen, weil Assange mit der Whistleblowerin Chelsea Manning zusammen Staatsgeheimnisse der US-Regierung an die Öffentlichkeit gezerrt habe. Die USA wird seit 1946 von einer Geheimregierung gesteuert, dem Nationalen Sicherheitsrat (National Security Council), der keiner Instanz dieser Welt gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Ersichtlich haben Manning und Assange jedoch keine Geheimnisse ans Licht der Öffentlichkeit gebracht, die der Sicherheit der USA in ihrer Gesamtheit hätten schaden können.

Als weiterer Anklagepunkt schwebt im Hintergrund der nur schwer zu verifizierende Vorwurf, Assange habe mit seiner Aufklärungsarbeit letztlich „den Russen“ in die Hände gespielt. Das ist selbstverständlich kein irgendwie juristisch verwertbarer Vorwurf, sondern blanke Propaganda – was natürlich auch die US-Juristen auch nur zu genau wissen.

Nun wird gerade versucht, die Empörung der Öffentlichkeit abzuschwächen. Assange werde ja „nur“ eine Haftstrafe von fünf Jahren abzubrummen haben. Und dann kursieren Fotos von Assange, aus dem Polizeiauto feixend, verschmitzt augenzwinkernd. Alles also halb so schlimm?

Woher bezieht eigentlich Assange so plötzlich wieder Zuversicht und Humor im Gefängnisauto? Der Mann ist sieben Jahre nicht aus der ecuadorianischen Botschaft rausgekommen. Die letzten zwei Jahre hat er ohne Internet-Zugang und ohne nennenswerte soziale Kontakte in einer Art von Isolationshaft zubringen müssen. Er hat die ganze Zeit kein Sonnenlicht aufnehmen können. Seine seelischen Qualen müssen unermesslich sein.

Sollen die Bilder vom feixenden Assange den Image-Schaden, der den britischen Behörden durch das schockierende Festnahme-Video entstanden ist, wieder gut machen?

Moralisch überzeugender wird die Situation auch nicht, wenn man die Geschehnisse ins Visier nimmt, die die Londoner Ereignisse im Hintergrund bestimmt haben. Die Regierung Ecuadors, die Assange so lange Asyl gewährt hat, entzog ihm nicht nur relativ plötzlich die ecuadorianische Staatsbürgerschaft. Sie „lud“ vielmehr die Polizei Großbritanniens ein, Assange in ihrer Botschaft zu verhaften. Dafür erkannte man dem Australier von gestern auf heute das Asyl ab. In Ecuador wurde nämlich im Jahre 2017 das Präsidentenamt vom linken Rafael Correa auf den eher rechts stehenden Lenin Moreno übertragen. Moreno gerät gerade in Schwierigkeiten, weil ihm Korruption im Ölgeschäft des Landes zur Last gelegt wird. Er benötigt dringend Erfolge, um politisch überleben zu können. Da kommt es gerade passend, dass der Internationale Währungsfond Ecuador einen Megakredit in Höhe von 4.2 Milliarden Dollar zugesagt hat. Nun wird Moreno unter anderem von seinem Amtsvorgänger Rafael Correa vorgeworfen, er habe diesen Megakredit durch die massive Fürsprache der Regierung der USA erlangen können. Im Gegenzug habe er Julian Assange fallen gelassen und damit, vermittelt über die Verhaftung in Großbritannien, den Weg frei gemacht für den großen Schauprozess gegen Assange in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Also: wenig appetitliche Verquickungen dreier Staaten und einer internationalen Finanzorganisation, und im Hintergrund zudem dubiose Geschäftstätigkeiten von Ölkonzernen: wenig schmeichelhafte Machenschaften kommen an das Tageslicht, die das Ansehen der westlichen Wertegemeinschaft langfristig nicht gerade anheben werden.

Mein Vorschlag also an die britische Administration: machen Sie den Ihnen erlittenen Image-Schaden einfach wieder gut, indem Sie Julian Assange unverzüglich frei lassen, ihn in ein Land seiner Wahl ausreisen lassen, und ihm vorher noch einen sechsstelligen Geldbetrag als Wiedergutmachung überweisen.


https://kenfm.de/koennen-diese-bilder-echt-sein/


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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397493 2019-04-13T09:04:50Z 2019-04-13T09:04:51Z Endlich Platz frei: Theresa May flüchtet in ecuadorianische Botschaft

Die Verhaftung von Wikileaks-Gründer Julian Assange kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt für Theresa May. Die britische Premierministerin befürchtet nach der erneuten Brexit-Verschiebung Verfolgung in ihrer Heimat und flüchtete in die ecuadorianische Botschaft in London.

