tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:/posts Matthias Seiferts Posthaven 2018-11-12T21:37:43Z Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1343316 2018-11-12T21:37:43Z 2018-11-12T21:37:43Z Ein Bäumlein steht im Walde ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1342748 2018-11-11T12:37:10Z 2018-11-11T12:37:11Z Bad Neuenahr - Ahrweiler ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1340977 2018-11-07T10:56:16Z 2018-11-07T10:56:16Z Abschied: Dr. Konrad Schilling ist im Alter von 91 Jahren gestorben

Eigentlich hätte Duisburgs Kulturdezernent Dr. Konrad Schilling Energie und Ideen für ein zweites langes Leben gehabt, das er selbstverständlich wieder in seinem Kulturdezernat gelebt hätte. Doch jetzt ist Duisburgs wohl berühmtester Kulturdezernent am 2. November im Alter von 91 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Dies teilte uns seine Tochter Esther Kirchner mit. Um Konrad Schilling trauern seine Ehefrau, seine Familie und Freunde, aber auch die Duisburger Kultur verliert eine große Persönlichkeit, die viele Jahre lang das Kulturleben prägte.

Der 1927 in Leipzig geborene Konrad Schilling war von 1976 bis 1992 Kultur- und einige Jahre auch Schuldezernent der Stadt, der mit seinen Ideen, mit immer wieder neuen Projekten und mit einem Höchstmaß an lokalpolitischer Raffinesse die Kulturpolitik prägte wie kein anderer. Konrad Schilling gehörte zu den Begründern der „Duisburger Akzente“, zu den Förderern der Duisburger Museen, er brachte die großen Festivals in die Stadt, die Russen kamen mit Prokofjew und Schostakowitsch und Weltklasse-Konzerten. Die Künstler seiner Stadt erhielten ein eigenes Künstlerhaus an der Goldstraße. Er war ein großer Förderer und Freund der Philharmoniker, deren Konzerte er bis fast zuletzt besucht hat. Sein lautstarkes „Bravo“ im Schlussapplaus war einst der hoheitliche Segen für die Leistung des Orchesters auf der Bühne.

Mit ganzem Herzen ein Freund der schönen Künste

Konrad Schilling war mit ganzem Herzen ein Freund der schönen Künste, beinahe jeden Abend nach Dienstschluss, den er in dieser Form nicht kannte, im Konzert, im Ballett oder im Theater anzutreffen. Auch selbst war er künstlerisch aktiv, hat fast sein ganzes Leben lang Gedichte geschrieben. 2008 erschien der Gedichtband „Große wilde leuchtende Welt“, der eine Zeitspanne von 1944 bis 2013 umfasst. In seinen Gedichten zeige Schilling „Facetten von Zartheit, Hemmungslosigkeit, Verletzlichkeit, Farbigkeit und Gestaltungskraft eines Mannes, welcher sich der Alltagsroutine gelegentlich entzog, um sich gleichsam kindlicher Verzauberung hinzugeben, begeistert – und mit unbändiger Lust“, wie Herausgeber Martin Goppelsröder schrieb, Kunstprofessor aus Mülheim und Freund Schillings.

Dabei war der Macht- und bisweilen überirdisch Selbstbewusste ein streitbarer und auch streitlustiger Kulturmanager, der seinen Mitarbeitern kaum Pausen gönnte, sie aber auch zu Höchstleistungen antrieb. Schilling war sozusagen immer im Dienst. Aber auch seine Kritiker, die ihn als überheblich und übergriffig erlebten, zollten dem gewieften Kulturpolitiker Respekt. So war nicht alleine vom Leiter eines Bezirksamtes und ehemaligem Mitarbeiter des Kulturdezernates zu hören: „Alles was ich gelernt habe, habe ich von ihm gelernt.“ Konrad Schilling war ein Verwaltungs-Profi von Format.

Aktiv hinter den Kulissen

Weiterhin engagierte er sich in der christlich-jüdischen Gesellschaft, förderte die Universität und ging dann 1992 nur sehr widerwillig in Rente. Doch seine Aktivitäten vor und hinter den Kulissen erlahmten damit keineswegs. Er blieb auch weiterhin ein gefragter Ansprechpartner und gut vernetzter Kulturmanager, der erst in den allerletzten Jahren allmählich an Kraft verlor. Eigentlich ist Konrad Schilling immer der Duisburger Kulturdezernent geblieben.

>>>> OB Sören Link würdigt den Verstorbenen

„Mit Konrad Schilling verliert Duisburg einen Kulturbegeisterten, von dessen Schaffenskraft und Gestaltungswillen unsere Stadt bis heute profitiert. Als Kultur- und Bildungsdezernent hat er das Kulturleben bis heute geprägt: Markenzeichen wie die Duisburger Akzente, das Binnenschifffahrtsmuseum oder den Lifesaver-Brunnen hat Konrad Schilling möglich gemacht – und dafür ist ihm Duisburg zu großem Dank verpflichtet.“

Quelle: https://www.waz.de/staedte/duisburg/dr-konrad-schilling-ist-im-alter-von-91-jahren-gestorben-id215728887.html

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1340852 2018-11-06T16:36:59Z 2018-11-06T16:49:17Z Ausstellung im Museum unter Tage, Bochum

scheinbar: nichts

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1340836 2018-11-06T16:13:36Z 2018-11-06T16:13:36Z Tanz in der Herbstsonne ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1340826 2018-11-06T15:30:29Z 2018-11-06T15:30:30Z Baum ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1340120 2018-11-04T22:16:37Z 2018-11-04T22:16:37Z Alter jüdischer Friedhof, Wesel ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1339753 2018-11-03T17:09:46Z 2018-11-11T17:24:11Z Wo? Roncevalles, das erste Stück Jakobsweg nach der Übernachtung

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1339745 2018-11-03T16:46:47Z 2018-11-03T16:46:47Z Hochzeit, Bilbao


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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1339334 2018-11-02T16:42:47Z 2018-11-02T16:42:47Z Gärten des Grauens

Quelle

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1339325 2018-11-02T16:19:40Z 2018-11-02T16:19:40Z Acht Novemberblüten ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1337397 2018-10-30T09:23:47Z 2018-10-30T09:23:47Z Diese Körper sind von Angst erfüllt

Klaus Theweleit bei einer Lesung von Das Lachen der Täter: Breivik u.a. im Club W71 (2016)
Von Schorle - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48255342


Interview mit Klaus Theweleit über aktuelle Gewalt in Deutschland

Die Bilder von Männern, die Menschen durch eine Stadt jagen, die sie zuvor als Flüchtlinge ausmachten, haben die Republik in den vergangenen Wochen regelrecht verstört. In den begleitenden Medien entzünden sich die Debatten nicht zuletzt entlang der Frage, ob in Deutschland ein neuer Faschismus aufkommt, dem man entgegenzutreten habe. Außerdem fragt man sich, was diese Männer antreibt, gegen alles fremdländisch Erscheinende gewaltsam vorzugehen, ungeniert menschenverachtende Parolen zu skandieren oder NS-Symbolik offen zu demonstrieren? Prof. Dr. Klaus Theweleit hat sich bereits in den 1970er Jahren mit Gewalt und Männerphantasien im Zusammenhang mit faschistischem Gedankengut auseinandergesetzt. In seiner jüngsten Analyse über das Lachen von Tätern gewaltsamer Exzesse hat er dieses Thema noch einmal aufgegriffen. Wir haben ihn um ein Psychogramm dieser Männer gebeten.


"Der rechte Mob will töten, überall auf der Welt"

L.I.S.A.: Herr Professor Theweleit, Sie haben sich in Ihrer Forschung und in vielen Ihrer Bücher mit Gewalt, die von Männern ausgeübt wird, beschäftigt - vom Terror der Freikorps in Ihrem weitrezepierten Zweibänder "Männerphantasien" bis zum Amoklauf von Anders Breivik in Ihrer jüngsten Monographie "Das Lachen der Täter". Darin gehen Sie den Motiven bzw. Antrieben dieser Männer auf den Grund, Angst, Schrecken und Terror zu verbreiten. Wenn man sich die aktuellsten Bilder von gewalttätigen Ereignissen anschaut - so insbesondere die Hetzjagd auf Menschen in Chemnitz -, sehen Sie da Parallelen zu den Männern, die Sie in den oben angesprochenen Büchern untersucht und besprochen haben?

Prof. Theweleit: Hetzjagden auf Menschen haben überall auf der Welt ähnliche Hintergründe. Ideologisch werden sie zwar sehr verschieden „begründet“ - politisch, religiös, lokal verschieden.  „Gründe“ lassen sich für alle Sorten Handlungen auf der Welt immer „finden“; das ist halt das Kreuz mit der sogenannten „Rationalität“. Dinge, die als „tatsächliche“ Begründungen durchgehen könnten, werden dabei eher selten genannt. Das heißt, Begründungen sind in der Regel willkürlich. Das ist den jeweiligen Tätern nicht immer bewusst, manchen aber schon. Die kennen ihre Beweggründe genauer: sie lauten auf töten wollen. Es gibt Menschen – in den verschiedensten Kulturen – die darauf angelegt sind, andere Menschen um sie herum gewaltsam aus ihrem Umfeld zu entfernen. Wie dieser Typus funktioniert, habe ich in Männerphantasien und anderen Büchern beschrieben. Es gibt lokale Abweichungen darin; bei den Chemnitzern sicher besondere Spezifika; zum Beispiel den Umstand, dass in Chemnitz ein Nazi-Netzwerk den Mördern des NSU jahrelang Deckung gab. Aber im Grundsätzlichen ähneln sich solche Täter. Der Hetzmob, der am Sonntag, dem 10. September, in Koethen unterwegs war, beklatschte und bejohlte einen Hetzredner, der brüllte: „Wollt ihr weiterhin die Schafe bleiben, die blöken, oder wollt ihr zu Wölfen werden und sie zerfetzen“. Er rief dazu auf, die politischen Gegner „zu Hause zu stellen“, „vor ihren Türen auf sie zu warten“. Zusammengenommen sind das Mordaufrufe. Der rechte Mob will töten, überall auf der Welt.


"Ursachenforschung 'professionell' gibt es nicht"

L.I.S.A.: Bevor Ursachenforschung professionell betrieben werden kann, finden sich in den Medien bereits zahlreiche Erklärungen, warum Neonazis Menschen durch die Stadt jagen, die nicht so aussehen wie sie meinen, dass diese auszusehen hätten. Zu den Erklärungsmustern gehören unter anderen: "Modernisierungsverlierer", "abgehängte untere Mittelschicht", "unbelehrbare Nazis", "Angst vor Überfremdung", "typisches Erbe des verordneten Antifaschismus in der DDR" usw. Überzeugt sie einer dieser Erklärungsansätze?

Prof. Theweleit: Ursachenforschung „professionell“ gibt es nicht. Es handelt sich immer um mehr oder weniger fundierte Spekulationen. Manchmal um reine Phantasien. Am nächsten kommt man „Ursachen“ für Gewalthandlungen, wenn man an den Körperzuständen der jeweiligen Täter ansetzt.


"Unabdingbar zur 'Erklärung' von Gewaltausbrüchen ist die Psychoanalyse"

L.I.S.A.: Wenn man nun versuchen möchte, den Ursachen für diese Gewaltausbrüche und den dazugehörigen Phantasien von einem homogenen Nationalstaat auf den Grund zu gehen, welche Disziplinen bieten am ehesten entsprechendes Analyse- und Erklärpotential? Ist es die Geschichtswissenschaft, die historische Entwicklungen für maßgeblich hält? Ist es die Soziologie, die von sozio-ökonomischen Strukturen und Verhältnissen ausgeht? Ist es die Ethnologie, die sich der kulturellen Codes von Kollektiven annimmt? Oder ist es die Psychoanalyse, die sich den unbewussten Schichten und Strömungen nähert und diese offenlegen möchte?

Prof. Theweleit: Am wenigsten ist da von Historikern (1) zu erwarten. Die können sich nicht einmal darauf einigen, ob entscheidende Obernazis wie Hitler oder Himmler die Judenvernichtung angeordnet hätten (oder vielleicht: nicht), solange sie kein unterschriebenes Dokument dazu in der Hand haben.

Bei den Soziologen (2) sieht es etwas besser aus. Sozio-ökonomische Strukturen spielen immer eine Rolle. Ganz so tumb wie ein Normalhistoriker kann ein halbwegs intakter Soziologe kaum werden. Warum zum Beispiel gerade „Duisburg“ oder „Chemnitz“, können Soziologen genauer darstellen als Historiker (denen dazu natürlich die Dokumente fehlen). Ob SoziologInnen aber entscheidend besser sein können, hängt davon ab, wie gut ihre Verankerung in den Bereichen drei und vier ist.

Die (3) Ethnologie, „die sich der kulturellen Codes von Kollektiven annimmt“, ist eine allgemein unterschätzte und zu wenig beachtete Disziplin. Sie hatte immer unter dem „historischen Materialismus“ marx'scher Schule zu leiden, der „Erklärungen“ politischer Phänomene nach Klassenlagen nicht nur vorschlägt, sondern vorschreibt. Während Ethnologen eher beschreiben, was vorliegt und ausdifferenzieren, was vor sich geht. In gesellschaftspolitischer Theorie – etwa dem Bedenken von Machtstrukturen, wie Foucault es entwickelt – haben Ethnologen aber in der Regel Defizite. Und manchmal einen Mangel an exakten historischen Kenntnissen.

Unabdingbar zur „Erklärung“ öffentlicher (wie privater) Gewaltausbrüche ist die Psychoanalyse (4). Genauer gesagt: sie wäre es. Wenn die Psychoanalytiker, die wir haben, entsprechend wären. Mangel an exakten historischen wie soziologischen Kenntnissen ist jedoch geradezu eins der Markenzeichen der Analytiker-Kaste. (So wie es Markenzeichen von Historikern und teils Soziologen ist, von Psychoanalyse keine Ahnung zu haben; und dies stolz auszustellen). „Sich den unbewussten Strömungen“ zu nähern, um diese „offenzulegen“ – wie Ihre Frage es formuliert – wäre aber ein nicht ausreichendes psychoanalytisches Programm.

Gewalt wird begangen von Menschen, einzeln oder in Verbänden. Menschen sind nicht Abstrakta, deren Handlungen über Zuordnungen wie bewusst/unbewusst zugänglich werden. Menschen leben in Körpern, Menschen sind Körper. Mit dieser Tatsache kommen alle vier der genannten nicht zu Rande.


"Die Mordlust hat schlimmere körperliche Motoren"

L.I.S.A.: Sie zeigen in Ihrem Buch „Das Lachen der Täter“, dass die Gründe für den Hang zur Ausübung von Gewalt, die darauf aus ist, ein Anderes zu verletzen und es sogar zu töten, bereits in der frühesten Lebensphase eines Menschen zu suchen sind, die mit der Ich-Bildung zu tun haben. Stichwort: die negative, die "nicht aufgelöste" symbiotische Beziehung zur Mutter. Wie ist das zu verstehen?

Prof. Theweleit: Den oben genannten vier Disziplinen ist gemeinsam, dass sie alle (mit Einschränkungen) nicht erkennen wollen bzw. nicht zugeben wollen, dass die Grundlage eines Erwachsenenkörpers der Kinderkörper ist, aus dem der jeweilige spezifische Gewalttäter hervorgeht. Gewalt Erwachsener, ob lustvoll ausgeübt oder nicht, kommt aus Körpern, die in früheren Stadien – ganz allgemein gesprochen – bestimmten Zerstörungen ausgesetzt waren. Zerstörungen verschiedenster Art, physisch, Prügel; psychophysisch, in einem Arsenal aller Arten von Bedrohungen; u.a. der Bedrohung, in einer negativen Symbiose von einem übermächtigen Erwachsenenkörper (es muss nicht unbedingt der der 'Mutter' sein), verschlungen zu werden. Aus diesen Bedrohungen resultieren Menschen mit einem Fragmentkörper. Körper, die sich zerrissen fühlen. Körper, denen es nicht gelingt, ein stabiles Selbstempfinden zu entwickeln; eine Balance, in der sie sich sicher fühlen; ein „Ich“ zu entwickeln, das in der Lage ist, äußere Realitäten psychisch zu integrieren, ohne unter dieser „Last“ zusammenzubrechen. Diese Körper – und das ist das Entscheidende – sind von Angst erfüllt. Angst, auseinanderzubrechen, Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren, Angst, verschlungen zu werden von (potentiell) allem um sie herum, das sich ihnen nähert, ohne dass sie wüssten, wie damit umzugehen sei.

Eine der Möglichkeiten, die sich ihnen – psychophysisch/motorisch – anbietet, ist, mit Gewalt auf alle Arten von Bedrohungen „von außen“ zu reagieren

Ob Historiker, ob Soziologen, ob Philosophen, ob Ethnologen, ob Ökonomen, ob Politiker, ob Psychoanalytiker: sie realisieren nicht die Existenz fragmentierter Körper, die auf Gewalt aus sind als eine der real existierenden materiellen Grundbestandteile der menschlichen Sozietäten weltweit. Sie reden, sie phantasieren stattdessen vom Individuum, vom autonomen Subjekt gar, vom „Ich“, von der „verantwortlichen Person“, die gerade zu stehen hat für ihre Existenzform; dies „Subjekt“ kommt in der realen Welt kaum vor. Sie reden von Phantomen, wenn sie von den handelnden Menschen realexistierender Gesellschaften sprechen (oder schreiben).

Statt wahrzunehmen – und davon auszugehen – wie viele Menschen (nicht nur die in Chemnitz) am Abgrund leben. Nicht nur dem Abgrund „Modernisierungsverlierer“ oder „abgehängte untere Mittelschicht“. Das sind zwar auch Abgründe, aber vergleichsweise  behebbare, etwa mit Maßnahmen wie Hartz IV, Arbeitslosengeld, Wohngeld, Hilfsprogrammen verschiedenster Art, Hilfen von Freunden, Geliebten, Nachbarn, Eltern oder Vereinen. Hilfen, die auch greifen, bei manchen. Bei vielen anderen aber nicht. Diese können, trotz der Hilfen, in das berühmte „Loch“ fallen. Was aber in keiner Weise jenen  Abgrund „erklärt“, der dazu führt, dass Leute auf öffentliche Plätze rennen und fahnenschwenkend proklamieren, andere Leute „jagen“ zu müssen, sie eliminieren, sie ermorden zu wollen. Dazu gehört etwas mehr, als nicht genug zum Leben und zum Wohnen in der Tasche zu haben. Die Nazi-WählerInnen der 1930er Jahre waren zum Teil auch ökonomisch-gesellschaftlich irgendwie „Abgehängte“. Das ist kein Grund zum Morden. Das zentrale Problem war (ist), dass es für manche Deutsche offenbar keine Scham und keine Barriere gibt, hinter solche Konzepte ein Wahlkreuz zu setzen.

