Zum von den USA geforderten Einsatz deutscher Bodentruppen in Syrien: „Politiker und Journalisten, schickt ihr als erste eure Töchter an die Front!“

Willy Wimmer zum Ruf nach deutschen Bodentruppen in Syrien

Das Imperium ruft nach deutschen Soldaten. Diesmal sollen sie als Bodentruppen in Syrien eingesetzt werden. Da spielt es keine Rolle, dass es sich bei Syrien um ein souveränes Land handelt. Niemand kann sich darauf zurückziehen, eine entsprechende Einladung der legitimen syrischen Regierung auf Einsatz der deutschen Bundeswehr erhalten zu haben. Die Charta der Vereinten Nationen spielt keine Rolle, obwohl diese die einzige Legitimation neben der Anforderung von Hilfe zur Selbstverteidigung darstellen würde. Das ist nicht irgend etwas.

Die Charta der Vereinten Nationen ist die Legitimation für den Einsatz militärischer Gewalt, die der Zweite Weltkrieg für Kriege gleichsam übriggelassen hatte. Zu groß waren die Verheerungen durch diesen Krieg, als dass man hätte zur Tagesordnung übergehen können und nach dem Ende dieses Krieges mit den alten Gewohnheiten und Praktiken zur Kriegführung hätte weitermachen können. Die Charta der Vereinten Nationen stellt insoweit einen zivilisatorischen Zugewinn im Interesse der gesamten Menschheit dar. Mit und seit dem Krieg 1999 gegen Jugoslawien haben die USA das Rückgrat der Charta der Vereinten Nationen systematisch gefleddert. Die Einhegung des Krieges ist nicht mehr das Ziel. Kriegführung im Interesse der Vereinigten Staaten ist die Aufgabe und da das eigene Potential entweder geschont werden soll oder nicht mehr reicht, soll jetzt die Bundeswehr an die Front.

Es ist absolut erforderlich, sich die sicherheitspolitischen Richtlinien des amerikanischen Präsidenten in diesem Zusammenhang im wahrsten Sinne zu Gemüte zu führen. Danach ist Krieg daran gebunden, dass er im amerikanischen Interesse geführt wird. Die Charta der Vereinten Nationen spielt dabei keine Rolle, kommt darin als Schlüsselelement nicht vor. Wir sind damit durch die Umsetzung der amerikanischen Interessenlage und unter Verzicht auf den zivilisatorischen Zugewinn durch die Charta der Vereinten Nationen wieder dort angekommen, wo am 1. September 1939 der deutsche Krieg gegen Polen begann. Die bevorstehenden Erinnerungstage werden Anlass genug geben, sich über alle Überlegungen in diesem Zusammenhang auszutauschen. Dazu hat das amerikanische Vorgehen zum Verzicht auf die Restriktionen der Charta der Vereinten Nationen geführt. Die ganze Dimension der Erinnerung wird allerdings in Zukunft – anders als in den vergangenen Jahrzehnten – davon bestimmt sein, dass aus inzwischen sehr durchsichtigen Gründen auf die „Schlüsselerinnerung an Versailles“ im Westen bei den Tätern feige verzichtet worden ist. Es ging und geht um zwei oder drei Überlegungen bei unseren „Freunden“: entweder die Nutzung des deutschen Potentials im eigenen Interesse oder die Vernichtung Deutschlands, wenn das nicht gelingen sollte. Schon im Ersten Weltkrieg sollte Deutschland seine Bestimmung in der Vernichtung Russlands finden. Das ist heute nicht anders oder des Iran oder im Kampf gegen China.

Die derzeit noch im Amt befindliche Vorsitzende der CDU, Frau Annegret Kramp-Karrenbauer, hat vor ihrer Reise nach Israel nach Presseberichten der französischen Seite für ihre Kolonialkriege mittels der EU schon mal in Aussicht gestellt, auf den Parlamentsvorbehalt zum Einsatz der Bundeswehr zu verzichten. Das ist das Signal an Washington, das für die NATO und damit amerikanische Interessen gleich mit zu erledigen. Dann sind wir endlich da, wo man uns seit Jahrzehnten hin haben wollte. Wir werden dann aus der Zeitung erfahren, wo unsere Soldaten eingesetzt werden. Auch das wurde deutlich, als die CDU-Vorsitzende ihre Reise antrat. Da wurde wieder etwas zur deutschen Staatsraison erklärt, obwohl wir ein Grundgesetz haben. Zeitgleich ließ sich bei einer internationalen Konferenz ein ehemaliger Mossad-Chef nach Presseberichten vernehmen, dass sein Land an Frieden aus innenpolitischen Gründen kein Interesse habe.