LONDON – Der Botschafter Ecuadors bestätigte einen Asylantrag von May. Sie flüchtet demnach vor massiven Schikanen durch Brexiteers, Remainers, Opposition, Regierung, die Queen, jeden anderen mündigen Bürger Großbritanniens und sich selbst.

Doch in der Botschaft sorgt May schon nach kurzer Zeit für Ärger. Seit Stunden bleibt sie in der Tür der Botschaft stehen und will weder hinaus, noch hinein. „Wir haben keine Ahnung, was sie will“, meint ein Botschafts-Security. „Aber sie droht immer damit, die Botschaft ohne Deal zu verlassen, wenn wir auf ihre Forderungen nicht eingehen. Deshalb wollen wir sie mal bis Ende Oktober aufnehmen. Was soll schon schiefgehen?“

Ablöse bezahlt

Laut Botschafts-Insidern hat May bereits eine Ablösesumme für das Laufband von Assange an sein Konto bei der russischen Onlinebank „Veгч Яeal Иot Fдke Bank“ überwiesen. Die Premierministerin will darauf täglich eine Stunde vor ihren Problemen davonlaufen.

Assange verschwunden

Julian Assange ist nach seiner Verhaftung aus der Zelle verschwunden. Er vertraut einem Freund zufolge auf die regelmäßigen, mysteriösen Krankenstände der österreichischen Staatsanwaltschaft und ist in Leoben untergetaucht.



https://dietagespresse.com/endlich-platz-frei-theresa-may-fluechtet-in-ecuadorianische-botschaft/]]>
Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397440 2019-04-12T21:27:26Z 2019-04-12T21:30:33Z Assange 05: Mann verhaftet, weil er schlimme Kriegsverbrechen begang… halt nein!... enthüllt hat

London (dpo) - In London wurde am Donnerstag ein 47-jähriger Mann festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, furchtbare Kriegsverbrechen begang… moment, nein anders ... dafür gesorgt zu haben, dass die Welt von US-amerikanischen Kriegsverbrechen erfährt.

Der Australier Julian Assange soll nun an die USA ausgeliefert werden, wo ihm eine Anklage und womöglich die Todesstrafe droht, weil er Folter und andere Greueltaten an irakischen und afghanischen Kriegsgefangengen verüb… quatsch! … öffentlich gemacht hat. Auch soll er willkürliche Tötungen von Zivilisten im Irak aus der Luft autori… nein! auch nicht richtig!... mithilfe von Dokumenten und Videos nachgewiesen haben.
Allein im Irak soll Assange 66.081 Zivilisten getö… nein, anders! … ihren Tod durch eine US-Militärinvasion der Weltöffentlichkeit vor Augen geführt haben.
Die ehemalige Soldatin Chelsea Manning, die gemeinsam mit Assange die Enthüllung überhaupt erst möglich gemacht hat, hat in den USA bereits einen Orden für ihre Aufklärungsarb… nein, auch wieder falsch! … eine Verurteilung zu einer langjährigen Haftstrafe wegen Hochverrats erhalten.
Die tatsächlichen Kriegsverbrecher erhielten die Höchsstra… ach nein, Blödsinn! … wurden juristisch nicht verfolgt oder lediglich zu milden, eher symbolischen Strafen verurteilt.
ssi, dan; Foto: RUPTLY



http://www.der-postillon.com/2019/04/assange2.html


Assange 01

Assange 02

Assange 03

Assange 04



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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397373 2019-04-12T16:54:47Z 2019-04-12T20:53:27Z Assange 04: The Day America Died

Authored by Raul Ilargi Meijer via The Automatic Earth blog,

47 years ago in American Pie, Don McLean talked about The Day The Music Died. Or of course the music didn’t really die, but at the same time it did. “The three mean I admired most, the father, son and the holy ghost, they caught the last train for the coast, the day the music died.”

Back then you could still have claimed the country merely lost its innocence. And you could have said the same in 1861 or 1914 or 1941. Today, not to take anything away from music, or the song, something much bigger died. America itself died, not just its music or innocence. America didn’t just lose its innocence, it pled guilty.

No doubt most of you would proclaim that’s a gross exaggeration, and an insane hyperbole, but you would all be wrong, sorry. There’s no way back this time.

America, the United States, with all its initial prejudice and lethal screw-ups, was founded as a place where people could direct their own lives without having to fear any other party, let alone a government, that would stand in their way while they did it. And a big part of not having to fear one’s government is not having to fear that government purposely lying to its citizens. The Founding Fathers, for all their faults, got that right. And today erases all of that in one fell swoop.