Die Mordlust, die ich wahrgenommen und beschrieben habe an so vielen Taten der mordenden „Rechten“ weltweit, hat schlimmere körperliche Motoren: Angst des fragmentierenden Körpers vorm Untergang; vorm Verschlungenwerden von den umgebenden Realitäten.

Die Leere (der Abgrund!), aus dem heraus uns das Gebrüll – der Hass, die Mordlust – entgegentönen, ist eine einsame, ist eine angsterfüllte Leere. Sie sucht motorische Aktion, um diese Leere zu füllen. Im Kopf herrscht dabei diese Nebulösität vor, die ich „halluzinatorische Wahrnehmungskonglomerate“ genannt habe.


"Die Presse sollte sich zur eigenen Parteilichkeit bekennen"

L.I.S.A.: Sehen Sie in diesen Körpergefühlen den Grund oder einen der Gründe für den Dauervorwurf „Lügenpresse“ in Richtung der in der Bundesrepublik vorherrschenden Medien?

Prof. Theweleit: Einen der Gründe, sicher. Denn diese verschlingenden Realitäten werden von anderen, die zum Beispiel glauben, eine der bestmöglichen Welten zu bewohnen, in der Auffassung jener, die überwiegend in halluzinatorischen Angstzuständen leben, schlicht geleugnet. Die Publikationsorgane dieser (tonangebenden) Sorte Mensch werden nicht einfach ganz zu Unrecht als „Lügenpresse“ beschimpft. Selbstverständlich verbreiten alle die, denen es irgendwie „besser“ geht, denen es auskömmlich geht oder zu gehen scheint, die ihr Dasein als Lust empfinden, Lügen zur Lage derer, denen es nicht so geht; die die Welt um sich herum als bedrohlich empfinden, aber keine Chance auf Veränderungen sehen; jedenfalls nicht auf zivilen Wegen.

Ein Grundfehler der liberalen „bürgerlichen“ Presse war (und ist) es meiner Meinung nach, den Vorwurf der „Lügenpresse“ nicht wirklich ernst zu nehmen, ihn nicht ernsthaft zu bedenken. Statt zu sagen – was der Wahrheit entspräche – wir sind parteiisch; wir vertreten bestimmte Interessen; und wir können das begründen: zum Beispiel das Interesse an der sogenannten Marktwirtschaft in hochtechnifizierten demokratischen Gesellschaften. Wir können begründen, warum dazu das Interesse an bestimmten Formen der politischen Auseinandersetzung gehört: im Bundestag, in den Landtagen, in den Kommunen, in Kindergärten, Schulen, in Betrieben und Vereinen. Wir können begründen, warum dazu die Akzeptanz des Gewaltmonopols des Staats gehört; die Akzeptanz der sogenannten „Gewaltenteilung“, Unabhängigkeit der Justiz. Aber auch das Recht auf Bürgerinitiativen, auf zivilen Widerstand etc. - aber nicht das Recht auf lokale „Bürgerwehren“, zumal bewaffnete, um nur dies eine Beispiel zu nennen.

Zuzugeben wäre also: „Wir sind eine interessenzentrierte bürgerliche Presse mit ganz bestimmten Werten; und sind damit in den Augen derer, die diese Werte ablehnen und bekämpfen ganz selbstverständlich Lügenpresse. Danke für das Kompliment“! – so etwa hätte eine angemessene Antwort zu lauten; und nicht: die offen Kriminellen von AfD und ähnlich einzuladen in sogenannte Talkshows, um ihnen dort zu beweisen, dass man doch nicht Lügenpresse sei, sondern objektiver Journalismus; diese Zentrallüge der „bürgerlichen Presse“ also weiter und nochmals zu verbreiten. Man hätte sich zu bekennen zur eigenen Parteilichkeit. Nämlich: „Ja, wir sind so; und wir sind gegen euch. Und wir sagen das laut, auch ohne euch dabei haben zu müssen im Diskutierstuhl“. Weil: „Ihr seid erklärte Feinde jenes demokratischen Systems, dessen Formate wir hier diskutativ repräsentieren. Und da gehört ihr nicht rein“.

Stattdessen die Mär vom „objektiven Journalismus“. Ich (wie Millionen andere) müssten Schmerzensgeld verlangen dürfen für die Leiden des Fremdschämens, die uns die ModerateurInnen Maischberger, Will, Illner, Jauch, Plasberg auferlegt haben in ihren devoten „Gesprächsversuchen“ mit den offen kriminellen Typen, männlich wie weiblich, aus der sogenannten Alternative fD.

Dies gilt nicht nur fürs Fernsehen, die WELT, die ZEIT usw., sondern genauso für die taz und andere Organe, die sich für die „linkeren“ halten. Ganzseitige Interviews mit der offenen Faschistin A. Weidel, ein paar Tage vor einer Wahl! Frau Bettina Gaus als Statthalterin objektiver Ausgewogenheit. Für wie blöd hält man die Leute denn? So blöd sind grad die Gaulands und Weidels nicht. (In den Knast mit ihnen! Wegen erwiesener Morddrohungen und Volksverhetzung). Diskutieren mit denen? Nein! Und nochmal nein. Aber nicht aus der Verlogenheit heraus: „Wir sind die Objektiven“.

Und auch noch denken, man wäre denen damit überlegen; könne sie, diskutierend, widerlegen! Der Gipfel! Gegen Leute, die (voll bewusst) aus dem Kontrafaktischen reden (ob Weidel, Gauland oder Trump) kann jeder „diskutierende“ Mensch nur verlieren; weil dieser Typus sich mit jedem vorgebrachten „Argument“ nur den Hintern wischt und eine Behauptung dagegensetzt, die darauf pfeift, „wahr“ oder auch nur „begründbar“ zu sein. Mit solchen Leuten diskutiert man nicht als halbwegs vernünftiger Mensch.


"Mit den 'halbwegs Vernünftigen' reden"

L.I.S.A.: Was tut man gegen die?

Prof. Theweleit: Sie bekämpft man, indem man mit anderen „halbwegs Vernünftigen“ redet, die einem erreichbar sind. Die bereit sind, zuzuhören; die erwarten dürfen, dass man ihnen zuhört, wenn sie selber etwas sagen; also reden, statt zu brüllen. Dann kann gesprochen werden. Die „Rechten“, die auf der Straße brüllen, reden ja nicht etwa „miteinander“; sie brüllen gemeinsame mörderische Parolen, die sich gegen Andere richten.

Sprechen, das diesen Namen verdient, setzt voraus, dass man etwas wahrgenommen hat von der Rede der Person, zu der oder mit der man spricht; und etwas davon gelten lässt. Das gilt beidseitig. Wo das nicht möglich ist: einen Bogen um die Leute machen. Und gegen kriminelle Bedrohungen entschlossen mit rechtlichen Schritten vorgehen; gesellschaftspolitisch so handeln, dass jene möglichst isoliert bleiben; ihren Einfluss begrenzen.


"Ausagierte Gewalt ist (fast) immer ein rein männliches Phänomen"

L.I.S.A.: Inwieweit haben wir es bei den Exzessen von Chemnitz und ähnlichen in der jüngeren Vergangenheit mit einem reinen Männerphänomen zu tun? Ist diese Gewalt vor allem eine maskulin begründete und kodierte oder ist diese inzwischen genderübergreifend? Welche Rolle und Funktion kommt Frauen in dieser Konstellation zu? Ist Frau hier nur das Opfer bzw. das imaginierte Opfer?

Prof. Theweleit: Ausagierte Gewalt ist (fast) immer ein rein männliches Phänomen. Das hat, weltweit, ähnliche, kulturell-geschichtliche Gründe; vor allem die traditionell größere Nähe männlicher Körper zum motorischen Ausagieren innerpsychischer Probleme. Die hasserfüllte Rede z.B. gegenüber Fremden gibt es bei Frauen nicht unbedingt weniger. Sie hetzen mit; sie organisieren mit; sie stehen bei Mordtaten dabei und spenden Beifall; aber sie schlagen – diese Gender-Differenz besteht nach wie vor – weniger selber zu. Die Produktion des ersehnten Anblicks „Blutiger Brei“ in den zerstörten Körpern von Mordopfern ist weiterhin weitgehend männlich. Nicht nur beim NSU; Zschäpe mordete nicht eigenhändig. Auch die regelmäßigen Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und ihre BewohnerInnen – allein 2017 waren es ca. 250 – sind, soweit bekannt, Männertaten.


"Liberale Journalisten schreiben eine faschistische Bedrohung hoch"

L.I.S.A.: In vielen Kommentaren zu den Auswirkungen solcher Ereignisse wie der in Chemnitz und ähnlicher wird die Sorge vor einer Rückkehr des Faschismus in Deutschland ausgedrückt. Halten Sie diese Sorge für berechtigt? Oder haben wir es hier mit einer überschaubaren Größe von faschistischen Tendenzen zu tun? Und was ist mit den sogenannten "besorgten Bürgern", die am Rande stehen und applaudieren, wenn auf Kundgebungen mit Blick auf Flüchtende Parolen wie "Absaufen!" skandiert werden?

Prof. Theweleit: Ich habe mehrfach betont: „Besorgte Bürger“ werden keine Faschisten; werden kein Mob und keine Menschenjäger. Und sie skandieren nicht „Absaufen“. Die Bezeichnung „Sorge“ gehört hier nicht her. Wir haben es, wie Sie sagen, mit einer „überschaubaren Größe von faschistischen Tendenzen“ zu tun; keineswegs harmlose. Aber: Woher diese merkwürdige Tendenz in „unseren“ Medien, die Bedrohungen durch diese Gefahr mutwillig zu vergrößern? Am Sonntag Abend, 10. September 2018, wird in Kurzmeldungen und Teletexten ein „Sieg der Rechtspopulisten“ in den schwedischen Parlamentswahlen vermeldet; in Teilen der Montagspresse auch. Am Dienstag dann die Korrektur: 17,6%; nur drittstärkste Partei. Keine Chance, an einer Regierungsbildung beteiligt zu werden. (Ähnlich vor einiger Zeit die flächendeckend beschworenen Bedrohungen durch Frau LePen in Frankreich). Liberale Journalisten schreiben eine faschistische Bedrohung hoch, an die sie (wahrscheinlich) selber nicht glauben. Was für ein merkwürdiges Vergnügen. Das Spiegel-Cover vom 8. September zeigt das Personal der AfD-Spitze in einem himmelfahrtsartigen Aufstieg begriffen. What for? Was soll der Blödsinn? Keineswegs ist „Europa“, keineswegs ist „Deutschland“ von einer Vorherrschaft des Rechtspopulismus bedroht. Bullshit!


Prof. Dr. Klaus Theweleit hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

Quelle

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1337138 2018-10-29T16:53:59Z 2018-10-29T16:53:59Z Das Trauma der Erziehung

Seelische Gewalt ist allgegenwärtig und soll aus unseren Kindern willfährige Untertanen machen. 

Psychische Gewalt geschieht versteckt. Sie hinterlässt keine sichtbaren Narben und sie findet täglich unbemerkt statt. Sie trägt dann einen freundlicher klingenden Namen: Erziehung. Slogans wie „Kinder brauchen Grenzen“ haben heute Hochkonjunktur. Im Bestreben, keine „kleinen Tyrannen“ zu züchten, gebährden sich Erwachsene als große Tyrannen, lassen Säuglinge schreien, ignorieren ihre vitalen Bedürfnisse. Die Traumaspuren verfolgen Kinder, die so behandelt wurden, noch bis ins Erwachsenenalter. (Birgit Assel)

Es ist ein großer Fortschritt, dass Kinder in Deutschland seit Juni 2000 ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben: „Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig“, so steht es im Paragraph 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB).

Die Erziehung von Kindern ist ein Thema, das heute viele Eltern beschäftigt. Und es ist ein Thema, um das heftig gestritten wird. Es gibt eine Vielzahl von Erziehungsstilen — von autoritär bis laissez-faire. Nur wenigen Eltern ist dabei bewusst, dass jede Form von Erziehung, egal welcher Erziehungsstil für richtig gehalten wird, Kinder zu Objekten macht.

Bei der Erziehung ihres Kindes gehen Eltern davon aus, dadurch Einfluss auf das spätere Leben des Kindes nehmen zu können: wie erfolgreich es in der Schule sein wird, welchen Beruf es einmal wählt, wie es seine Beziehungen gestalten wird — kurzum, ob es zu einem erfolgreichen Mitglied der Gesellschaft wird.

Ohne Ziele für die Zukunft bräuchte es keine Erziehung — das Kind könnte einfach so bleiben, wie es ist!

Doch die eigentliche Frage ist, warum Eltern weiterhin an dem Glauben einer „guten“ Erziehung festhalten. Warum haben sie so wenig Vertrauen in ihre Kinder, dass sie in der Idee verhaftet bleiben, etwas aus ihren Kindern „machen“ zu müssen?

Das ist nicht so leicht zu verstehen, wir bekommen nur schwer Zugang zu den wahren Gründen, die oft tief in unserer Psyche verborgen sind, weil sie sehr schmerzhaft und kaum auszuhalten sind.

Wir werden als lebendige kleine Menschen geboren, wir kommen als Entdecker auf die Welt — wir kennen keine Regeln, wir wissen nichts vom Leben der Erwachsenen, alles, was wir brauchen, ist die Nähe und die Geborgenheit unserer Mutter. Wir kennen ihren Herzschlag, wir kennen ihre Stimme, wir kennen ihren Geruch — das ist uns vertraut! Wir haben, wenn alles gut gegangen ist, mit unserer Mutter gemeinsam die Geburt geschafft — was leider heute immer seltener der Fall ist.

Lassen Sie uns die Perspektive wechseln.

Ein Mensch wird geboren — wie sieht er die Welt?

Heute ändert sich mein Leben komplett und das meiner Mama auch. Weder sie noch ich wissen, was uns erwartet. Zum ersten Mal spüre ich einen Schmerz in meinem Körper und ich weiß nicht, woher dieser Schmerz kommt. Das einzige, was ich kann, ist schreien! Meine Mama weiß zum Glück, was ich brauche, und ich bekomme ihre Brust. Sie stillt den Schmerz, es war also Hunger. Vielleicht kann noch ein bisschen bei meiner Mama auf dem Bauch bleiben, so dass ich ihren Herzschlag höre und ihren Geruch immer um mich habe, das wäre schön.

Es passiert so viel Unbekanntes um mich herum, dass ich dieses vertraute Gefühl unbedingt brauche — ohne diese Sicherheit bekomme ich Angst! Ich brauche ihre Körpernähe, ich brauche ihre Stimme, ich brauche ihre Bewegungen, wenn sie mich bei sich trägt. Das alles brauche ich, um langsam in meine neue Umgebung hineinzuwachsen. Wie lange das so sein wird, wissen weder Mama noch ich — doch wenn sie mir vertraut und meine „Sprache“ versteht, zeige ich ihr, wenn ich nicht mehr von ihr getragen werden will, sondern schon für kurze Zeit alleine auf Entdeckungsreise gehen kann.

Ich kann schlafen, wenn ich müde bin, ich werde gestillt, wenn ich hungrig bin, und wenn ich mich unwohl fühle und deswegen weine, dann sorgt meine Mama dafür, dass ich mich wieder wohlfühle. Mama begleitet mich, ich kann Vertrauen in eine mir noch unbekannte Welt fassen und je älter ich werde, umso mutiger erkunde ich meine Umgebung.

Die Realität

Die Realität der meisten neugeborenen Menschen sieht leider anders aus. Häufig wurden sie schon durch die vielen pränatalen Untersuchungen in Stress versetzt. Wenn die Mutter auch Stress erlebt, weil sie sich Sorgen macht, weil sie Angst hat, weil sie sich und ihrem Körper nicht vertraut, dann erlebt das Ungeborene nicht nur seinen eigenen Stress, sondern auch den der Mutter. Die Idee von den paradiesischen neun Monaten gehört seit der Entdeckung der vorgeburtlichen Psychologie in die Kiste der Mythologie.

Kommt zu dem erlebten Stress noch der Geburtsstress für Mutter und Kind dazu, dann sind im Grunde genommen alle weiteren Probleme schon vorprogrammiert.

Wenn ich von Stress schreibe, dann meine ich nicht den „normalen“ Stress, den wir erleben, wenn wir zum Beispiel unter Zeitdruck sind, sondern einen Stress, den wir nur schwer regulieren können, weil er uns seit Beginn unseres Lebens in den Knochen steckt beziehungsweise in unseren Zellen und in unserer Psyche „gespeichert“ ist. Daher bezeichne ich diesen Stress als „Trauma-Stress“, ausgelöst durch Ereignisse in unserem Leben, die wir nicht verarbeiten konnten, die uns in große Not, Ohnmacht und Hilflosigkeit gebracht haben, denen wir nicht entkommen konnten.

Trauma-Stress ist lebensgefährlich, weil die Alarmhormone Adrenalin und Noradrenalin in großen Mengen ausgeschüttet werden und wir an Übererregung sterben können. Bei dieser Art von Stress ist unsere Psyche in höchster Alarmbereitschaft. Um unser Überleben zu sichern, wird diese Übererregung zusammen mit den erlebten Gefühlen der Todesangst, und oftmals auch die Erinnerungen an das Ereignis selbst, abgespalten, also in einen separaten Bereich unserer Psyche verschoben. Unser Körper kann sich nun wieder regulieren, Blutdruck und Herzfrequenz sinken wieder auf ihren Normalstand. Dieser Trauma-Stress kann jederzeit wieder ausgelöst werden und uns in einen Ausnahmezustand versetzen, ohne dass wir wissen, warum. Panikattacken sind in der Regel ein Zeichen dafür, dass wir Trauma-Stress abspalten mussten …

Je jünger wir sind, desto weniger Selbstregulationsmöglichkeiten haben wir. Wir sind darauf angewiesen, in Stress-Situationen von anderen Menschen beruhigt und reguliert zu werden.
Was passiert also, wenn ein Säugling schon mit Stress auf die Welt kommt und die Mutter auch noch unverarbeitete Traumata in sich trägt?