Willy Wimmer, 6. Juli 2019

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Pleisweiler Gespräch vom 21.6.2014 mit Willy Wimmer zum Thema:

“Die Bundeswehr des Grundgesetzes und die NATO als Aggressionsbündnis. Passt das zusammen?”

Kommentar von Rudolf Hänsel

Das Imperium ruft nach deutschen Soldaten in Syrien
Politiker und Journalisten, schickt ihr als erste eure Söhne an die Front!
Von Rudolf Hänsel

Seit ein paar Tagen wird unter deutschen Politikern und Journalisten die Frage diskutiert, ob deutsche Soldaten US-amerikanische Bodentruppen in Syrien ersetzen sollten. Das Ganze auf Wunsch des Hegemons. Es wäre ja nur eine Aufstockung des bisherigen Engagements der Bundesregierung, die sich bereits seit Jahren mit Aufklärungs-Tornados und Ausbildungsoffizieren an diesem verheerenden Stellvertreterkrieg in Syrien beteiligt. Kampfeinsätze der deutschen Bodentruppen seien nur für den Ernstfall vorgesehen. Es ginge vor allem um ein sichtbares Zeichen militärischer Solidarität mit der US-Kriegsmaschinerie.

Nun werden sich die deutschen Politiker nicht allzu schwer tun, dieses verlockende „Angebot“ des Imperiums anzunehmen und solidarisches Handeln unter Beweis zu stellen. Die taumelnden Sozis und regierungsgeilen Grünen haben bereits im Jahr 1999 in Ex-Jugoslawien und auch später als „Mitglieder der Koalition der Willigen“ ihre „Kameradschaftlichkeit“ hinreichend unter Beweis gestellt. Die sogenannten christlichen Unionisten werden sicher auch keine Gewissensbisse plagen, wie die Beteiligung am imperialen Krieg und Völkermord der USA im Jemen, der von einer saudi-arabischen Kriegskoalition geführt wird, zeigt.

Jetzt hätte ich einen Vorschlag, der vielleicht so manchem Politiker und Journalisten als Entscheidungshilfe dient:

„Ihr Politiker und Journalisten, die ihr diesem unsäglichen Wunsch des Imperiums gerne nachkommen und euch dem Hegemon andienen wollt und die ihr immer wieder bereit seid, euch an der Schaffung von Feindbildern, an Kriegshetze und Kriegen zu beteiligen, geht ihr voran und schickt als erste eure Söhne und Enkelkinder an die Front in Syrien!

Stimmt ihr auch dann noch für einen Kriegseinsatz im souveränen Syrien oder in Mali oder Afghanistan oder sonst wo in der Welt, wenn eure Söhne und Enkelkinder nach Monaten oder Jahren im Zinksarg oder schwer verwundet im Lazarettflugzeug in die Heimat zurückkommen und an unerträglichen Kriegs-Traumata leiden, dann bin auch ich bereit, darüber nachzudenken, ob ich meinem Sohn oder meinem Enkel empfehle, sich an diesem Wahnsinn zu beteiligen.“

Natürlich weiß ich, dass viele Politiker aus der ersten Reihe gar keine Kinder mehr in die Welt setzen. Vielleicht deshalb, weil sie nicht erleben wollen, dass ihre Söhne und mittlerweile auch Töchter sowie ihre Enkelkinder einmal auf dem „Feld der Ehre“, beziehungsweise den Schlachtfeldern der Welt, hingeschlachtet werden. Für alle diejenigen, die nicht wissen, was Krieg bedeutet, wäre es eine einzigartige Gelegenheit, das in Erfahrung zu bringen. Falls sie selbst noch jung genug sind, könnten sie sich auch selbst an die Syrien-Front melden. Dieses Modell empfehle ich ebenso anderen Regierungen. Hat nicht Präsident Trump auch stramme Söhne und einen Schwiegersohn?