That is what died today.

Or, you know, it may have died much earlier, and a thousand times before as well, but with the arrest in London of Julian Assange, an Australian citizen wanted by the US Deep State, a myriad of strands connecting, and connected to a bloated dying corpse came together. And now we know there is no salvation possible. Today made it all terminal. America is no more. Or it is no longer what they tell you it stands for, whichever comes first.

Infographic The Lead Up to Julian Assanges Arrest  Statista

You will find more infographics at Statista

And it’s not just America, mind you. ‘The UK is a serious country’, PM Theresa May said today when addressing Brexit. No it’s not, Theresa, it’s a banana republic hopelessly stuck in a spaghetti western and it no longer knows the rule of law. It sells people to the highest bidder in a meat market, be they Windrush, refugees from her Majesty’s wars in Libya, or just white and poor English, or Julian Assange.

The UK is a parody on a country, it’s a sordid piece of third rate slapstick. It kills people while trying to maintain the image of being a serious country. You know, whatever that is?! The British judge Assange faced today was bleeding mocking him, the arguably greatest journalist of this century and millennium. A serious country?

Julian Assange Branded ‘Narcissist’ By Judge As He Faces US Extradition

Julian Assange has been branded a “narcissist” by a judge as he faces both a UK prison sentence and being extradited to the US. The Metropolitan Police said the Australian hacker was initially detained at the Ecuadorian embassy for failing to surrender to court. He had been summoned in 2012 over an alleged rape in Sweden, where authorities are now considering reopening their investigation into those allegations.After arriving at a London police station on Thursday morning, the 47-year-old was additionally arrested on behalf of the US under an extradition warrant.

Mr Assange was taken to Westminster Magistrates’ Court and found guilty of breaching bail hours later. He faces a jail sentence of up to a year. He denied the offence, with lawyers arguing that he had a “reasonable excuse” could not expect a fair trial in the UK as its purpose was to “secure his delivery” to the US. District Judge Michael Snow described the defence as “laughable”, adding: “Mr Assange’s behaviour is that of a narcissist who cannot get beyond his own selfish interests. He hasn’t come close to establishing ‘reasonable excuse’.” He remanded Mr Assange in custody ahead of a future sentencing hearing at Southwark Crown Court.

And where was opposition Labour leader Jeremy Corbyn when this all went on? Haven’t seen him, other then in the afternoon when he was ‘discussing’ Brexit details with May in Parliament on day 1021 since the Brexit referendum, while he should have been out in the street denouncing May and protecting Assange at the loudest voice there is.

Screw you, Jeremy, you’re a pathetic loser. No matter what else you do, there are times when you have to stand up and be counted. You were nowhere to be seen, you coward. Screw you again. And all of your family. A curse on y’all. You had a chance to be counted, and you whimped out so enormously only an elephant could whimp out more. Today was your day, and you were a no-show, again.

But don‘t you mind me, I’m not British and I’m not one of those ass-hat followers of you. I’m just someone calling you a coward. So, you know, your campaign team can keep polling and intervene as soon as they see too many ass-hats become concerned about Assange. Until then, who cares, it’s all in the numbers. It’s not as if you have any principles anyway. If you can screw up Brexit there’s no reason why you couldn’t screw up Assange’s situation as well.

As for the Donald, man, it’s just 6 days ago that I issued a well-meant warning to you, to tell you that those who are after Assange are the same people who are after you.

And now you’ve given those very people a huge stage to execute their anti-Assange and thereby their anti-Trump messages from. Mr. Trump, you’re helping Brennan and Clapper and Comey and their ilk persecute the only person who could ever stand up to them. And who did that better than you ever did. Because he’s so much smarter.

And where are all the media? Where are all the other governments? Where is the European Union? Where is Australia? Yes, Ecuador took away Assange’s citizenship too today, like that’s a piece of candy or something. Asylum, citizenship, they can be bought and sold whenever a bell tolls.

Why do we have international law anyway if nobody abides by any of it? You can’t just grant someone asylum, and then a citizenship, and then rescind it when you like on a rainy morning when your medication runs out or they’re on to you for blatant fraud, Lenin Moreno. Do that and all international law becomes null and void. Hereby.

Pardon me, I’ve just been, like hopefully many people are, so sad and angry and despondent today, all day. The entire world watched the music die today, and never realized it, and a man much smarter and braver and real than any of us is out there paying for our sins, and we have no media left to tell us an honest story about it, and George Orwell is laughing somewhere out there.