Säuglinge können ihren Stress nur dadurch zeigen, indem sie laut und anhaltend Schreien — sie geben Alarm, dass etwas nicht stimmt. Die Mutter versucht das Kind zu beruhigen, kommt aber selbst in Stress, weil ihr Kind sie triggert, ihr Trauma anspricht, was sie aber nicht weiß. Der Stress der Mutter bereitet dem Baby noch mehr Stress, es schreit noch lauter und lässt sich nicht beruhigen, was wiederum die Mutter zur Verzweiflung bringt, weil sie spürt, dass sie nicht in der Lage ist, ihr Kind zu beruhigen. Wenn sie Glück hat, ist sie von Menschen umgeben, die diese Stress-Situation für beide entspannen können.

Als mein Sohn ein Baby war und ich ihn nicht beruhigen konnte, weil mein eigener Stresspegel wuchs und wuchs, war meine Mutter mir eine große Hilfe, indem sie mir meinen Sohn abnahm und beruhigend auf ihn einwirkte. Es war erstaunlich, wie schnell sich mein Kind beruhigte, wenn er die leise, summende Stimme meiner Mutter hörte, die ihn sanft in ihren Armen wiegte. So konnte ich auch aus meinem Stress-Programm aussteigen und wieder für meinen Sohn da sein, so wie er es brauchte.

Was ließ mich so reagieren? Zwar wusste ich, dass meine Mutter mich und meine Schwester als Babys nachts schreien ließ, damit wir „schlafen lernen“, doch dass das Schreien meines Sohnes eben diesen unverarbeiteten Stress in mir triggerte, wusste ich nicht.

Dass man Kinder früher einfach schreien ließ, hatte mit der „Schwarzen Pädagogik“ zu tun: man ging davon aus, dass ein Säugling schon früh nur danach trachtet, seinen Willen der Mutter aufzuzwingen. Der Erziehungsratgeber der NS-Zeit „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ stand in fast allen Haushalten.

Die größte Angst junger Eltern ist, ihr Baby zu verwöhnen

Nun sollte man meinen, diese Zeiten seien vorbei, heute wüssten alle Eltern, dass Babys, deren Schreien ignoriert wird, traumatisiert werden, weil sie noch nicht die Fähigkeit entwickelt haben, sich selbst zu regulieren.

Leider ist das ein Irrtum! Auch heute glauben noch viele Eltern, oder sie befürchten sogar, sie könnten ihre Babys verwöhnen, wenn sie jedem Schreien nachgäben. Karl-Heinz Brisch, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Bindungsforscher, der Kurse für Eltern — wie zum Beispiel das Feinfühligkeitstraining „Safe“ — anbietet, sagte bei Scobel in einer Sendung zum Thema psychische Gewalt in der Erziehung, dass werdende Eltern die größte Sorge haben, ihr Baby zu verwöhnen, und sich sogar fragen, wann sie mit „Frustrationstraining“ anfangen sollten.

Dass junge Eltern sich noch heute mit dieser Frage beschäftigen, ist schon sehr erstaunlich, zeigt aber auch, wie sehr die Denkweisen der vorigen Generationen junge Menschen bis heute prägen und wie wenig die eigene Kindheitsgeschichte aufgearbeitet wurde. Wären diese jungen Eltern selbst mit einer sicheren Bindung aufgewachsen, würden sie sich solche Fragen mit Sicherheit nicht stellen.

Schon im Säuglingsalter beginnen Eltern häufig mit der Erziehung: Mit Babys wird zum Beispiel das Schlafen trainiert. Das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ von Anette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth wurde zu einem Bestseller. Hier werden die Bedürfnisse des Säuglings aus erzieherischen Gründen übergangen, aus Angst, er würde sich zu einem Tyrannen entwickeln.

Was passiert, wenn ein Säugling schreien gelassen wird? Der kleine Mensch liegt in seinem Bett, kann selbst noch nicht laufen, schreit nach seinen Eltern, möchte sehen, dass sie da sind, dass er in Sicherheit ist. Die Eltern kommen nicht. Er bleibt alleine, hilflos. Er schreit weiter, ruft lauter, warum kommt denn niemand, er hat Todesangst. Damit sein kleiner Körper überleben kann, passiert das, was wir Abspalten nennen. Diese unbändige Angst, dieser Stress wird von seiner Psyche verdrängt, in einen abgeschlossenen Bereich verschoben.

Der vermeintliche Erziehungserfolg, das Kind schreit nicht mehr, ist also nur ein „Wegpacken“ dieser überwältigenden Gefühle, von Hilflosigkeit, Verzweiflung, Todesangst. Diese Form von ganz früher Gewalt, der sich die wenigsten Eltern — oder überhaupt Menschen — bewusst sind, wird die Psyche und die Gehirnentwicklung des Kindes massiv schädigen.

Das Kind wird nicht in seiner Bedürftigkeit wahrgenommen, sondern es wird zu einem „Objekt“ gemacht, mit dem man lernt „umzugehen“, damit es möglichst pflegeleicht ist, schnell durchschläft und es geregelte Nahrungsaufnahmezeiten hat.

So fängt der „Wahnsinn der Normalität“ an und überdauert die ganze Kindheit.

Wie irre sind wir eigentlich?

Der Erziehungswahnsinn der Normalität

Wie wenig wir als kleine Kinder mit unseren Bedürfnissen wahrgenommen wurden, zeigt dieser Erziehungswahnsinn, in dem Eltern und Großeltern gefangen sind.

Der Leitspruch in der Erziehung heißt: Kinder brauchen Grenzen! Wie ist es dazu gekommen, dass so gut wie alle Menschen das ernsthaft glauben? Nun, ich versuche einen Erklärungsansatz: Es gibt äußere sowie innere Grenzen, und es gibt Glaubenssätze.

Die äußeren Grenzen zielen darauf ab, dass ich in meiner körperlichen Integrität nicht verletzt werde. Doch genau das wird mit kleinen Kindern ständig gemacht und oftmals sogar mit Gewalt, zum Beispiel beim Zähneputzen, beim Wickeln, beim Zwingen in den Kindersitz und so weiter. Die Argumentation bei meinen Beispielen ist, dass es sich um Vorsorge- und Schutzmaßnahmen handelt, die nun einmal sein müssen. Dem stimme ich zu, doch mit Kreativität, Zeit und Geduld braucht man Kindern gegenüber keine körperliche Gewalt anzuwenden — leider haben viele Eltern genau das nicht!

Die inneren Grenzen haben viel mit Bedürfnissen zu tun. Wurden meine Bedürfnisse als Kind nie gesehen und ernstgenommen, dann kenne ich sie selbst vielleicht gar nicht mehr und gehe ständig über meine eigenen inneren Grenzen hinaus — ich arbeite zu viel, ich schlafe zu wenig, ich überfordere mich, ich kann nicht nein sagen und so weiter. Bin ich als Mutter oder als Vater sowieso schon am Limit und will dann mein Kind auch noch, dass ich für seine Bedürfnisse da bin, dann kann das der berühmte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Viele Eltern machen ihre Kinder verantwortlich, wenn ihnen der Geduldsfaden reißt, ohne zu bemerken, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht kennen und ständig ihre eigene innere Grenze — die sie gar nicht wahrnehmen — übertreten.

Glaubenssätze werden meist unhinterfragt übernommen: Beim Essen hat man am Tisch zu sitzen; Kinder müssen sich unterordnen; es muss geregelte Essens- und Schlafenszeiten geben; die neuen Medien sind gefährlich; wenn Erwachsene sprechen, haben Kinder still zu sein und so weiter. Diese Glaubenssätze dienen dann dazu, Erziehung zu rechtfertigen.

Wem schadet es, wenn nicht gemeinsam am Tisch gegessen wird? Wem schadet es, wenn Kinder sich nicht unterordnen, sondern ein gemeinsamer Konsens gefunden werden kann? Wem schadet es, wenn dann gegessen wird, wenn auch der Hunger da ist oder dann geschlafen wird, wenn die Müdigkeit eintritt?

Essens- und Schlafstörungen können eine Folge sein, weil die inneren Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden, es feste Essenszeiten gibt, auch wenn der Hunger sich noch nicht eingestellt hat oder feste Schlafenszeiten, obwohl keine Müdigkeit empfunden wird.

Wer kein Gefühl für Hunger hat, weiß oftmals nicht, wie viel er essen soll und wann er satt ist. Wer nie seine Müdigkeit fühlen durfte, wird nie wissen, wann er schlafen möchte.

Eltern sollten sich fragen, weshalb sie diese oder auch andere Glaubenssätze haben und welche Bedürfnisse sich dahinter verbergen, die nicht ausgesprochen werden oder ihnen nicht einmal bewusst sind.

Kleine Kinder, sofern sie keine Essenstrainings oder Schlaftrainings machen mussten, haben ein sehr gutes Gefühl für ihre eigenen Grundbedürfnisse. Und sie haben, je älter sie werden, ein Gefühl für die eigene Autonomie!

Kinder sind die größten Kooperationsmeister

Die Wahrheit ist, dass die meisten Kinder sich unserer Erwachsenenwelt anpassen müssen — und nein, das war früher nicht besser, als viele Frauen noch nicht gearbeitet haben! Meine Mutter war zum Beispiel immer zuhause, dennoch waren ihre Bedürfnisse stets wichtiger als meine Bedürfnisse.

Heute werden schon ganz kleine Kinder in eine Kindertagesstätte gebracht, weil beide Elternteile arbeiten müssen. Das Kind muss früh ins Bett — ob es müde ist oder nicht, interessiert niemanden.

Morgens muss es dann geweckt werden. Es muss sich schnell anziehen lassen, es muss sich schnell wickeln lassen, er muss sich schnell die Zähne putzen lassen und, und, und. Wehrt sich das Kind, droht Ärger oder gar die Verletzung der körperlichen Integrität — das passiert im Stress sehr schnell!

Ist es endlich in der Kindertagesstätte, ist es viele Stunden mit Menschen zusammen, die es sich nicht selbst ausgesucht hat, denen es sich aber anpassen muss. Die meisten Kinder lassen das mit sich machen und protestieren vielleicht nur zu Anfang. Doch da ihr Protest eh keinen Erfolg hat, passen sie sich der Situation an, das heißt sie kooperieren.

Kinder kooperieren ständig, nur leider fällt das den meisten Eltern nicht auf. Sie nehmen es einfach als selbstverständlich hin, schließlich haben sie es als Kinder auch nicht anders gelernt.

Zu dieser sehr großen Kooperationsbereitschaft, die Kinder einfach haben müssen, kommen nun noch irgendwelche willkürlichen gesetzten Grenzen seitens der Eltern dazu — denn Kinder brauchen ja Grenzen!

Das Gute in meiner Kindheit war, dass ich viel draußen sein konnte — es gab kaum Autos und draußen fühlte ich mich auch freier als daheim. Auch das können viele Kinder heute nicht mehr: sie passen sich dem Tagesablauf der Eltern an, weil sie keine andere Wahl haben! Und auch zuhause passen sie sich an, weil die Eltern ihre Ruhe brauchen oder der Haushalt noch erledigt werden muss — von älteren Kindern wird dann erwartet, dass sie mithelfen, auch wenn sie keine Lust dazu haben.

Wir fordern von Kindern Respekt! Doch wo, bitte schön, bleibt unser Respekt gegenüber den Kindern?

Wir machen Kinder zu Objekten und wundern uns dann, wenn sie sich einfach mal nicht anpassen wollen, sondern streiken — morgens beim Aufstehen, beim Anziehen, beim Zähneputzen mal nicht kooperieren, sich diesem Druck verweigern.

Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt:

„Was passiert, wenn sich fünf Menschen zusammentun, die wirklich wissen, was sie wollen? Und sich dann auf den Weg machen, in einen co-kreativen Prozess und in einer individuellen Gemeinschaft loszulegen (…) vielleicht werden dann Träume wahr?“

Wir können diese Idee auch auf Familien übertragen, indem sie sich zusammensetzen — die Eltern mit ihren Kindern — und herausfinden, was sie als Familie gemeinsam wollen!

Funktionieren kann das nur, wenn alle wissen, was sie wollen und wenn sie wissen, wer sie sind.

Die Erziehung trägt mit dazu bei, dass wir nicht mehr wissen, was wir wollen und nicht mehr wissen, wer wir sind. Unser Wille wurde uns aberzogen, und unser Ich besteht aus lauter Zuschreibungen und Bewertungen, die wir erst von unseren Eltern, dann von unseren Erziehern und später von unseren Lehrern bekommen haben.

Ohne einen eigenen gesunden Willen und ohne ein eigenes gesundes Ich führen wir ein fremdbestimmtes Leben, in das wir unsere Kinder auch noch mit hinein nehmen.

Franz Ruppert, einer der führenden Psychotraumatologen Deutschlands, sagt zurecht, die meisten Menschen sind in ihrer Identität traumatisiert, sie wissen nicht, was sie wollen, und nicht, wer sie sind! Stattdessen identifizieren sie sich mit allem Möglichen, das kann der Verein sein, das kann der Beruf sein, das kann die Partei sein, das kann die Nation sein.

Meine tiefste Überzeugung ist: Wenn wir wüssten, was wir wollen, und wüssten, wer wir sind, dann kämen wir nicht auf die Idee, unsere Kinder erziehen zu müssen. Sie müssten nicht werden, weil sie schon sind.

Hören wir also auf, aus unseren Kindern mittels Erziehung etwas machen zu wollen. Sorgen wir dafür, dass ihre Lebendigkeit nicht kaputtgemacht wird, weder von uns noch von anderen Menschen.

Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Dank für den Tipp an den Rubikon, www.rubikon.news, wo dieser Artikel zuvor erschienen ist.

Quelle: https://hinter-den-schlagzeilen.de/das-trauma-der-erziehung

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1337127 2018-10-29T16:44:22Z 2018-10-29T16:44:22Z Rheinoper Duisburg/Düsseldorf in Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin: PETRUSCHKA Igor Strawinsk, L'ENFANT ET LES SORTILÈGES Maurice Ravel

Nach dem Erfolg mit der Zauberflöte die neue Inszenierung am 14.11.2019 in Duisburg


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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1336377 2018-10-27T08:37:59Z 2018-10-27T08:37:59Z Programmiertes Töten oder Morden?

Riesen-Umfrage über Moral bei selbstfahrenden Autos

Es ging um die Frage, wen man retten soll. Und da kam heraus, dass es drei fundamentale Dinge gibt, bei denen sich alle einig sind:

  1. Lieber Mensch als Tier retten
  2. Lieber Gruppe als Einzelnen retten
  3. Lieber Kinder als Alte retten

Nun stellt sich aber zusätzlich raus, dass die "eastern countries" (China, Indien, …) eher den Wert der Alten hochhalten gegenüber Kindern. Und das finde ich übrigens auch nicht so klar, wieso man Kinder gegenüber anderen priorisieren soll. Niemand will seine Kinder verlieren, klar, aber es will ja auch niemand seinen Partner oder seine Eltern verlieren.

Die andere spannende Erkenntnis war, dass Frankreich und französische Provinzen deutlich lieber Frauen als Männer retten würden. Das finde ich ja mal GANZ gruselig. Alle Abwägungen von Menschenleben sind mehr als gruselig, aber … WTF?

Fassen wir mal zusammen: Ein alter weißer Mann ist so gut wie tot, wenn wir selbstfahrende Autos haben. Wenn wir menschliche Moral auf selbstfahrende Autos übertragen, werden die Autos sie plattfahren, wenn sie glauben, dadurch eine Frau oder ein Kind retten zu können. Ich bin da befangen (*hust*), aber was ist denn das bitte für eine Welt, die wir da bauen!?!? Das geht ja überhaupt nur noch gruseliger, wenn man das mit einem Social Credit System wie in China koppelt und das Auto dann die aufrechten Bürger auf Parteilinie rettet und die Dissidenten plattfährt.

Update: Lasst uns das mal weiterspinnen. Continuity of Government-Gesetz sagt: Wichtige Politiker retten. Undenkbar? Autos von Mercedes retten immer den Mercedes-Vorstand?

Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=a52c1e89

(via Mr. Reader)

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1335587 2018-10-24T14:02:06Z 2018-10-24T14:02:06Z abrüsten statt aufrüsten | Aktionstage und dezentrale Demonstrationen 1.-4.11.2018

Newsletter 15 - Oktober 2018

1.-4.11.2018
bundesweit dezentrale Demonstrationen

Aufruf der Initiative „abrüsten statt aufrüsten“ zu bundesweiten dezentralen Demonstrationen am 1.-4.11.2018

Abrüsten statt aufrüsten – das ist das Gebot der Stunde

„Abrüsten statt aufrüsten – das ist das Gebot der Stunde“, so der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann zum Antikriegstag.

Und es stimmt: Schulen sind marode und Kitas fehlen überall, der soziale Wohnungsbau muss dringend ausgebaut werden, Krankenhäuser werden benötigt, dem öffentlichen Nahverkehr fehlen Gelder, die kommunale Infrastruktur verkommt, die Alterssicherung und die Pflege sind unterfinanziert, Geflüchtete benötigen Unterstützung, der ökologische Umbau stagniert, Finanzen für Klimagerechtigkeit sind nicht vorhanden und internationale Hilfe zur Selbsthilfe wird verweigert.

Aber: Geld für die Rüstung ist fast unbegrenzt vorhanden. Der Rüstungsetat 2019 soll um 11,4% steigen auf 42,4 Milliarden Euro, 60 Milliarden für Rüstung ist das nächste Ziel der Verteidigungsministerin, um dann den Etat - wie die „Stiftung Wissenschaft und Politik“ errechnete - bis zum Jahr 2024 weiter auf 85 Milliarden zu steigern.

Wir sagen nein.

Weiterlesen:https://abruesten.jetzt/2018/09/aufruf-der-initiative-abruesten-statt-aufruesten-zu-bundesweiten-dezentralen-demonstrationen-am-1-4-11-2018/

Bundesweite dezentrale Aktionen und Demonstrationen

Im Zusammenhang mit der 2. und 3. Lesung des Bundeshaushaltes – plus 12% für Rüstung
ruft “abrüsten statt aufrüsten“ auf:

Bundesweite dezentrale Demonstrationen in Städten, Dörfern und Gemeinden vom 1.11. bis 4.11.2018

Überall auf den Straßen der Republik – vielfältige Proteste gegen Hochrüstung – jetzt gemeinsam vorbereiten

Wir müssen wieder heraus mit unseren Forderungen auf die Straßen und Plätze dieses Landes. Frieden und Abrüstung muss wieder laut durch die Straßen klingen und von den Plätzen schallen. Lasst uns am Wochenende 1.-4. November 2018 überall in dieser Republik dezentral demonstrieren und auf die Straße gehen, je mehr Aktionen, je mehr Demonstrationen, umso besser.