Der Dichter und Idealist Agénor Clerambault, Protagonist im Anti-Kriegsroman des französischen Literatur-Nobelpreisträgers Roman Rolland, war vor dem Großen Krieg 1914 zunächst auch Kriegsbefürworter. Er wandelte sich erst dann zum entschiedenen Kriegsgegner, als sein Sohn, den er zuvor begeistert in die mörderischen Schlachten schickte, auf diesem Feld der Ehre fiel.

Das war vor über 100 Jahren. Es lohnt sich – gerade auch für viele Politiker und Journalisten – sich noch einmal in aller Ruhe in die damalige Zeit der Kriegshysterie, einem „Phänomen kollektiver Pathologie“ (Roman Rolland) einzulesen, und sie mit der heutigen zu vergleichen. (Siehe auch: NRhZ Nr. 513 vom 03.06.2015)

Dr. Rudolf Hänsel ist Erziehungswissenschaftler und Diplom-Psychologe


https://www.nachdenkseiten.de/?p=53198

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PS: Das Wort „Töchter“ in der Überschrift ist von mir hineingefälscht. Im Original heißt es Söhne. Der Artikel geht über die Tatsache hinweg, dass auch Frauen in der Bundeswehr das Handwerk lernen, das Tucholski so treffend bezeichnet hat. MS 

Martin Sonneborn vorgestern bei FridaysForFuture an den Rheinwiesen in Neuss

Liebe Schüler hier in Dings, liebe Insassen von Nordrhein-Westfalen, ich grüße alle Schulleugner und Klimaschwänzer! 

Ich bin eigentlich hierher gekommen, um mich zu entschuldigen. Wir im EU-Parlament haben unter der Leitung von Dr. Axel Votz das Internet kaputtgemacht – mit Artikel 13. 

Wenn aber das Internet nicht mehr geht, müssen die Kinder raus an die frische Luft. Und deswegen dürfen wir jetzt nicht auch noch das Klima kaputtmachen. Obwohl ich persönlich natürlich für den Klimawandel bin. Ich bin Klimawandel-Profiteur, ich wohne in Belgien, da wird es jetzt schön warm und trocken.

Wenn ich zurückdenke an meine eigene Schulzeit, werde ich ganz sentimental: Wir hatten ja nichts damals nach dem Krieg, keine Hausaufgabenhilfe im Internet, kein WhatsApp - nicht einmal gute Noten. 

Und auch keinen Missbrauch, obwohl ich eine Schule in kirchlicher Trägerschaft besuchte. (Harald Schmidt hat einmal gesagt, wir seien früher einfach zu hässlich gewesen; er hat wohl Recht.) 

Andererseits hat das auch niemals etwas ausgemacht. In diesem Land kann man selbst ohne Abitur Influencer werden, Taxifahrer (wie Joschka Fischer seinerzeit) oder mit miesem Abi-Durchschnitt Bundesvorsitzender einer obskuren, populistischen Partei namens Die PARTEI, wie ich selbst. 

Ich hatte einen Notenschnitt von 3,6, aber ich rede nicht drüber.

Ihr seid heute hier, weil ihr ein gewisses Interesse an der Zukunft habt. 

Dieses Verhalten erscheint mir nachvollziehbar, zumal in eurem Alter. Für mich ist so eine Umgebung allerdings eher ungewohnt. 

An meinem Arbeitsplatz im Europäischen Parlament habe ich oft mit Personen zu tun, die diese Lebensphase überwunden haben - und ihre Zukunft schon hinter sich. 

Diese Leute können sich allenfalls auf eine Maßnahme gegen die globale Erwärmung verständigen: Zahl und Höhe der Weltklimagipfel müssen steigen. Idealerweise schneller als der Meeresspiegel. 

Was die Reduzierung von Treibhausgasen betrifft, verfährt man dort nach dem Motto: Ja, es stimmt, Erdöl und Kohle sind klimagefährdend. Deshalb muss man sie so lange verbrennen, bis davon nichts mehr übrig ist.

 Ich will euch hier nicht Honig um den Bart, also um die Milchbärte schmieren. Das kann die Bundeskanzlerin besser. Frau Merkel regiert seit fast 14 Jahren und findet es toll, dass jetzt endlich mal jemand gegen ihre Politik protestiert.

Statt plumper Schleimerei – Ihr dürft ja sowieso alle noch nicht wählen, Smiley! - habe ich eine Anregung. Denn irgendwo habe ich gelesen, dies sei die letzte Klimademo vor der Sommerpause. 