And I am still stupid enough to think that we can do better.



https://www.zerohedge.com/news/2019-04-11/day-america-died


Assange 01

Assange 02

Assange 03


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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397349 2019-04-12T15:15:12Z 2019-04-12T15:15:12Z Unvernunft, aber regional ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397275 2019-04-12T10:05:30Z 2019-04-12T10:05:34Z Assange 03: Garantie

Ecuador hat den Briten übrigens noch eine schöne Giftpille mitgegeben bei der Assange-Verhaftung:

“In line with our strong commitment to human rights and international law, I requested Great Britain to guarantee that Mr Assange would not be extradited to a country where he could face torture or the death penalty,” Moreno said in a video posted on Twitter.

Assange 01
Assange 02


http://blog.fefe.de/?ts=a2517142
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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1397274 2019-04-12T10:02:00Z 2019-04-12T20:42:46Z Assange 02: Das rechnet sich...

Der Weltwährungsfonds hat Ecuador übrigens gerade einen Kredit über 4,2 Milliarden Dollar gewährt

Na DAS ist doch mal ein bemerkenswertes Timing! Ob sie den Scheck in der Botschaft in London überreicht haben, damit Ecuador versteht, was im Gegenzug von ihnen erwartet wird? (Danke, Leonard)


 Assange 01

http://blog.fefe.de/?ts=a25156b4]]>
Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1396951 2019-04-11T13:40:09Z 2019-04-12T09:58:59Z Assange 01: Er wurde herausgetragen.

Snapperjack from London, UK. • CC BY-SA 2.0

Ecuador hat Julian Assange seinen Asylstatus aberkannt, daraufhin wurde er in der Botschaft verhaftet.

Wie die Metropolitain Police in einer ersten Stellungnahme mitteilt, wurde sie vom ecuadorianischen Botschafter "eingeladen", die Botschaftsräume zu betreten und Assange festzunehmen.

RT hat ein Foto und ein Video der Verhaftung.



http://blog.fefe.de/?ts=a251d3e5]]>
Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1396512 2019-04-10T14:28:25Z 2019-04-10T20:44:16Z Digitalisierung in der Landwirtschaft ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1395559 2019-04-09T08:05:42Z 2019-04-09T08:05:42Z Aus der Serie: Nein, es ist nicht vom Postillon

Kennt ihr den schon? Der Secret Service fängt eine chinesische Agentin in Trumps Resort "Mar-A-Lago"?

Und dann passierte das hier:

Secret Service agent Samuel Ivanovich, who interviewed Zhang on the day of her arrest, testified at the hearing. He stated that when another agent put Zhang’s thumb drive into his computer
NEEEEIIIIINNNNN!!!!
it immediately began to install files, a “very out-of-the-ordinary” event that he had never seen happen before during this kind of analysis. The agent had to immediately stop the analysis to halt any further corruption of his computer, Ivanovich testified. The analysis is ongoing but still inconclusive, he said.
EINMAL mit Profis arbeiten, ey! Wie Kleinkinder in der oralen und analen Phase.

Update: Und Trump ist nicht begeistert, dass der Secret Service seinen Korruptions-Zufluchtsort verletzt hat und feuert direkt den Direktor.



http://blog.fefe.de/?ts=a252f58a]]>
Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1395545 2019-04-09T08:02:50Z 2019-04-09T08:02:50Z „Facebook, das sind krankhafte Lügner“
[l] Kurze Durchsage vom Datenschutzbeauftragten Neuseelands:
“Facebook cannot be trusted,” wrote Edwards.

“They are morally bankrupt pathological liars who enable genocide (Myanmar), facilitate foreign undermining of democratic institutions.

“[They] allow the live streaming of suicides, rapes, and murders, continue to host and publish the mosque attack video, allow advertisers to target ‘Jew haters’ and other hateful market segments, and refuse to accept any responsibility for any content or harm.

“They #dontgiveazuck” wrote Edwards. He later deleted the tweets, saying they had prompted “toxic and misinformed traffic”.



http://blog.fefe.de/?ts=a255d3e2
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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1394958 2019-04-07T20:28:04Z 2019-04-07T20:28:04Z Ach, du liebe Göttin!

Zitat des Tages:

„Kramp-Karrenbauer ist eindeutig feministischer als Merkel.“

Alice Schwarzer zeigt sich im Tagesspiegel (Sonntag) bereits zufrieden, wenn Ehemänner von Berufspolitikerinnen eine Zeitlang Reproduktionsarbeit als Hausmann leisten

Junge Welt

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1394860 2019-04-07T16:51:56Z 2019-04-07T16:51:56Z :-))) ]]> Matthias Seifert