Weiterlesen: https://abruesten.jetzt/2018/09/4-11-november-2018-bundesweite-dezentrale-aktionen-und-demonstrationen/
Aufruf des Bundesausschusses Friedensratschlag und der Kooperation für den Frieden

Aufruf des Bundesausschusses Friedensratschlag und der Kooperation für den Frieden zu dezentralen Protestaktionen und Demonstrationen vom 1.-4. November 2018: Für Abrüsten auf die Straße gehen ist das Gebot der Stunde

Der Bundesausschuss Friedensratschlag und die Kooperation für den Frieden rufen auf, aus Anlass der parlamentarischen Beratungen des Bundeshaushaltes 2019, am Wochenende des 1. bis 4. November 2018 aktiv zu werden für Abrüstung und sich an den dezentralen Aktionen und Demonstrationen im Rahmen der Initiative „abrüsten statt aufrüsten“ zu beteiligen.

Angesichts der geplanten Aufrüstung ist ein Engagement für Abrüstung dringend geboten:

Die zwei Prozent des Bruttosozialprodukts, die nach NATO-Beschluss der Rüstung geopfert werden sollen, sind mindestens weitere 30 Milliarden Euro, die im zivilen Bereich, bei Schulen und Kitas, sozialem Wohnungsbau, Krankenhäusern, öffentlichem Nahverkehr usw. fehlen.

Laut Angaben der Stiftung Wissenschaft und Politik wird der Etat der Bundeswehr um 11,9 Prozent auf 42,9 Milliarden Euro erhöht. Er soll in den kommenden Jahren bis auf 85 Milliarden Euro steigen. Dies wäre über 20% des Bundeshaushaltes. In den mitgelieferten Begründungen der Politik wird von einer Ausweitung und der Normalität grundgesetz- und völkerrechtswidriger Angriffskriege ausgegangen. Die Konfrontation gegen Russland wird vorangetrieben. Atomwaffen sollen nicht nur der Abschreckung, sondern bald auch möglichen gezielten Einsätzen dienen. Das Risiko von militärischen Einsätzen ist so groß wie seit Jahren nicht mehr.

Zugleich wird der Rechtsstaat demontiert, um den Widerstand gegen eine verfehlte Politik kriminalisieren zu können. Doch Probleme wie Kriege, Wirtschaftskrisen und Klimawandel sind Menschenwerk. Unser Widerstand gegen diese Politik ist dringend geboten. Wir stehen ein für Frieden und Abrüstung, internationale Verständigung, Demokratie, offene Grenzen für Flüchtlinge und soziale Gerechtigkeit sowie ökologischen Umbau. Jegliches Schüren von Ängsten weisen wir durch sachliche Information zurück.

Die auf über 100. 000 Menschen angewachsene Unterstützer*innenliste des Aufrufs „abrüsten statt aufrüsten" macht uns Mut!

Die Politik muss uns hören: Werdet aktiv für Frieden und Abrüstung, engagiert Euch, plant dezentrale Aktionen am Wochenende des 1. bis 4. November!

 

Weitere Informationen unter:

www.abruesten.jetzt

 

Die dezentralen Aktionstage wurden bei einer Aktionskonferenz der Initiative „Abrüsten statt Aufrüsten“ im Juni 2018 in Frankfurt beschlossen.

 

 

https://www.friedenskooperative.de/aktion/aktionstage-abrustung-november2018

Aktionstage: Orte und Termine im Überblick

Im Folgenden findest Du alle uns bisher bekannten Aktionen, die unter dem Appell "Abrüsten statt Aufrüsten" im Zeitraum vom 1.-4.11.2018 stattfinden, in chronologischer Reihenfolge.

Wenn ihr noch nicht dabei seid, überlegt und plant eine eigene Aktion. Noch ist es Zeit. Wir wollen zeigen, dass wir viele und überall in der Republik aktiv sind. Jede auch kleine Veranstaltung ist ein Zeichen des so notwendigen Protestes.

Deshalb überlegt, ob auch ihr noch aktiv werden könnt.

Bitte teilt uns mit, was ihr wo und wie plant. Die angegebenen Beispiele sind sicher nicht vollständig und können noch deutlich erweitert werden.

Deine Aktion kannst du im Terminkalender auf https://www.friedenskooperative.de/termine/eintragen selbstständig eintragen.


AACHEN

Samstag, 3.11.2018, 11.58 Uhr, Elisenbrunnen, Kaiser-Wilhelm-Platz 1, 52062 Aachen

Kontakt: Franz-Josef Surges, fjsurges@gmx.de

Satirische Aktion und Unterschriftensammlung der Unternehmensberatung "Mission for Victory" im Auftrag des Verteidigungsministeriums: "Aufrüstung statt Sozialklimbim" (Agit Prop) mit der Gruppe "Unbelehrbare für Frieden und Völkerverständigung" (am "Geldwäschebrunnen")

 

BERLIN

Berliner Friedenskooperation – Unterschriftensammlung und Abschlusskundgebung

Samstag, 3.11.2018, verschiedene Orte und Bundesministerium der Finanzen (BMF), Wilhelmstr. 97, 10117 Berlin

Kontakt: Berliner Friedenskoordination (FriKo), Laura von Wimmersperg, Hauptstr. 37, 10827 Berlin, Telefon: 030/7823382, Fax: 030/7823382, info@friko-berlin.de, http://www.frikoberlin.de/

In möglichst vielen Stadtteilen sollen am Samstagvormittag auf Marktplätzen, vor Einkaufszentren, an Bahnhöfen und Bushaltestellen Info-Stände, kleinere Kundgebungen oder andere Aktionsformen stattfinden, um zu informieren und weitere Unterschriften unter den Aufruf „Abrüsten statt Aufrüsten“ zu sammeln. Die dezentralen Aktionen werden in Eigenregie von den örtlichen Initiativen, Organisationen oder auch einzelnen Unterstützern durchgeführt.

Um 14 Uhr findet dann eine gemeinsame Kundgebung vor dem Bundesfinanzministerium statt.

 

BREMEN

Bremer Friedensforum – Mahnwache

Donnerstag, 1.11.2018 von 17 – 18 Uhr, Marktplatz Bremen, Marktstraße, 28195 Bremen

Kontakt: Bremer Friedensforum, Goetheplatz 4, 28203 Bremen, Telefon: 0421/3961892, 0173/4194320, info@bremerfriedensforum.de, https://www.bremerfriedensforum.de/

Mahnwache mit Unterschriften sammeln für "Abrüsten statt aufrüsten"

 

CASTROP-RAUXEL

Bündnis für den Frieden Castrop-Rauxel – Infostand

Samstag, 3.11.2018 ab 12.30 Uhr, Stadtbibliothek, Castrop-Rauxel, Im Ort 2, 44575 Castrop-Rauxel

Kontakt: Friedenskreis Castrop-Rauxel, Am Stadtgarten 29, 44575 Castrop-Rauxel, fjl@friedenskreis-castrop-rauxel.de, http://www.friedenskreis-castrop-rauxel.de/

Informationsstand "Abrüsten statt aufrüsten" mit Sammlung von Unterschriften unter den Appell und Infos zum aktuellen Stand der Bewegung

  

COBURG

B90/Die Grünen, Kreisverband Coburg-Stadt – Kundgebung

Freitag, 2.11.2018 um 17 Uhr, Innenstadt, 96450 Coburg (genauer Ort wird noch bekanntgegeben)

 

DUISBURG

Friedensforum Duisburg

Samstag, 3.11.2018, 11-14 Uhr, Innenstadt Life-Saver-Brunnen, Königstr., 47051 Duisburg

Kontakt: Friedensforum Duisburg, Steinstr. 12, 47198 Duisburg, juergen.hagenguth@gmx.de, friedensforum-duisburg.de

Kundgebung „Abrüsten statt Aufrüsten! Geld ist genug da – es wird nur falsch verteilt!“

 

DÜLMEN

Friedensfreunde Dülmen – Infostand

Freitag, 2.11.2018, Markt, Dülmen

Infostand "Abrüsten statt Aufrüsten"  mit Unterschriftensammlung und Infos zum Thema (Uhrzeit wird noch bekannt gegeben)

Kontakt: Friedensfreunde Dülmen, 48249 Dülmen, friedensfreundeduelmen@gmail.com, friedensfreundeduelmen.eu

 

DÜREN

(neu gegründete) Friedens-Gruppe Düren - Aktion "Abrüsten statt ausrüsten"

Samstag, 3.11.2018, Innenstadt Düren, 52349 Düren

ESSEN

Essener Friedensforum / Arbeitsgruppe Rüttenscheid - Infostand

Samstag, 3.11.2018, 11 Uhr, Rüttenscheider Stern, Rüttenscheider Str. 62-64, 45130 Essen

Kontakt: Essener Friedensforum/AG Rüttenscheid, c/o Ullrich Indersmitten, fi-ruettenscheid@web.de

Infostand zur Aktion "Abrüsten statt Aufrüsten" in Essen mit Unterschriftensammlung und Aktion


EUTIN


Aktionen der Friedensbewegung zur Fortführung der Kampagne „Abrüsten statt Aufrüsten!“ gemeinsam mit ver.di und dem DGB


FRANKFURT

Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V. – Demonstration

Samstag, 3.11.2018 um 11.55 Uhr, Willy-Brandt-Platz, 60547 Frankfurt

www.frieden-und-zukunft.de

Kundgebungen vor den Geschäftsstellen von CDU und SPD

Aus Anlass der parlamentarischen Beratungen des Bundeshaushaltes 2019 wollen wir Aktionen für die Unterstützung unserer Kampagne durchführen. Wir laden alle dazu ein die wissen, der Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.

 

Ordensleute für den Frieden - Mahnwache

Donnerstag, 1.11.2018 von 14 – 16 Uhr, Deutsche Bank, Zentrale, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt

https://www.facebook.com/Ordensleute

(monatliche) Mahnwache der "Ordensleute für den Frieden", November-Mahnwache unter dem Motto: "Krieg braucht Kapital - Kapital braucht Krieg"

 

FÜRTH

Fürther Friedensforum - Mahnwache

Freitag, 2.11.2018, ab 17 Uhr, Dreiherrenbrunnen (Innenstadt)

Mahnwache und Aktion mit Unterschriftensammlung

 

HAMBURG

DGB Hamburg - Kundgebung und Unterschriftensammlung

Samstag, 3.11.2018 um 14 Uhr, Spritzenplatz, 22765 Hamburg

Kontakt: Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung, Lange Reihe 101, 20099 Hamburg, Telefon: 040/41924700, hamburger-forum@hamburg.de, hamburgerforum.org

Es sprechen:

Reiner Braun, Kooperation für den Frieden

Falko Lehmann, IG Metall Hamburg

Sönke Wandschneider, Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung


Aufstehen Hamburg – Demonstration und Kundgebung

Samstag, 3.11.2018, 13 Uhr, Platz der Republik (vor dem Altonaer Museum - Museumstr. 23, 22765 Hamburg)

Demonstration und Kundgebung "Würde statt Waffen"

  • Kundgebung mit Gastredner Reiner Braun (Kooperation für den Frieden, Co-Sprecher International Peace Bureau) und Aktive "Aufstehen Hamburg".
  • Demonstration über die Fußgängerzone "Neue Große Bergstraße" zur Ottenser Hauptstraße.
  • Ab 14:30 Uhr Unterstützung der Unterschriftensammlung "Abrüsten statt Aufrüsten" am Spritzenplatz

Kontakt: hamburg@aufstehen.de


Marxistische Abendschule – Vortrag

Mittwoch, 14.11.2018 um 19 Uhr, Curiohaus, Rothenbaumchaussee 15, Hamburg

www.marxistische-abendschule.de

ALLE GEGEN ALLE

Die aktuellen Konflikte zwischen den großen Mächten und die Kriegsgefahr

Jörg Kronauer

 

HANAU

Hanauer Friedensplattform – Infostand

Samstag, 3.11.2018 von 10 bis 13 Uhr, Marktplatz, Ecke Hammer-/Krämerstraße, Hanau

Der nächste Infostand der Friedensplattform in der Hanauer Innenstadt wartet am Samstag, 3. 11. auf Interessierte. Dabei wird die Unterschriftensammlung für die bundesweite Kampagne "abrüsten statt aufrüsten" fortgesetzt. Bisher gibt es weit über 100.000 Unterzeichner*innen.


KIEL

Kieler Friedensforum – Demonstration

Samstag, 3.11.2018 um 14.30 Uhr, Platz der Matrosen, Kiel

Kontakt: Kieler Friedensforum, c/o Benno Stahn, An den Birken 18, 24111 Kiel, Telefon: 0431/690167, b.stahn@kieler-friedensforum.de, http://www.kieler-friedensforum.de/

Auch im hohen Norden wird es Anfang November antimilitaristische Aktionen geben, die zur Fortsetzung der Kampagne „Abrüsten statt Aufrüsten!“ genutzt werden. Zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution in Kiel führt das Kieler Friedensforum im Bündnis mit vielen anderen Organisationen eine Demonstration zum Gedenken an den Kieler Matrosenaufstand „für eine Welt ohne Krieg, Militär, Ausbeutung und Ausgrenzung“ durch.

Motto: 3. November 1918 – Schluss mit dem Krieg! 3. November 2018 – Stoppt die Kriegsvorbereitungen!


KÖLN

Kölner Friedensforum - Mahnwache

Freitag, 2.11.2018 von 14 – 17 Uhr und Samstag, 3.11.2018 von 11 -15 Uhr, Bahnhofsvorplatz, Trankgasse 11, 50667 Köln

Kontakt: Kölner Friedensforum, Obenmarspforten 9-11, 50676 Köln, Telefon: 0221/9521945, koelner-friedensforum@web.de, http://koelnerfriedensforum.org/

Aktion "Abrüsten statt Aufrüsten" in Köln mit Reden, Musik, Kunst, Theater, Information, Unterschriftensammlung …

 

LEIPZIG

„Abrüsten statt Aufrüsten“ – Demonstration und Kundgebung

Samstag, 3.11.2018 um 11:58 Uhr, Augustusplatz, 04109 Leipzig

Kontakt: leipzig-gegen-krieg.de

Im Rahmen der bundesweiten dezentralen Aktionstage wird es auch in der Leipziger Innenstadt eine Demonstration unter dem Motto der Kampagne geben.

Kurz vor 12 Uhr beginnt die Demonstration mit einer Kundgebung auf dem Augustusplatz. Es wird mehrere kulturelle, sowie politisch inhaltliche Redebeiträge geben.

Die Demonstration wird zugleich die erste öffentliche Aktion der sich bildenden Sammlungsbewegung "Aufstehen" in Leipzig sein.

 

LÜBECK

Aktionen der Friedensbewegung zur Fortführung der Kampagne „Abrüsten statt Aufrüsten!“ gemeinsam mit ver.di und dem DGB


MAGDEBURG

Stadtbibliothek Magdeburg in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung und Vitopia eG. - Vo
rtrag und Diskussion

Freitag, 2.11.2018, 19:30 Uhr, Stadtbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109, 39104 Magdeburg
https://www.magdeburg-stadtbibliothek.de/

Vortrag und Diskussion "Aufrüstung für den Frieden?" mit Jürgen Grässlin (Sprecher der Kampagne »Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!«, Bundessprecher der DFG-VK, Sprecher der Kritischen AktionärInnen Daimler (KAD) und Vorsitzender des RüstungsInformationsBüros)

 

MÜNCHEN

Münchner Friedensbündnis – Mahnwache

Samstag, 3.11.2018 von 11 – 13 Uhr, Sendlinger Str. (zwischen Haus Nr. 3 und 7), Sendlinger Str. 3, 80336 München

Mahnwache "Kriege beenden - Abrüsten statt Aufrüsten"

MÜNSTER

Friedenskooperative Münster + Arbeit und Leben + DGB Münster - Vortrag und Diskussion

Samstag, 3.11.2018, 18 - 20 Uhr, Café Weltbühne, Ev. Studierendengemeinde (ESG), Breul 43, 48143 Münster 

Kontakt: Friedenskooperative Münster, Münster, Telefon: 0251/6090905, https://de-de.facebook.com/friedenskooperative.muenster

Vortrag und Diskussion "30 Milliarden mehr fürs Militär? Das ist Wahnsinn!" - anlässlich der Bundestagsentscheidung im November die Rüstungsausgaben zu verdoppeln - mit Andreas Zumach (Journalist, Genf)

NEUMÜNSTER

Aktionen der Friedensbewegung zur Fortführung der Kampagne „Abrüsten statt Aufrüsten!“ gemeinsam mit ver.di und dem DGB 

NÜRNBERG

Nürnberger Friedensforum – Unterschriftensammlung und Aktion

Mittwoch, 31.10.2018 um 14 Uhr, Lorenzkirche, Lorenzer Platz 1, 90402 Nürnberg

http://www.friedensforum-nuernberg.de/

 

PINNEBERG

Berliner Compagnie – Theaterstück

Mittwoch, 7.11.2018 um 19.30 Uhr, Christuskirche, Bahnhofstr. 2 , Pinneberg

www.BerlinerComagnie.de

In der Pinneberger Christuskirche lässt das dortige Friedensnetzwerk das Antikriegsstück „Das Bild vom Feind. Wie Kriege entstehen“ der „Berliner Compagnie“ aufführen, in dem der „Ukrainekonflikt“ bearbeitet wird.

 
POTSDAM

Friedenskoordination Potsdam – Gedenkkundgebung

Samstag, 10.11.2018, Karl-Liebknecht-Forum, Potsdam

Gedenkkundgebung zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution (wir feiern also nach) unter Liebknechts Losung „Nieder mit dem Krieg!"

Wir wollen diese Gedenkkundgebung unter Liebknechts Losung „Nieder mit dem Krieg!" nicht einfach nur als Gedenkveranstaltung sehen, sondern gleichzeitig den Bogen zu heute ziehen. Deswegen wollen wir mit der Kundgebung auch einen Beitrag zu „Abrüsten statt Aufrüsten!" beitragen und uns damit an den geplanten dezentralen Aktionen in den einzelnen Städten beteiligen.


SAARBRÜCKEN

FriedensNetz Saar für Abrüstung - Infostand

Samstag, 3.11.2018, 11 Uhr, St. Johanner Mark, 66111 Saarbrücken

Kontakt:FriedensNetz Saar, Waltraud Andruet, Bilsdorferstr. 28, 66793 Saarwellingen, waltraud_andruet@t-online.de, friedensnetzsaarblog.wordpress.com

Aktionstag "Abrüsten statt Aufrüsten" in Saarbrücken mit Unterschriftensammlung und Aktionen


SCHRAMBERG

Pax Christi Gruppe Schramberg – Mahnwache

Samstag, 17.11.2018 von 10 – 12 Uhr, Rathausplatz, 78713 Schramberg

Aktion gegen die Erhöhung im Rüstungshaushalt


SIEGEN

Aktionsbündnis Friedensbewegung Südwestfalen, Gustav-Heinemann-Friedensgesellschaft

Mittwoch, 7. November 2018, 19.30 Uhr, Martini-Kirche (Grabenstraße 27), 57072 Siegen

Veranstaltung mit Henrik Paulitz (Akademie Bergstraße) mit dem Titel:

Anleitung gegen den Krieg- Kriegsmacht Deutschland?

 

Neue Zeitung und Aktionsmaterial
Pünktlich zu den kommenden Aktionstagen vom 1.-4.11.2018 wird es eine neue Info-Zeitung geben. Die Zeitung könnt ihr zum Verteilen für die Aktionstage und dezentralen Demonstrationen benutzen.

Ihr findet darin den Aufruf unserer Initiative "abrüsten statt aufrüsten" mit den Namen der Erstunterzeichner*innen, sowie kurze Statements von Testimonials, die unseren Aufruf unterstützen. Zudem gibt es einen Text von Peter Brandt mit dem Titel "Keine weitere Aufrüstung" und unseren Aufruf zu den Aktionstagen.

Sobald die Zeitung erschienen ist, könnt ihr sie per Mail an info@abruesten.jetzt oder im Online-Shop des Netzwerk Friedenskooperative bestellen:

https://www.friedenskooperative.de/shop/zeitung-abruesten-statt-aufruesten

Für die Aktionstage könnt ihr zudem Aktionssets (Plakate, Aufkleber etc.) in verschiedenen Größen bestellen und für eure Aktionen verwenden. Ihr findet sie unter https://www.friedenskooperative.de/shop/aktionsboxen-fuer-abruestung-s-m-l-xl

Statt Aufrüstung - Frieden sponsern
Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,
liebe Kollegin, lieber Kollege,

die drohende weitere Aufrüstung bahnt sich bei den nächsten Haushaltsberatungen an. Die NATO Vorgabe, dass in den nächsten Jahren 2% des Bruttosozialproduktes unseres Landes für Militär und Rüstung ausgegeben werden sollen, wird von der Bundesregierung von Jahr zu Jahr mehr realisiert. 75 Milliarden oder 20% des Bundeshaushaltes für Waffen und Rüstung bedeuten immer weniger für Soziales, für Bildung, Wissenschaft und Umwelt. Wir wollen uns mit dem Aufruf "abrüsten statt aufrüsten" dem entgegenstellen und eine Wende zu mehr sozialer Gerechtigkeit durchsetzen. Dazu brauchen wir viel örtliche und regionale Unterstützung, wir brauchen die Aktiven vor Ort aber auch finanzielle Unterstützung.

Die Zeitung, die Webseite, kleine Anzeigen, Veranstaltungen, das Erstellen von Informationsmaterial - alles kostet Geld. Wir freuen uns über jede - auch noch so kleine - Spende. Bitte helft mit, unseren Aufruf zu einem mobilisierenden Beitrag für Frieden und Entspannung in kriegerischen Zeiten zu entwickeln. Helft mit, damit unser Aufruf dazu beitragen kann, die Weichen endlich in Richtung Abrüstung umzustellen.

Bitte spendet auf das Konto:

Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V.
IBAN: DE20 5005 0201 0200 0813 90
BIC: HELADEF1822
Stichwort: Abrüsten jetzt
(Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.)
Unterschriften zurückschicken
Vielen Dank an die fleißigen Sammler*innen!

Wir bitten euch die Offline-Unterschriften nicht zu bunkern sondern umgehend zurückzusenden an das Netzwerk Friedenskooperative oder die Friedens- und Zukunftswerkstatt, damit wir einen Überblick über den aktuellen Stand der Unterschriften behalten und über neue Erfolge informieren können. Danke!
Jetzt "abrüsten statt aufrüsten" unterschreiben (falls noch nicht geschehen)

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1335532 2018-10-24T10:00:29Z 2018-10-24T10:00:29Z BEI?? UNTER!!

Wenn Sie wissen wollen, warum die SPD auch noch bei 5 % ankommen kann, lesen Sie diesen Artikel zu den NATO-Manövern

Hier verteidigt der Sicherheits- und Verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Fritz Felgentreu die morgen beginnenden Manöver der NATO in Norwegen. Argumente und Sprache sind aufschlussreich. Das ist ein Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges. Hantiert wird mit militärischer Abschreckung statt mit Vertrauensbildung. Keinerlei Differenzierung auch bei der Bewertung des Konflikts Russlands mit der Ukraine und der Abstimmung auf der Krim. „Annexion“ – das ist es. Albrecht Müller.

Lesen Sie zum Einstieg den letzten Absatz des Artikels im vorwärts:

„Die Kritik, das Manöver richte sich einseitig gegen Russland, greift zu kurz. Seit Bestehen der NATO hat es immer große Manöver gegeben – weil sie für den Erhalt der Fähigkeit zur Bündnisverteidigung zwingend notwendig sind. In den Jahren der sogenannten „Friedensdividende“ glaubte man, darauf verzichten zu können. Logistische Fähigkeiten wurden vernachlässigt, die Streitkräfte der Mitgliedsländer reduziert. Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim kann sich die NATO das nicht mehr leisten. Sie benötigt jetzt auch wieder Panzer, Geschütze und Transportmöglichkeiten. Verglichen mit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind die Zahlen allerdings nach wie vor überschaubar. Und der Umfang von „Trident Juncture“ relativiert sich deutlich, wenn wir es mit dem letzten russischen Großmanöver „Wostok“ aus dem August und September dieses Jahres vergleichen: Dort waren über 200.000 Soldatinnen und Soldaten aus Russland, China und der Mongolei am Start.“

Typisch, wie hier die Geschichte verkürzt erzählt wird: Sie beginnt mit der „Annexion der Krim“. Was vorher war, die Ausdehnung der NATO bis an die russische Grenze, der Putsch in der Ukraine und die Kriege des Westens von Afrika bis Afghanistan werden einfach geschlabbert.

Wenn man wie ich Anfang der Siebzigerjahre zur Absicherung der Entspannungspolitik durch die Wählerinnen und Wähler beigetragen hat, dann kann man sich über diese Selbstmordstrategie angeblicher Sozialdemokraten nur wundern. Der in der Bundestagsfraktion der SPD Zuständige – ein Altphilologe aus Berlin – ist da angekommen, wo die Junge Union in den fünfziger Jahren stand: Beim Militär, bei der Abschreckung, beim Konfrontationsaufbau. Für die hessische SPD ist das alles andere als Wahlkampfhilfe.

Hier ist der gesamte Artikel, übernommen vom vorwärts:

Größte Militär-Übung seit Jahren
Warum das NATO-Manöver „Trident Juncture“ zwingend nötig ist

Fritz Felgentreu • 23. Oktober 2018

Das Manöver ist auch ein Prüfstein für die Bundeswehr: Leopard-2-Panzer stehen nach ihrer Verschiffung für das NATO-Manöver “Trident Juncture” nach Norwegen auf dem Hafengelände von Fredrikstad.

Die Bündnisverteidigung der NATO bleibt eine leere Hülle, wenn sie nicht in der Praxis geübt wird. Die aktuelle Großübung ist auch eine Reaktion auf die russische Annexion der Krim. Mit rund 40.000 Soldaten bleibt sie weit zurück hinter dem letzten russischen Manöver mit über 200.000 Soldaten.

Am 25. Oktober beginnt das NATO-Manöver „Trident Juncture“ in Norwegen. Zusammen mit allen NATO-Ländern sowie Schweden und Finnland findet in den nächsten Wochen die größte NATO-Übung seit 2002 statt, mit insgesamt rund 40.000 Soldaten. Die Bundeswehr ist dabei mit insgesamt rund 8.800 Soldaten nach den USA der zweitgrößte Truppensteller. Durch die aufwändige Verlegung von Menschen und Gerät wird diese Großübung sicherlich auch eine der in letzter Zeit teuersten werden. Das Bundesverteidigungsministerium hat die Kosten mit 90 Millionen Euro beziffert, allein für Deutschland. Doch dieses Geld ist gut angelegt. Denn die Bündnisverteidigung, das Herz der NATO, bleibt eine leere Hülle, wenn Einsätze von großen Verbänden aus allen Mitgliedsländern des Bündnisses nicht auch ab und zu geübt werden.

Test für Einsatzbereitschaft der Bundeswehr

Schon seit September wurden über 4.000 Fahrzeuge und 750 Container von Deutschland aus nach Skandinavien verlegt. Geübt werden die schnelle Reaktion auf Krisen, die einen militärischen Einsatz erforderlich machen, die strategische Mobilität und die gemeinsame Operationalität. Und das zu Wasser, auf dem Land und in der Luft. 10.000 Fahrzeuge, 130 Flugzeuge und 70 Schiffe aus insgesamt 31 Nationen zusammenzubringen erfordert einen enormen logistischen Aufwand. Wir Verteidigungsfachleute der Fraktion werden uns nach dem Manöver über die Erkenntnisse daraus unterrichten lassen, vor allem, was die Einsatzbereitschaft der deutschen Kräfte und ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit den Verbündeten betrifft. Die Übung ist also auch ein Prüfstein für den Zustand der Bundeswehr.

Für die deutschen Streitkräfte ist die Teilnahme von besonderer Bedeutung. Denn die NATO-Speerspitze, die sogenannte Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), eine Brigade unter deutscher Führung, hat einen herausragenden Platz bei diesem Großmanöver. Im nächsten Jahr übernimmt Deutschland zum ersten Mal für ein Jahr die Führung der VJTF. Die schnelle Eingreiftruppe war 2014 von der NATO als Reaktion auf die russische Annexion der Krim gegründet worden. Damals gab es insbesondere unter den osteuropäischen Mitgliedsländern große Befürchtungen, ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie dieser Teil der Ukraine. Diese Befürchtungen sind nicht geringer geworden, was auch an der Teilnahme von Schweden bei „Trident Juncture“ zu sehen ist.

Große Herausforderung für deutsche Streitkräfte

Die Führung der VJTF 2019 stellt die Bundeswehr vor große Herausforderungen: Nach jahrzehntelangem Sparen und zwei misslungenen Reformen der Minister Guttenberg und de Maizière fehlt es den Streitkräften an allem, an Ausrüstung, Personal und Material. Allein für die Übung in diesem Jahr muss sich die Bundeswehr von 24 Verbänden aus ganz Deutschland Personal und Gerät zusammenklauben. In der Vorbereitung und vor allem während des Manövers lässt sich exemplarisch feststellen, wo es Schwierigkeiten im Zusammenwirken der deutschen Truppenteile gibt und wo gegebenenfalls noch nachgesteuert werden muss. All das lässt sich bei „Trident Juncture“ beobachten.

Die Kritik, das Manöver richte sich einseitig gegen Russland, greift zu kurz. Seit Bestehen der NATO hat es immer große Manöver gegeben – weil sie für den Erhalt der Fähigkeit zur Bündnisverteidigung zwingend notwendig sind. In den Jahren der sogenannten „Friedensdividende“ glaubte man, darauf verzichten zu können. Logistische Fähigkeiten wurden vernachlässigt, die Streitkräfte der Mitgliedsländer reduziert. Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim kann sich die NATO das nicht mehr leisten. Sie benötigt jetzt auch wieder Panzer, Geschütze und Transportmöglichkeiten. Verglichen mit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind die Zahlen allerdings nach wie vor überschaubar. Und der Umfang von „Trident Juncture“ relativiert sich deutlich, wenn wir es mit dem letzten russischen Großmanöver „Wostok“ aus dem August und September dieses Jahres vergleichen: Dort waren über 200.000 Soldatinnen und Soldaten aus Russland, China und der Mongolei am Start.

Nachtrag Albrecht Müller:

Ich verweise noch auf drei neuerliche einschlägige Texte in den NachDenkSeiten:

  1. 2. Oktober 2018 um 12:04 Uhr | Verantwortlich: Albrecht Müller
    Tödlicher Wandel durch Konfrontation – Was uns vermutlich ins Haus steht
  2. 1. Oktober 2018 um 10:21 Uhr | Verantwortlich: Redaktion
    Karin Leukefeld analysiert einen Grundsatzartikel des SPD-Außenpolitik-Experten Mützenich zu Syrien
  3. 22. September 2018 um 13:33 Uhr | Verantwortlich: Albrecht Müller
    Wir sind dem Feindbildaufbau und der Kriegsvorbereitung schutzlos ausgeliefert
Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=46676

(via Mr. Reader)
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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1335189 2018-10-23T13:20:07Z 2018-10-23T13:23:54Z Logisch.

Gesellschaftliche Fehlentwicklungen werden durch Korrektur der Gesetze „geheilt“. 

Siehe auch Steuerrecht, Stiftungsrecht, Polizeirecht, Grundgesetz...

CDU will Gesetze dem Diesel-Betrug anpassen

In der verzweifelten Suche nach Unterstützung beim Wahlvolk will die Bundeskanzlerin Fahrverbote erschweren. Doch vermutlich treibt sie damit die Wähler nur anderen zu

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treibt ein wenig Wahlkampf für die Grünen. Wie tageschau.de berichtet, forderte sie nach einer Sitzung der Leitungsgremien ihrer Partei, dass das Verhängen von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge erschwert werde. Bei geringen Überschreitungen sieht sie dies als unverhältnismäßig an. Offen bleibt allerdings, was "geringe Überschreitung" bedeutet.

Zwar schob die Kanzlerin schnell hinterher, dass sie "an der Seite der Autobesitzer" stehe, diese keinen Schaden haben sollen und die Verantwortung für den Dieselbetrug bei den Autokonzernen liege. Doch die Botschaft ist fatal: Die fortgesetzte und mit viel krimineller Energie betriebene Mogelei der Hersteller wird einerseits, wenn überhaupt, nur mit lächerlichen Strafen geahndet.

Die Bundesregierung kümmert sich nicht einmal richtig darum, dass die Unternehmen für den bei den Käufern angerichteten Schaden aufkommen müssen. Andererseits werden die Gesetze hingebogen, so dass sie eben zu den Betrugsfolgen passen.

Ob die CDU ernsthaft glaubt, dass ihr das am Sonntag in Hessen Stimmen verschaffen wird? Wer eine solches Verhältnis zum Rechtsstaat hat, wird doch wahrscheinlich lieber gleich die AfD wählen, die sowieso gegen Fahrverbote und Abgasnormen, gegen Solar- und Windenergie ist und die Kohle- und Atomkraftwerke länger laufen lassen möchte; deren Anhänger es o.k. finden, wenn Brandsätze auf Flüchtlingsheime geworfen und Menschenjagden in den Städten veranstaltet werden.

Zur Erinnerung: Die Abgasnormen für Straßenfahrzeuge und die Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub, die in zahlreichen deutschen Städten überschritten werden, wurden zum Schutz der Gesundheit insbesondere von Kindern und älteren Personen eingeführt. Es geht um Belastungen, denen an den viel befahrenen Straßen lebende Bevölkerungsgruppen – meist weniger gut verdienende Menschen, die nicht gerade in SUVs durch die Gegend fahren und seltener zu dem Stammwählern der Union gehören – rund um die Uhr ausgesetzt sind.

Nach einer Studie der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen waren in denJahren 2013 bis 2015 16 bis 20 Prozent der städtischen Bevölkerung in den 28 EU-Mitgliedsländern Feinstaubbelastungen (PM10) ausgesetzt, die über den EU-Normen liegen. Beim Stickstoffdioxid waren es sieben bis neun Prozent.

Nach Schätzung der Agentur war dieser Luftschadstoff 2014 in 41 europäischen Ländern für 78.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Noch größer sind die durch den besonders kleinen Feinstaub (PM2,5) verursachten Todeszahlen. Hier waren es im gleichen Jahr geschätzte 428.000 Todesfälle in 41 Ländern.

Der Straßenverkehr ist für die genannten Schadstoffgruppen eine der wichtigsten Quellen. Doch neben den konkreten Gesundheitsgefahren trägt er auch erheblich zum Klimawandel bei. In Deutschland kommen inzwischen wieder rund 19 Prozent der Treibhausgase aus dem Verkehrssektor, das heißt, ganz überwiegend aus dem Straßenverkehr. Seine Treibhausgasemissionen sind heute wieder höher als 1990.

Alle Selbstverpflichtungen, hinter denen sich die Industrie jahrzehntelang verstecken konnte, haben wenig gefruchtet. Auch die windelweichen Vorgaben, die schließlich vom Gesetzgeber in Brüssel und Berlin gemacht wurden, wurden nicht eingehalten.

Wer sich über die Schadstoffbelastung in seiner Nachbarschaft informieren will, kann hier und hier nach der nächstgelegenen Messstation suchen.

Quelle: https://www.heise.de/tp/news/CDU-will-Gesetze-dem-Diesel-Betrug-anpassen-4198437.html?wt_mc=rss.tp.beitrag.atom

(via Mr. Reader)
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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1335067 2018-10-23T08:42:21Z 2018-10-23T08:42:22Z Gordo, Xanten


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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1334233 2018-10-20T15:49:16Z 2018-10-20T15:49:16Z Udo!

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1333534 2018-10-18T11:22:55Z 2018-10-18T11:22:56Z Abrüsten jetzt!

Zum Aufruf

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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1333292 2018-10-17T17:23:43Z 2018-10-17T17:23:44Z Heute: Abgrillen - und beim Bäcker gibt‘s schon Weckmänner ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1332632 2018-10-15T19:04:18Z 2018-10-15T19:04:18Z Call for Participation: re:publica sucht Einreichungen für das kommende Programm

Re:publica 2018 mit Smartphone-Licht CC-BY 4.0 Gregor Fischer/re:publica

Die 13. re:publica findet kommendes Jahr vom 6. bis 8. Mai in der Station in Berlin statt. Für die Programm(mit)gestaltung wurde heute der Call for Participation gestartet. Traditionell wird ein großer Teil des umfangreichen re:publica-Programms durch Einreichungen der Community mitgestaltet.

Die Deadline ist dieses Mal früher als in den Vorjahren: Bis zum 16. Dezember 2018 können Vorschläge für Vorträge, Workshops, Meet-ups und sonstige Programminhalte eingereicht werden. Das Motto der kommenden re:publica ist tl;dr, das steht für „too long; didn’t read“. Mehr zum Motto findet sich hier.

Die re:publica reflektiert Engagement, Verantwortung und Emanzipation in der digitalen Gesellschaft. Ihr könnt für jede Menge Tracks und Topics Eure Beiträge einreichen. Zu unseren übergreifenden Tracks gehören „Politics & Society“, „Art & Culture“, „Science & Technology“, „Lifestyle & Leisure“ und „Mobility & City“ und noch einige mehr. Besonders freuen wir uns, wenn Ihr Euch von dem Motto der re:publica 2019 inspirieren lasst: „tl;dr (too long; didn’t read)“. Damit widmet sich das Festival dem Kleingedruckten. Den Fußnoten. Der Kraft der Recherche, dem Wissen und der Kontroverse.

Offenlegung: Ich bin einer der Gründer der re:publica und schaue mir traditionell auch alle Programm-Einreichungen an.


Hilf mit! Mit Deiner finanziellen Hilfe unterstützt Du unabhängigen Journalismus.

Quelle: https://netzpolitik.org/2018/call-for-participation-republica-sucht-einreichungen-fuer-das-kommende-programm/

(via Mr. Reader)
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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1332553 2018-10-15T15:02:46Z 2018-10-15T15:02:47Z Nach Wahldesaster in Bayern: SPD verspricht schonungslose Ausreden

Berlin, München (dpo) - Nach dem schlechtesten Landtagswahlergebnis aller Zeiten (9,7%) zieht die SPD ernste Konsequenzen. Parteichefin Nahles versprach am Wahlabend schonungslose Ausreden und eine echte Kursbeibehaltung.

"Dieses Ergebnis ist sehr bitter für uns" so Nahles im Willy-Brandt-Haus in Berlin. "Wir werden jetzt schonungslos alle Fehler identifizieren und uns dann überlegen, wie wir am besten ohne echten Kurswechsel oder Personalveränderungen durchkommen."
Zudem kündigte sie an, erneut eine Erneuerung der SPD anzukündigen, weil die Ankündigung einer Erneuerung deutlich einfacher ist, als eine Erneuerung auch durchzuführen.
Die Gründe für das historisch schlechte Ergebnis sieht die SPD-Vorsitzende durchaus in der Bundespolitik. "Das war natürlich nicht gut, dass die Kanzlerin und auch Horst Seehofer es zugelassen haben, dass die SPD in den letzten Wochen und Monaten einfach vor ihnen eingeknickt. Das muss man an der Stelle auch mal klar benennen."
Auf die Frage hin, ob sie auch persönlich Fehler gemacht habe, zeigte Nahles plötzlich nach oben und rief entgeistert: "Da! Ein fliegender Elch!" Als die anwesenden Journalisten feststellten, dass ein solches Tier nicht im Raum war und wieder zurück zur Parteivorsitzenden der SPD blickten, war diese spurlos verschwunden.
dan, ssi

Quelle: http://www.der-postillon.com/2018/10/bayern-spd.html

(via Mr. Reader)
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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1332246 2018-10-15T11:21:34Z 2018-10-15T11:21:35Z Die „Eine Menschheit“

14. Oktober 2018  Peter Bürger

Bild: Peter Bürger

Über die Geschichte eines "Ideals" und seine Bedeutung für einen neuen Internationalismus, der das Leben liebt

Vorbemerkung: 

"Internationalismus" ist für die Linke kein beliebiges, sondern ein zwingend notwendiges Erkennungsmerkmal. Wo er fehlt, ist keine Linke anzutreffen, ganz gleich was auf den Bannern stehen mag. Mehr denn je kann als "Linke" heute nur jener Bewegungsstrom gelten, der im gleichen Atemzug Partei ergreift mit und für den verachteten Menschen in der Nähe und an allen Orten des Erdkreises. Im nachfolgenden Beitrag geht es jedoch nicht nur darum, an die internationalistische Identität und Praxis zu erinnern. Zur Sprache kommen soll nichts weniger als der Weg einer visionären Linken, die den im politischen Kasperletheater verdrängten zivilisatorischen Ernstfall wirksam zu vermitteln versucht und radikal Partei ergreift für die Gattung Mensch. Die von mir im Schlussteil eingebrachte Losung lautet: Aufstehen für eine glückliche Jugend des homo sapiens.

Eine Internationale der "Verdammten dieser Erde" sollte seit Mitte des 19. Jahrhunderts leitende Perspektive und Erkennungsmelodie der Linken sein. Sie wurde alsbald verraten durch die Exkommunikation von Weggefährten, die jegliche Herrschaft von Menschen über Menschen ablehnten. Sie wurde verraten durch Arbeiterparteien, die sich zu Beginn des nachfolgenden Jahrhunderts dem Fetisch "Nation" und der Kriegsmaschine unterwarfen.

Sie wurde verraten von den "Stalinisten" aller Schattierungen, die von einem "Nationalcharakter" faselten, den Kosmopolitismus - im Verein mit dem Postulat universeller Menschenrechte - als bürgerliche Attitüde (oder "jüdische Erfindung") abtaten und schließlich den sozialistischen Ruf zur Freiheit mit Panzergetöse überrollten.

Das Elend des "nationalen Sozialdemokratismus"

Eine Linke, die den Eros der Freiheit verrät, kann die Heiligsprechung eines unbeschränkten "Rechts auf Privateigentum und Reichtumsvermehrung" nicht mehr als Kern der Selbstzerstörung des bürgerlichen Freiheitsideals entlarven. Sie verschläft deshalb auch alle Herausforderungen, die sich mit der Transformierung der "marktkonformen Demokratie" in ein autoritäres System stellen.

Gleichermaßen tragisch ist der Verlust einer universalen Perspektive, der sich in einer harmlosen Variante als "kleinbürgerliches Geschwätz" präsentiert und schlimmstenfalls in eine Kollaboration bei Verbrechen gegen die Menschheit mündet.

Der "nationale Sozialdemokratismus", der im Europa unserer Tage fröhlich Urständ feiert und gar zu neuen rechten Parteigründungen führt, hat mit einer Rückgewinnung des preisgegebenen linken "Klassenstandpunkts" rein gar nichts zu tun. Noch nie hat ein Rekurs auf das "Nationale" den Armen genützt, stets jedoch profitierten die Mächtigen und Besitzenden vom Vernebelungskomplex "Nation".

Die Anwaltschaft für jene, die sich im Getriebe des wirtschaftlichen Überlebenskampfes abstrampeln oder als ewige Habenichtse längst abgeschrieben sind, soll im "nationalen Sozialdemokratismus" nur einem bestimmten Kollektiv in der Nähe, nicht aber allen Mitgliedern unserer Spezies gelten.

Die argumentativen Spitzenleistungen hierfür machen vor keiner Peinlichkeit Halt. Sie gipfeln in der Plattitüde, die Beitragskassen der Solidar- und Sicherungssysteme seien ja eben auch durch nationale Grenzen eingezäunt. (Fürwahr, es gibt kein globales - und nicht einmal ein europäisches - Solidarsystem.)

Die Dynamik eines solchen Programms, das bisweilen die Tuchfühlung mit autoritären Kräften beinhaltet und keineswegs neu ist, verheißt nichts Gutes. Was aber soll daraus werden, falls die nächste große Finanzkrise wirklich schon vor der Tür steht? Eine sich selbst aufhebende Linke, die den menschheitlichen Horizont preisgibt, landet im Heimatmuseum oder in der Hölle!

Ist Aristoteles als Kronzeuge tauglich?

Doch war das Ideal der "Einen Menschheit" nicht schon im Kontext der antiken Sklavenhaltergesellschaft eine große Lüge? Aristoteles, Erzieher des militärischen Welteroberers Alexander III. von Makedonien, konnte in seiner "Nikomachischen Ethik" schöne Worte finden für die grenzüberschreitende Verbundenheit der menschlichen Gattung:

Gerade wenn es einen in die Fremde verschlagen hat, kann [unsereins] leicht erkennen, wie eng vertraut jeder Mensch jedem Menschen ist und wie sehr ein Freund.

Aristoteles

Der gleiche Philosoph erklärte nun aber die Sklaverei zu einer anthropologischen Konstante. Ein Teil der Menschheit sei eben von Natur aus zum Sklavendienst vorausbestimmt und müsse als Besitzgegenstand definiert werden.

Noch im 20. Jahrhundert faselten christliche Aristoteliker unter Berufung auf den großen Meister davon, es gäbe gegenüber sogenannten "Blutsgenossen" eine größere Beistandspflicht als gegenüber Fernstehenden (deren Elend das eigene nahe Kollektiv unter Umständen ja erst verursacht hat).

Die universale "Heimat Mensch" (Christoph Antweiler) kam in anderen Philosophenschulen, so in der Stoa, überzeugender zur Sprache. Doch die Anschauung, es gebe nur eine einzige - durch die Weltvernunft verbundene - menschliche Familie, führte nirgendwo zum politischen Programm einer Aufhebung der Menschenversklavung und zur Fundamentalkritik einer vom Kriegsmotor angetriebenen Zivilisation.

Was aber soll ein hehres philosophisches Ideal, das einer Fiktion gleichkommt und keine materiellen Konsequenzen zeitigt? Oder moderner: Was sollte löblich sein an einem "Kosmopolitismus", der sich als Beiwerk im Lifestyle von Privilegierten erschöpft und nur begrenzte Geltung hat, solange er nämlich nützlich ist für das Funktionieren der Geldvermehrungsmaschine?

Prophetische Kritik: Imperien bringen eine zerrissene Menschheit hervor

Das zentrale biblische Bild einer zerrissenen Menschheit befindet sich im 1. Buch Mose 11,1-9: "Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht." Im Hintergrund der Geschichte stehen die Großreiche, die sich imperial "einen Namen machen wollen".

Das Prophetenbuch Jesaja lässt die Herrscher dieser Reiche exemplarisch so zu Wort kommen: "Ich habe die Grenzen der Länder anders gesetzt und ihre Schätze geraubt und wie ein Stier die Bewohner zu Boden gestoßen. Meine Hand hat gefunden den Reichtum der Völker wie ein Vogelnest, und ich habe alle Länder zusammengerafft, wie man Eier sammelt, die verlassen sind; kein Flügel regte sich, und kein Schnabel sperrte sich auf und zirpte".

Die Einheitssprache von Babel ist keine Weltsprache zur Verständigung, sondern in Wirklichkeit globales Instrument für einen Weltmarkt, durch den sich das Babelreich ohne großes Federlesen bereichert. Es geht um jenen lügnerischen "Reichtum", der "seinen Rachen aufsperrt wie die Unterwelt und unersättlich ist wie der Tod", der "alle Völker zusammentreibt und alle Nationen um sich vereinigt" (Habakuk 2,5).

Das Babelprojekt der Zivilisation wächst nicht in der Horizontalen einer solidarischen Menschenfamilie. Stets geht seine Richtung vertikal in die erdferne Höhe eines alles dominierenden Imperiums, das die gesamte Völkerwelt überragt und auf dem Rücken von Sklavenkolonnen fußt.

Paradoxer Weise ist es gerade dieser Versuch, alle Welt unter dem Code einer - ökonomisch (!) angetriebenen - Einheitskultur zu vereinen, der die Völkerwelt verwirrt, die Menschheit entzweit und eine mögliche Sprache der Verständigung aller Menschen unmöglich macht! "Babel" steht für einen gewalttätigen Zivilisationstypus, der auf Konkurrenz, Beherrschung und Verschuldungskreisläufen aufbaut nicht auf Kooperation.

Am Ende dieses Weges werden Mauern in den Himmel wachsen, mit denen die Reichen auf dem Globus sich vor den Armen "schützen" und ihrem gefügigen Fußvolk weismachen, "da draußen" lauerten potentielle Eindringlinge ohne Anspruch auf Bürgerrecht, die nicht zur Familie gehörten.

Christlicher Nonkonformismus im Römischen Reich

Eingedenk der prophetischen Kritik aus Israel verweigern sich die frühen Christen in den ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung noch der Teilnahme am imperialen System "Mammon - Macht - Militär".

Das vom Römischen Reich betriebene Globalisierungsprogramm gilt ihnen als ein teuflisches Plagiat. Sie selbst stehen ein für ein Naherücken des ganzen bewohnten Erdkreises (Oikumene) unter dem Vorzeichen einer Globalisierung von Geschwisterlichkeit, was ihnen den Vorwurf einbringen kann, vaterlandslose Verräter zu sein.

Die biblisch und philosophisch untermauerte Anschauung von der Einen Menschheitsfamilie ist verbunden mit der Suche nach einem übergeordneten Standort der Weltbetrachtung: "Wir unterscheiden Stämme und Nationen; aber für Gott ist diese ganze Welt ein Haus." (Minucius Felix, um 200 n. Chr.)

Lactantius formuliert auf dieser Grundlage das unteilbare Menschenrecht: "Niemand ist Knecht und keiner ein Herr. Mit gleichem Recht sind wir alle Freie." Er kritisiert noch kurz vor dem Siegeszug des Imperators Konstantin die vaterländischen Kriegsunternehmungen als schändliche Attacke auf die Verbundenheit der menschlichen Weltgesellschaft. Das Bekenntnis zur "Einen Menschheit" ist in der vorkonstantinischen Kirche keine weltbürgerliche Schwärmerei.

Fremden Reisenden, Flüchtlingen und Notleidenden außerhalb der eigenen Gruppe ist Hilfe zu gewähren. Die Theologen der Christus-Religion schreiben mit höchstem Ernst von einer neuen Welt, in der die Menschheit das Mordprogramm "Krieg" nicht mehr kennt. Es gebe bereits eine Vorhut, die jeglichem Waffendienst entsagt.

Nach dem Einsetzen der staatskirchlichen Korruption, in welcher die Kirchenleitung zur Seite der Macht wechselt und u.a. eine Kleriker-Selbstanbetung etabliert, hält freilich nur noch eine Minderheit an diesem Weg fest. Das "christliche" Mittelalter folgt bis hin zum Ende des Feudalismus sogar der antibiblischen Irrlehre, es gebe so etwas wie einen vererbbaren Blut-Adel.

Älter als die "Arier-Nachweise" sind die über mindestens 23 Generationen geführten Stammbäume der waffenerprobten Adels-Kaste, deren wahnhafter Kult ja heute noch immer nicht gesellschaftlich geächtet ist.

"Jeder einzelne Mensch trägt die Menschheit in sich"

Die Philosophie eines Meister Eckhart († 1328) hätte einen anderen Weg weisen können. Sie klingt an manchen Stellen noch wie ein moralischer Appell: "Du sollst alle Menschen gleich wie dich lieben und gleich achten und halten; was einem andern geschieht, sei’s bös oder gut, das soll für dich so sein, als ob es dir geschehe!"

Genau besehen erfolgen jedoch Selbstannahme und Annahme der universalen Menschheit im gleichen Atemzug: "Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst." In der Selbstannahme findet der Mensch zu einer umfassenden Verbundenheit, "so dass er dem Menschen, der jenseits des Meeres ist, den er mit Augen nie gesehen hat, eben so wohl Gutes gönne wie dem Menschen, der bei ihm ist und sein vertrauter Freund ist."

Viel später wird Erich Fromm formulieren: "Jeder einzelne Mensch trägt die Menschheit in sich. Die conditio humana ist eine und dieselbe für alle Menschen …". Die Fähigkeit zur Verbundenheit untereinander hängt in psychologischer - bzw. sozialpsychologischer - Sicht davon ab, ob die eigene Bedürftigkeit und Verwundbarkeit angstfrei wahrgenommen werden können.

Repressive und menschenverachtende Verhältnisse in Lebensgeschichte und Gesellschaft beschädigen unsere Befähigung zu Selbstannahme und Verbundenheit. Moralpredigten oder philosophische Lehren sagen also noch nichts darüber aus, ob die "Eine Menschheit" auch zur bestimmenden Wirklichkeit werden kann. Wo Kindern ein Weg zu Lebendigkeit und wirklicher Selbstliebe eröffnet wird, sind alle grundlegenden Vorrausetzungen für das Zusammenleben in kleinen wie in großen Räumen gegeben.

Eine Zivilisation der Ungeliebten mündet hingegen stets in freudlosen Hass-Komplexen und dem uniformierten Gleichschritt von Todesschwadronen. Das Grinsen der Freudlosen stellt sich auf vielen Bildschirmen wieder zur Schau. Zurückzugewinnen ist also die einfache Erkenntnis, dass Freude eine bedeutsame Kategorie des Politischen ist.

Bartolomé de Las Casas: "Es gibt nur ein einziges Menschengeschlecht!"

Über die Begegnung mit den geschundenen Menschengeschwistern auf dem amerikanischen Kontinent erschließt sich zwei Jahrhunderte nach Meister Eckart die Einheit der menschlichen Familie für Bartolomé de Las Casas (1484/85-1566). Ein Wort der Bibel wird ihm zum Gerichtsspruch über die europäischen Konquistadoren, die er als "öffentliche Feinde der Menschheit" bezeichnet:

Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt, Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält.

Jesus Sirach 34,26-27

Der Bischof hatte sich als vormaliger Soldat im Dienst der spanischen Eroberer selbst mitschuldig gemacht an Unterdrückung und Versklavung der Indios, deren Menschenrechte er später so entschieden verteidigt:

Es gibt nur ein einziges Menschengeschlecht!

Der frühe "Internationalist" Las Casas wendet sich lange vor Karl Marx gegen Verhältnisse, "in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist". Die von ihm beklagten Verbrechen sind leider erst der Anfang jener endlosen Kette von Menschenverachtung und Völkermord, die der Imperialismus der Neuzeit noch hervorbringen wird.

Der kosmopolitische Optimismus und das Wahngebilde "Rassismus"

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts hin gibt es immerhin ein geschärftes Bewusstsein dafür, dass durch pseudowissenschaftliche Strömungen und rassenideologische Schriften die Einheit der menschlichen Familie auf eine unerhört neue Weise in Frage gestellt wird.

Die Hauptwerke von Charles Darwin (1809-1882), der in seinen Schriften nachdrücklich die Einheit des Menschen als einer einzigen Art betonen wird, sind zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erschienen. Zu Wort meldet sich 1845 Alexander von Humboldt (1769-1859):

Indem wir die Einheit des Menschengeschlechtes behaupten, widerstreben wir auch jeder unerfreulichen Annahme von höheren und niederen Menschenrassen. Es gibt […] keine edleren Volksstämme. Alle sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt.

Alexander von Humboldt

Der von Humanisten und Aufklärern vertretene kosmopolitische Optimismus ist durch den weiteren Verlauf der Geschichte bekanntlich endgültig widerlegt worden. Das Gegenteil von Kants Zukunftsschau eines "Ewigen Frieden" traf ein.

Riesige "Forschungs"-Apparate sowie ganze Staaten bzw. Gesellschaften wurden über lange Zeiträume von einem Irrationalismus sondergleichen beherrscht. Der Mythos des Rassismus präsentierte sich als objektive Wissenschaft - und eine Mehrheit der sogenannten Gebildeten marschierte willig mit. Der ewige Judenhass verwandelte sich in Deutschland zum expliziten "Rassenkrieg". Die deutschen Faschisten verstanden ihre Massenmordapparatur u.a. als ein "naturwissenschaftlich" abgesichertes Projekt.

Zum Massenmord wird heute öffentlich nur noch indirekt aufgerufen, vornehmlich durch die Propaganda für eine erneute Militarisierung des politischen Weltgeschehens und astronomische Aufrüstungsziele, die über Profite der Kriegskonzerne die menschliche Weltgesellschaft berauben sollen.

Doch die Bestseller von rassistischen Autoren gehen wieder als "Sachbücher" über die Ladentheke. "Identitäre" haben auch den faschistischen "Identitäts"-Komplex neu aufgelegt, in dem - damals wie heute - ein nicht vorhandenes "Ich" (Leerstelle Persönlichkeit) durch eine kollektive "Identitäts"-Fiktion ersetzt wird. Diese Scharlatanerie der ausgedachten und ausgeliehenen Schein-"Identitäten" von Scheintoten verkauft sich ebenfalls - natürlich als hochwissenschaftlich und intellektuell.

Exkurs: Warum das Leidensgedächtnis der Menschheit alle betrifft

Die Abgründe der Geschichte betreffen die ganze Menschenfamilie. Sie müssen - über die Gedenkkultur von "Täter- oder Opfernationen" hinaus - Teil eines Leidensgedächtnisses der gesamten Menschheit bleiben. Denn jeder Genozid oder Krieg zeigt bei aller Besonderheit auch an, wozu die Gattung insgesamt unter bestimmten Bedingungen "fähig" ist.

Ein eigenes Institut der Vereinten Nationen, das dem willkürlichen Jonglieren mit Opferzahlen in Millionenhöhe ein Ende setzt, wäre höchst angemessen. Da die zahllosen Opfer der Gewaltgeschichte unserer Spezies nicht etwas Abstraktes, sondern wirkliche Menschen aus Fleisch und Blut gewesen sind, gehört mit Vorrang jedes konkrete Einzelgedächtnis zur Gedenkkultur.

Wer Namen und Geschichte eines einzigen vergessenen Menschen wieder in Erinnerung ruft, bezeugt zugleich die Würde aller Menschen. Andererseits: Wer auch nur ein einziges Verbrechen wider die Menschheit vertuscht oder verleugnet, attackiert die Würde aller Menschen.

Teile der nachfolgenden Generationen verfallen offenbar leicht in selbstmitleidige Lamentos und jammern, sie wollten von den Gräueln der alten Zeiten nichts mehr hören. Da erzählen z.B. Fünfzigjährige, die im ganzen Leben keine einzige antifaschistische Regsamkeit entwickelt haben, sie seien im Geschichtsunterricht der zehnten Klasse nachhaltig gequält(!) worden.

Beim Zuhören kommen einem wahrlich die Tränen. Querfront-Schreiber warnen - passend zu dieser neuen "Opferperspektive" - gar vor einer Beschäftigung mit der Shoa, denn dies führe zu lähmenden Fixierungen und verbreite "negative Energien".

Die noch unschlüssigen Jungen brauchen somit Hilfe, historische Forschung und Opfergedächtnis als zwingendes Erfordernis einer "Liebe zum Leben" verstehen zu lernen. Ohne Gedächtnis wird die Gattung wehrlos sein gegenüber Formen der "Barbarei", die möglicherweise in der Geschichte noch bevorstehen und unser gegenwärtiges Vorstellungsvermögen restlos überschreiten.

Die einzige bekannte Heimat unserer Spezies

Spätestens seit Zündung der ersten Atombombe steht die "Eine Menschheit" in einer Schicksalsgemeinschaft, von der nicht das kleinste Dorf an irgendeinem vermeintlichen Ende der Welt ausgeschlossen ist. Die institutionelle Friedensordnung von Vereinten Nationen und die entsprechende mentale bzw. kulturelle Verankerung eines Bewusstseins von der "Einen Menschheit" sind zur Überlebensfrage geworden.

Diese Einsicht Albert Einsteins wird mit jeder weiteren technologischen Revolution, die ob ihres Risikopotentials und ihrer Reichweite die gesamte Menschheit in Haft nimmt, noch dringlicher. Ein Aufbruch zur entsprechenden "Weltinnenpolitik" lässt sich gleichwohl nirgendwo auch nur ansatzweise erkennen.

Ein rein ökonomistisch konstruiertes - derzeit zerfallendes - Europa, das noch immer der militärischen Heilslehre huldigt und bereits innerhalb der eigenen Grenzen die Gleichberechtigung aller Länder nicht respektiert, hat zur Zukunft und Erneuerung der UNO ohnehin nichts mehr beizutragen.

Eine neue Dimension tritt durch den menschengemachten Klimawandel hinzu. Wir sind die erste menschliche Generation, die gleichsam darüber mitentscheidet, ob der Lebensraum Erde - die einzige bekannte Heimat unserer Spezies - sich in eine globale Hölle verwandelt. Hier zeigt sich mit einer so nie zuvor erkannten Dringlichkeit, dass im Bewusstsein der "Einen Menschheit" die zukünftigen - noch nicht geborenen - Generationen immer mitbedacht und "gegenwärtig" sein sollten.

Hierzu fehlen uns jedoch die geistigen bzw. kulturellen Fähigkeiten (bzw. Reifungsprozesse). Wie sollten z.B. Politiker, die sich mental nur in Vierjahreshorizonten bewegen, lernen, über den eigenen Sargdeckel hinaus zu denken? Zu einem durchgreifenden Richtungswechsel des Zivilisationsprozesses scheinen wir nicht in der Lage zu sein, obwohl es an wissenschaftlicher Expertise und den nötigen technologischen Ressourcen keineswegs fehlt.

Bei der Ursachenerforschung stoßen wir auf eine - menschengemachte - Totalreligion des Ökonomischen, die alle Bereiche durchdringt und ihre Apparaturen längst jeglicher Kontrolle durch die Weltgesellschaft entzogen hat. Der Motor des ökonomischen Systems erschöpft sich in grenzenloser Gewinnmaximierung, so dass am Ende fiktive Besitztitel stehen, die einem kleinen Kreis von Inhabern Macht verleihen und doch durch nichts gedeckt sind.

Einmal jährlich gibt es eine kurze Empörungswelle angesichts der Tatsache, dass wenige Individuen über mehr Vermögen verfügen als die ärmere Hälfte der gesamten Menschheit. Ansonsten ist die Korrumpierung des Denkens so weit fortgeschritten, dass der Öffentlichkeit Belanglosigkeiten und insbesondere nervöse Erfindungen der Rechten als maßgebliche Tagesthemen präsentiert werden können.

Die verbrecherischen Anschläge von global agierenden Wirtschaftskomplexen auf die Lebensgrundlagen der menschlichen Spezies findet man derweil unter "Kavaliersdelikte" abgehandelt. Wer an dieser Stelle nicht die Notwendigkeit eines universalen - menschheitlichen - Horizontes für ein neues Beginnen erkennt, ist von allen guten Geistern verlassen.

Präzise "Globalisierungskritik" wider die Lüge des Heimatmuseums

Quacksalber, die einen Rückzug in die heile Welt von Heimatmuseen oder nationalen "Volksheimen" versprechen, erhalten nennenswerten Zulauf. Verhaltensauffällige Lokalmatadore ohne jeden Sinn für den zivilisatorischen Ernstfall, die mit großer Politik beauftragt werden, zeigen die bedenkliche Lage unserer Spezies an.

Globale Nachbarschaft ist jedoch allein schon wegen der kommunikationstechnologischen Umwälzungen ein Faktum, wobei freilich die Qualität dieser "Nachbarschaft" sich in höchst unterschiedliche Richtungen entwickeln kann.

Statt diffus von Globalisierungskritik zu sprechen, sollten wir heute stets deutlich machen, dass wir eine bestimmte - gewalttätige und Tod produzierende - Form von Globalisierung beenden wollen. Zu vermitteln ist auch, dass eine kommunikative Weltgesellschaft und eine politisch verbundene Weltgemeinschaft - um des Überlebens willen - mit einer zentralistischen "Weltdiktatur" rein gar nichts zu tun haben.

Die glückliche, allseits bekannte Formel "global denken - lokal handeln" ist gut geeignet, die Konstruktion von falschen Gegensätzen zu entlarven. Warum sollte ein zärtlicher Sinn für Besonderheiten und Erscheinungsformen des nahen Sozialgefüges oder das Prinzip der Subsidiarität (Hochschätzung von Kompetenzen vor Ort) unverträglich sein mit einem universalen Horizont?

Warum sollte es reaktionär sein, in einer Region ökonomische und technologische Infrastrukturen zu entwickeln, die etwa in einer durchgreifenden Krise - gleich welcher Genese - auch unabhängig von übergeordneten Systemen grundlegende Lebensbedingungen im Nahbereich aufrechterhalten? In einer kommunikativ verbundenen, dialogischen Menschheit kommen erfolgreiche Experimente von Kleinräumen schließlich immer dem Ganzen zugute.

Die alles entscheidende Frage: "Scheitert der homo sapiens?"

Die Entschlüsselung unseres Genoms erweist den biblischen Mythos vom gemeinsamen "Urelternpaar" gleichsam als überzeugende Wissenschaft und widerlegt jede Rassenkunde. Die Eine Menschheit ist zunächst ein grundlegendes Faktum, bevor sie auch als zu bewahrheitendes "Ideal" zur Sprache kommt. Es gibt nur eine einzige menschliche Rasse. Der Planet ist ihr gemeinsamer, unteilbarer Lebensraum. Eine andere Erde steht der Spezies im Übrigen nicht zur Verfügung.

Die Rechte, deren Metier sich stets in Destruktivität und Todestrieb erschöpft, hat die zivilisatorische Zukunftsfrage "Teilen oder Töten?" bereits in einer erwartbaren Weise entschieden. Sie begrüßt es, wenn noch mehr Mitglieder der menschlichen Familie "absaufen" oder verdursten, und wird es nie verstehen, dass mit einem solchen Geschwistermord-Programm am Ende die gesamte Gattung untergeht.

Hier kommt es aber für eine zukunftsträchtige Linke darauf an, nicht beim moralischen Einspruch stehenzubleiben. Das "Experiment Mensch", so will u.a. eine fatalistische Fraktion der Jugend wissen, ist bereits gescheitert und wird in Selbstzerstörung münden.

Das kulturfähige und unter bestimmten Voraussetzungen auch liebesfähige "Säugetier Homo sapiens", ausgestattet mit einer zuvor in unserer Welt so nie gekannten Selbstbewusstheit, hat den Sprung in eine unerhörte Freiheit geschafft. Doch eine winzige Zeitspanne des schon immer vom Motor Angst bestimmten und zuletzt durch Beherrschungswissenschaften beschleunigten Zivilisationsprozesses wird uns dahinführen, am Ende alles in die Luft zu jagen …

Aus guten Gründen sollten Linke zukünftig auf totale Weltanschauungen, deterministische Geschichtsfahrpläne und eine abgeschlossene Wissenschaft vom Menschen verzichten. Etwas ganz anderes ist es jedoch, die Gattungsfrage auf neue Weise zu stellen! Eine Jugend, die das Weltuntergangsprogramm langweilig findet und sich am eigenen Menschsein durchaus erfreut, könnte sich weigern, das Scheitern des homo sapiens schon wie eine ausgemachte Sache zu akzeptieren. Warum sollte am Ende die abgründige Kehrseite des menschlichen Reichtums stehen, schlussendlich das Hässliche über die mögliche Schönheit unserer Gattung obsiegen?

Wenn wir im öffentlichen Debattenraum - jenseits der medialen Albernheit und Banalität - auf einem solchen Niveau miteinander ins Gespräch kommen können, beginnt die spannendste Phase der Menschheitsgeschichte: ein Aufstehen des seiner potentiellen Destruktivität bewussten homo sapiens für die Integrität und Schönheit der eigenen Spezies. Die vom "Neoliberalismus" selbstgemachten Götzen des Todes vom Thron zu stürzen, das wird unter solchem Vorzeichen vielleicht nur noch eine Anfangsübung sein.

"Es ist nicht zu spät für eine glückliche Jugend der Menschheit"

Es liegt freilich auf der Hand, dass nur ein die ganze Spezies verbindendes Kooperationsgefüge einer zukünftigen Generation die Möglichkeit eröffnet, das gemeinsame Menschsein wieder mit "Stolz" oder Freude - statt mit bodenloser Scham - zu betrachten.

Entweder finden alle auf dem Globus einen gemeinsamen neuen Weg oder es gehen alle - ohne Ausnahme - dem Abgrund entgegen. "Internationalismus" ist somit gerade auch im Ernstfall keine beliebige Geschmacksfrage, sondern zwingendes Erfordernis einer Überlebenspolitik, die die Geschicke des Weltgeschehens nicht den Schrebergärtnern, Gleichgültigen und Psychotikern überlässt.

Die "humani generis unitas" (Einheit des Menschengeschlechts) bezieht sich in rationaler Hinsicht auf anthropologische, kulturelle, ethische, politische und zivilisatorische Fragestellungen. Sie birgt zugleich jedoch jenes kraftvolle Bild, das Energien für einen neuen Zivilisationskurs freisetzt und zusammenführt. Die Lust am Untergang ist - wie die Geschichte uns sattsam lehrt - der treibende Motor der Rechten.

Dagegen ist mit Empörung kaum etwas auszurichten. Leben und Überleben müssen vielmehr zur Sache eines lustvollen Antifaschismus werden, auf dessen Festen die Leute mit Grips tanzen und lieben.

Die Alternative zum Untergang erfordert nichts weniger als eine revolutionäre Umwälzung der ökonomischen und kulturellen Verhältnisse auf dem Globus. Ob die Bildmächtigkeit im öffentlichen Raum bei todesaffinen oder bei biophilen Bewegungen liegt, daran entscheidet es sich, wohin die Reise geht.

Die Todesanbeter setzen auf Uniformität und Abschottung, auf die Leichenstarre des "Identitären". Die Liebhaber des Lebens und des Menschseins zeichnen sich aus durch vitale Neugierde, Freude am Anderen und Sinn für die schöpferischen Potenzen von Differenz. Da hier erotische Kompetenzen ins Spiel kommen, ist die Bewegung unter dem Imago "One human family"ohne Vielgestaltigkeit nicht vorstellbar.

Eine Linke, die sich hier verortet, wird kommunikativ wie nie sein und sich von manchen tradierten Ausgrenzungen verabschieden. Fahrlässig wäre es z.B., die lebensförderlichen Anschauungen zur einen menschlichen Familie in den Überlieferungsgemeinschaften der großen Religionen in diesem Zusammenhang für gegenstandslos zu erklären. Der Sache nach wissen sie nämlich alle um das, was Talmud und Koran so ausdrücken: "Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt - die ganze Menschheit."

Im 2014 vorgelegten "Manifest für eine neue Kunst des Zusammenlebens" (Konvivialismus) haben sich Menschen aus verschiedenen Denkrichtungen im Ringen um die drängenden Zukunfts- und Überlebensfragen auf folgenden Grundkonsens verständigt: "Die einzige legitime Politik ist diejenige, die sich auf das Prinzip einer gemeinsamen Menschheit, einer gemeinsamen Sozialität, der Individuation und der Konfliktbeherrschung beruft."

Es geht um das Notwendige - und um mehr! Gewaltfreiheit etwa ist als Strategie für jeglichen intelligenten Widerstand alternativlos, zugleich aber auch das "Herz" jeder glaubwürdigen Revolte im Dienst der unteilbaren Menschheit. Wer das Leben befördern und das Menschentotmachen bekämpfen will, kann sich nie und nimmer des Handwerks der Menschentotmacher bedienen.

Gewaltfreiheit ist die einzige Kraft, die von großen Gewaltapparaturen als ernstzunehmender Gegner betrachtet und gefürchtet wird. Gleichzeitig ist sie das untrügliche Erkennungszeichen einer Revolte, die das Leben liebt und sich nicht kaufen lässt.

Klares Denken steht für einen neuen, transformierten Internationalismus am Anfang. Das sollte den Erben von Aufklärung und Karl Marx leicht einsehbar sein, zumal der weithin zombifizierte Politikbetrieb des bürgerlichen Lagers sich als unfähig erweist, den drängenden zivilisatorischen Ernst, der in einer wissenschaftlichen Weltbetrachtung schon so lange zutage tritt, auch nur im Ansatz zu begreifen. 

Doch Eros, Fest und Vision sind nicht minder wichtig, wenn es darum geht, den zurückgekehrten Faschisten und ihrer Nekrophilie zeitig zu wehren. Angst ist der Hauptmotor des selbstmörderischen Zivilisationsprozesses. 

Zu widerstehen ist also der großen Versuchung, eigene Angstparolen an die Stelle der herkömmlichen Angstpropaganda zu setzen. Die Losung für eine neue - erotische und visionäre - Linke könnte lauten: "Es ist nicht zu spät für eine glückliche Jugend der Menschheit."


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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1332464 2018-10-15T09:09:37Z 2018-10-15T09:09:37Z Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. 15 Grad!?!

Biometrische Videoüberwachung: Der Südkreuz-Versuch war kein Erfolg

Diese Woche hat die Bundespolizei den bereits im September erstellten Abschlussbericht [1] zur biometrischen Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz veröffentlicht. Zu den Kosten des monatelangen Versuchs sind keine Angaben enthalten. Eine zeitgleich bekanntgegebene Meldung preist die Ergebnisse der drei erprobten Systeme als „erfolgreich“ und spricht von einem „enormen Mehrwert“ der Biometriesoftware für die Polizei.

Jedoch zeigen die wenigen Zahlen aus dem Bericht, dass die getesteten Systeme – anders als behauptet – keine akzeptablen Ergebnisse erbrachten. Zudem erweist sich, dass die Ergebnisse manipuliert wurden, um sie nicht ganz so desaströs aussehen zu lassen.

Der Chaos Computer Club (CCC) fordert im Lichte dieses Debakels, das unnütze und teure Sicherheitstheater unverzüglich einzustellen. Die Gesichter aller Passanten sind keine biometrische Ressource zum Scannen nach Belieben.

Die biometrische Videoüberwachung ist mit zahlreichen technischen Problemen behaftet und erweist sich erneut als untauglich. Aber das weit größere Problem für jeden Passanten, dessen Gesicht gescannt wird, liegt in der Technologie selbst: Menschen werden nicht wie mit anderen Videosystemen einfach nur beobachtet, sondern während der Überwachung durch ihre Körpermerkmale identifiziert. Werden solche Systeme ausgebaut, stehen wir vor einer anlasslosen biometrischen Personenüberwachung im öffentlichen Raum, die mit der heutigen Videoüberwachung technisch nicht vergleichbar ist.

 

Angaben zu durchschnittlichen Ergebnissen

Das Innenministerium betont die angeblich hohe Anzahl an Treffern: Die Trefferrate gibt laut dem Bericht die Wahrscheinlichkeit an, mit der eine Person von einem getesteten System korrekt identifiziert wird. Über die angegebene Trefferrate von durchschnittlich achtzig Prozent zeigen sich das Innenministerium und die Autoren des Abschlussberichts hocherfreut. Faktisch werden bei einer solchen Rate allerdings von zehn gesuchten Personen eben nur acht korrekt identifiziert.

Doch selbst die in der Pressemitteilung besonders hervorgehobene durchschnittliche Erkennungsrate von achtzig Prozent hat in Wahrheit keines der getesteten Systeme erreicht, sondern ist eine absichtlich positiv verfälschende Zahl. Sie berechnet sich laut dem Abschlussbericht aus den Erkennungsraten aller drei erprobten Systeme.

Praktisch hieße das für die Situation am Bahnhof, dass nicht der beste Anbieter für die biometrische Erkennung zum Einsatz käme, sondern alle drei Systeme zusammen eingesetzt werden müssten, um diesen durchschnittlichen Wert zu erreichen. Eine solche Trefferrate des „logischen Gesamtsystems“ existiert nämlich nur, wenn alle drei getesteten Systeme die vorbeilaufenden Menschen erfassen und jeweils softwareseitig auswerten. Bei keinem der getesteten Anbieter wurde diese imaginäre durchschnittliche Zahl in Wahrheit gemessen. Tatsächlich ist das durchschnittliche Ergebnis des Versuchs für das beste der drei Testsysteme die peinliche Zahl von 68,5 Prozent, die in der ersten Testphase erreicht wurde. Damit ist die biometrische Technik zu unausgereift für den praktischen Einsatz.

Erwartungsgemäß ändert auch die Positionierung der Kamera das Ergebnis für die Trefferquoten: Am schlechtesten schnitt dabei die Eingangskamera am Bahnhof ab, bei der die schwächsten Trefferleistungen gemessen wurden. Selbst das beste der drei getesteten Systeme kommt hier nur auf eine Trefferquote von 65,8 Prozent. Tagsüber konnte wegen Gegenlichts sogar auch beim besten der Systeme nur sechzig Prozent erreicht werden. Der schlechteste der drei Biometrieanbieter wies am Eingang des Bahnhofs sogar nur eine Trefferrate von 18,9 Prozent (tagsüber zwölf Prozent) aus und ist damit glatt durchgefallen.

Für den geplanten Abgleich mit polizeilichen Datenbanken sind solche Erkennungsraten völlig unbrauchbar. Sie als Erfolg verkaufen zu wollen, ist schlicht unredlich. Insgesamt hält die Bundespolizei dennoch zwei der getesteten Systeme für den „praktischen polizeilichen Einsatz“ geeignet und sieht selbst für das überdurchschnittlich schlechte dritte Testsystem noch ein „hohes Potenzial“.

 

Wissenschaftliche Standards missachtet

Die zugrundeliegenden Bilder der Gesichter waren in der Phase zu Beginn des Tests von ausgesprochen hoher Qualität, was die Ergebnisse zugunsten der getesteten Systeme verzerrt. Denn die freiwilligen Probanden wurden in hoher Auflösung und mit guter Beleuchtung fotographiert, so dass die erfassten Gesichter in der ersten Testphase optimal für den Vergleich mit den Livebildern vorlagen.

Der Abschlussbericht weist solche Verzerrungen nicht etwa aus, sondern beschönigt das Vorgehen noch. Generell kann die gesamte Auswertung nicht als wissenschaftlich angesehen, sondern muss als PR-Bericht verstanden werden. Vielleicht dauerte es deshalb so lange, die bereits am 31. Juli beendeten Tests herauszuputzen, um sie erst im Oktober im Abschlussbericht darzustellen.

Die Wissenschaftlichkeit des Versuchs steht aber auch aus anderen Gründen bereits konzeptuell in Zweifel: Die Repräsentativität der Probanden war nicht gegeben, so dass kein aussagekräftiges Abbild der Bevölkerung (Alter, Geschlecht, Ethnie) oder des gesuchten Personenkreises getestet wurde. Zudem war die Anzahl der freiwilligen Tester mit 312 Menschen zu gering bemessen, sie nahm in der zweiten Testphase außerdem noch signifikant ab und verringerte sich auf nur 201 Personen.

„Eine gründliche Untersuchung der realen Erkennungsleistungen der biometrischen Systeme hat mit dem Test am Bahnhof Südkreuz wenig gemeinsam. Wenn ein System der biometrischen Personenüberwachung aber tatsächlich eingesetzt werden sollte, genügen solche Versuche ohnehin nicht. Dann müsste man besser vorher darüber sprechen, ob es gesellschaftlich wünschenswert und überhaupt rechtlich möglich ist, von jedem Vorbeilaufenden biometrische Merkmale zu verarbeiten“, sagte Dirk Engling, Sprecher des CCC.

 

Die zweite Versuchsphase

Besonders dreist ist das Vorgehen, mit der zweiten Testphase die Ergebnisse nochmals absichtlich zu schönen. Der damalige Innenminister Thomas de Maizière hatte bei einem Besuch seines Vorzeigeprojektes noch angekündigt, dass in einer zweiten Phase des ursprünglich auf sechs Monate angelegten Versuchs realitätsnähere Bilder benutzt werden würden. In Wahrheit wurden in dem dann verlängerten Test unter dem Vorwand, angeblich Fahndungsfotos zu verwenden, tatsächlich von den getesteten Systemen selbst aufgezeichnete Gesichtsbilder benutzt. Diese Bilder hatten im ersten Versuchsteil bereits zu guten Ergebnissen geführt. Zudem wurde nunmehr nicht nur ein Referenzbild in den Datenbanken hinterlegt, sondern gleich mehrere der zuvor aufgezeichneten Fotos der Probanden aus den Überwachungskameras verwendet.

Damit wurden nicht nur absichtlich und unzulässig die Erkennungraten manipuliert, vielmehr sind mit einem solchen Testvorgehen Rückschlüsse auf reale Szenarien in einem Bahnhof gar nicht mehr möglich. Schließlich hat es nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun, wenn die biometrischen Systeme Vergleiche von vorher als gut klassifizierten Gesichtsbildern vornehmen, die am gleichen Ort entstanden sind. So müssten in der Realität Fotos der Verdächtigen an allen Bahnhöfen mit allen dort verbauten Kameras angefertigt werden – eine vollkommmen unsinnige und erneut die Ergebnisse verfälschende Testannahme. Wenn solche Versuchsmethoden als Begründung für eine künftige Gesetzgebung zum flächendeckenden Einsatz herhalten sollten, sind sie nicht aussagekräftig für eine reale Verwendung.

 

Die Falscherkennungsrate

Weiterhin sind die Zahlen zur Falscherkennungsrate (FAR) deutlich geschönt. So werden hier nicht etwa alle durch die Kamera erfassten Gesichter der Menschen analysiert, sondern ausweislich des Berichtes nur diejenigen, die zufälligerweise zu dem Zeitpunkt aufgenommen wurden, wenn eine der Testpersonen neben ihnen auf der Rolltreppe stand oder im Bahnhof ging und damit das System durch den Transponder aktivierte. Die realen Zahlen der fälschlichen Erkennung liegen also nochmals um ein Vielfaches höher als der in dem Bericht ausgegebene Wert. Zugleich bleibt auch diese Verzerrung des Ergebnisses im Bericht selbst unkommentiert.

Für das „logische Gesamtsystem“ liegt die so ausgewiesene FAR durchschnittlich bei 0,67 Prozent. Bei einer durchschnittlichen Anzahl von etwa 90.000 Reisenden pro Tag am Bahnhof Südkreuz hieße ein solcher Wert, dass täglich 600 Passanten und mehr fälschlich ins Visier der biometrischen Installation gerieten.

Weiterhin werfen die im Versuch verwendeten Verfahren Fragen auf, die in dem Bericht nicht adressiert werden. Wieso wurden beispielsweise aus den 41.000 gespeicherten Transponder-Events nur 6.000 ausgewählt? Was waren die Kriterien? Und warum werden nicht in allen Diagrammen im Abschlussbericht die gleichen Datenpunkte verwendet? So gibt es beispielsweise für den November nur einen Punkt im Diagramm für die Falscherkennungsrate, aber ganze neun für die Trefferrate. Hier liegt der Verdacht nahe, dass durch die Auswahl bestimmter Ereignisse Fehlerkennungen unter den Tisch gekehrt werden sollten. Auch Differenzen in den Erkennungsraten zwischen aufeinanderfolgenden Tagen von im Schnitt zehn Prozent (maximal fünfzig Prozent) sollten die Herausgeber und die Leser der Studien stutzig machen.

 

Bedeutung der Zahlen in der Praxis

Würde dieses System tatsächlich so in Betrieb genommen, würde die FAR noch weiter darunter leiden, dass die Zahl der Fahndungen mehr als nur die 200 gespeicherten Vergleichsbilder wie in Testphase 2 erzeugt. Laut Beispiel aus dem Bericht soll in der Praxis mit mindestens 600 Bildern verglichen werden. Entsprechend stiege die FAR nochmals.

Doch selbst wenn die Systeme nur vier unbescholtene Bürger pro Kamera und Stunde fälschlich als Verbrecher erkennen und die Beamten diese dann von Hand aussondern müssen, kann man sich leicht vorstellen, was passiert, wenn nach monatelangem händischen Aussieben dann doch mal ein einzelner Verbrecher durchs Bild huscht und erkannt wird. Wie aufmerksam ein durchschnittlicher PC-Anwender die hunderste Sicherheitswarnung für Webseiten wegklickt, dürfte ein Gefühl für die Auswirkungen einer solchen Flut von Falscherkennungsmeldungen geben.

Der einzige Lichtblick im Bericht ist die Beschreibung, wie man sich am besten gegen die biometrische Rasterfahndung schützen kann: Man drehe einfach das eigene Gesicht um mehr als 15 Grad von der Kamera weg. Damit ist eigentlich alles gesagt, was die Sinnhaftigkeit und Einsatztauglichkeit solcher Systeme angeht.

 

Links

[1] Abschlussbericht der Bundespolizei (pdf)

Quelle: https://www.ccc.de/de/updates/2018/debakel-am-suedkreuz
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Matthias Seifert
tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1332179 2018-10-14T11:12:42Z 2018-10-14T11:12:43Z Herrschaft und Personal ]]> Matthias Seifert tag:matthiasseifert.posthaven.com,2013:Post/1331961 2018-10-14T08:20:28Z 2018-10-14T08:20:28Z Das war es also mit RWE

Ein 120 Jahre altes Unternehmen, das dereinst ganze Regionen mit Energie und Arbeitsplätzen versorgte, begibt sich auf den Weg in die moralische und voraussichtlich auch in die wirtschaftliche Insolvenz

Der Fall RWE(s) [bitte Wortspiel beachten!] steht exemplarisch für unsere heutige Zeit, in der politische Entscheidungen nicht mehr im Hinterzimmer, und vor allen Dingen nicht mehr von sogenannten Ruhrbaronen, sondern auf der Straße und von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft durchgesetzt werden.

Klimawandel, Umweltschutz und Ressourcenschonung sind längst keine Nischenthemen mehr, und die Zeiten, in denen man Umweltschützer daran erkannte, dass sie ihren Nicaragua-Kaffee im Eine-Welt-Laden kauften und ihre verfilzten Haare mit ökologischem Trockenschampoo säuberten, gehören der Vergangenheit an. Während sich immer mehr Privatpersonen um ein nachhaltiges Leben bemühen und während jeder einzelne Großkonzern in diesem Land (Siemens, Thyssen-Krupp, VW, Lufthansa, DB über Nachhaltigkeit sinniert, hält RWE es für eine gute Idee, einen Wald zu roden, um dort Braunkohle abzubauen und anschließend im unternehmenseigenen Kraftwerk zu verfeuern. Eine konzerngewordene Mottenkiste, aus der Zeit gefallen, unverständlich und unnötig.

Auch der Tod eines Journalisten, der über die Geschehnisse im Forst berichtete, hielt den Konzern nicht davon ab, mit aller Macht seine Interessen durchzusetzen und die Räumung mithilfe prügelnder Sicherheitsleute voranzutreiben. Selbst die Polizeigewerkschaft BDK bezeichnet die Räumung im Hambacher Forst als "krasse politische Fehlentscheidung", einzelne Beamte fragen sich, wie sie den Einsatz im Forst ihren dreijährigen Kindern erklären sollen.

Und dann das: Das OVG Münster hat die Rodung gestoppt. Voraussichtlich bis zum Jahr 2020.

Der Imageschaden ist gigantisch und das Maß an schlechtem Karma lässt sich erst dann genauer abschätzen, wenn alle RWE-Manager im nächsten Leben als Mistkäfer wiedergeboren sind. Und das ist noch nicht alles: Die Kunden, für die RWE bisher so selbstlos die Wälder vernichtet und die Luft verschmutzt hat, kehren dem Energiekonzern den Rücken und wechseln zu Ökostrom-Anbietern. Die Zahl der Neuanmeldungen hat sich dort seit Beginn der Rodungsarbeiten verdoppelt. Selbst der RWE-Investor Deka, eine Tochterfirma der Sparkassen-Finanzgruppe, ließ noch vor dem Gerichtsbeschluss verlautbaren, dass RWE "Angesichts der zugespitzten Situation im Hambacher Forst" in "Besonnenheit und Weitsicht" die Rodungsarbeiten aussetzen solle. Das Unternehmen, das im Hambacher Forst die Arbeits- und Hebebühnen bereitstellte, hat seine Geräte unlängst abgezogen, weil der gesamte Einsatz nicht mit den Werten der Firma vereinbar sei. Im direkten Anschluss an die Verkündigung des Gerichtsurteils rauschte die RWE-Aktie in den Keller, landete auf einem Dreimonatstief, liegt nun als schlechtester Titel am Ende alle DAX-Werte und vernichtete fast eine Milliarde Euro an Anlegerkapital.

Der Rodungsstopp selbst wird sich nun mit einem "niedrigen dreistelligen Millionen Euro Betrag jährlich ab 2019" negativ in der RWE-Bilanz auswirken. Sollte es zu einem vollständigen Rodungsstopp kommen, soll der Verlust für RWE zwischen 4 Milliarden Euro und 5 Milliarden Euro betragen. Woher man das so genau weiß? Nun, genau diese Zahl hat der RWE-Vorstandsvorsitzende bei Maybritt Illner mit einer Mischung aus Genugtuung und Sündenstolz ausgeplaudert. Adressat dieses Menetekels war wohl die nordrhein-westfälische Politik, die angesichts dieses Schreckensszenarios weiterhin ausreichend Polizisten in den Wald schicken sollte. Ein vermeintliches Perpetuum Mobile wie sich im Nachhinein herausstellte.

Uneingeschränkte Unterstützung des Kurses erhielt der Konzern aus der eigenen Landesregierung in NRW. Der bis dato eher blasse NRW Innenminister Herbert Reul (CDU) witterte eine Chance, sich und den Rechtsstaat in Szene zu setzen und ließ Hundertschaften aufmarschieren, um ein paar Dutzend Aktivisten öffentlichkeitswirksam aus Baumhäusern zu befreien und den Wald für die Rodung zu säubern.

Für RWE gab es spätestens seit diesem Moment kein Zurück mehr. Überlegungen, das Moratorium zu verlängern oder Verhandlungen mit der Gegenseite zu beginnen, wurden in allen Krisensitzungen mit dem Hinweis vom Tisch gewischt, dass man die NRW-Landesregierung mit einem solchen Schritt schwer verärgern würde, nachdem sie sich doch so bedingungslos hinter die Ziele des Konzerns gestellt hatte.

Die Politik schickt Polizisten, damit RWE den Wald roden kann, woraufhin sich RWE genötigt sieht, den Wald zu roden, weil die Politik Polizisten geschickt hat. Es hat schon einen guten Grund, warum der Nobelpreis nicht in der Kategorie "BWL" vergeben wird.

Immer mehr zeichnet sich ab, dass sich Engagement und Widerstand lohnen. Die Aufmerksamkeit öffentlicher Demonstrationen bringt Unternehmen wie RWE in Bedrängnis und sorgt für Berichterstattung und Rückhalt in der Gesellschaft. Die Unterstützung von Naturschutz- und Hilfsorganisationen ermöglicht eine Professionalisierung juristischer und politischer Lobbyarbeit - immerhin war es die Klage des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), die das OVG Münster zu einem Stopp der Rodung bewegt hat - und der friedliche (!) Protest kann auch zu einem Umdenken auf Seiten der Polizei führen.

Und um mit einem Spruch der Nicaragua-Kaffee-Umweltschützer zu schließen: "Wir haben unsere Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern nur von unseren Kindern geliehen."

Ich glaube, das wär's für heute... (Stephan Anpalagan)

Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Das-war-es-also-mit-RWE-4186213.html?wt_mc=rss.tp.beitrag.atom


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Matthias Seifert
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