Sommerpause? Wozu? 

Klar, die Schule zu bestreiken ist in Ordnung und hat euren Anliegen viel Aufmerksamkeit gebracht. Aber der konkrete Klimaeffekt ist doch eher gering. Er beschränkt sich darauf, dass weniger Kohlendioxid frei wird, wenn ihr im Geschichtsunterricht nicht dauernd gähnt.

Mein Vorschlag ist, auch die Ferien zu bestreiken. 

Keine Sorge: Das bedeutet nicht, dass ihr in dieser Zeit zur Schule gehen sollt. 

Sondern folgendes: Laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen hat sich die Anzahl von Flugpassagieren, die jünger sind als 30 Jahre, im vergangenen Jahrzehnt um fast die Hälfte erhöht. So stark ist keine andere Jetsetter-Altersgruppe gewachsen. 

Darunter sind wahrscheinlich sehr viele Schüler, die von ihren Eltern in den Ferien zu Flugreisen gezwungen werden. 

Urlaubsstreiks würden dem Klima konkret helfen. Es gibt da Tricks. Man kann Flugtickets und Reisepässe verbummeln. Was spricht eigentlich gegen eine plötzlich auftretende Übelkeit am Abreisetag? 

Wer optimistisch ist, versucht seine Familie davon zu überzeugen, dass es nicht unbedingt New York sein muss. Es gibt auch prickelnde Orte, die man von Düsseldorf aus mit dem Fahrrad erreichen kann, zum Beispiel Leverkusen, Köln, Krefeld oder Grevenbroich. 

Ein Insidertipp für die etwas Älteren: Statt auf Mallorca kann man sich auch in der Fußgängerzone von Herne gepflegt betrinken – und, ganz ehrlich, in Herne gibt es mehr Gründe dafür. 

Wer unbedingt eine Auslandsreise in eine exotische, fremdartige Welt unternehmen will, fährt am besten nach Ostdeutschland, und zwar, auch wegen der Abenteuerfaktors, mit der Bahn.

Jetzt aber geht hinaus in die Welt - bzw. in die Fußgängerzone von Herne - meidet Winnenden und Erfurt, lacht über den dummen Verkehrsminister Andy B. Scheuert und „Fotzenfritz“ Merz, studiert das Leben, macht Euch nicht zuviel Stress. Sucht gelassen und in aller Ruhe etwas, das Euch Spaß macht und das man später zu einem ordentlichen Beruf ausbauen kann. Geht nicht zu „Germany’s next Top Model“ oder „Deutschland sucht den SuperDepp“! Benehmt Euch und achtet die Gesetze! Seid höflich zu alten Leuten und grüßt selbst den hessischen Kultusminister Lorz – der gerade härtere Strafen für Schulschwänzer angedroht hat - , wenn Ihr ihn später mal mit seinem getunten Rollator auf der Straße trefft. 

PS: Und noch ein Gruß an den hessischen Kultusminister: Lorz, wir wissen, wo Dein (vermutlich überdimensioniertes) Auto steht...

Zum Abschluss noch zwei Positionen der PARTEI, die für Schüler und Studenten interessant sein könnten:

G1-Schulsystem

Abiturvorbereitungen und -prüfungen sind viel zu langwierig und aufwendig geworden, deshalb fordern wir die Wiedereinführung des Notabiturs: Schüler werden Anfang Juni eine halbe Stunde an der Tafel geprüft, die Lösungen werden vorher im Internet veröffentlicht. Anschließend: chillen.

Elitenförderung

Bologna, Bachelor, Master – der ganze verschulte Quatsch wird abgeschafft. Studenten sollen wieder in Ruhe 15 Semester studieren und Zeit haben, sich politisch und gesellschaftlich zu interessieren. Merke: Unter 30 sollte man sich vor geregelter Arbeit drücken!

Martin Sonneborn über den Alltag in Brüssel (2.3.2019)

„Es gibt viele Leute, die ich nicht grüße, obwohl ich wohlerzogen bin“

Foto: Thierry du Bois/laif

Brüssel Der frühere Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ im Europaparlament – kann das gut gehen? Ein Gespräch über fünf Jahre in Brüssel, Arschlöcher im Plenum, Uploadfilter und den nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul.

Dieses Gespräch ist ein Experiment. Kann es eine Berechtigung haben, sich über das erfolgreichste Friedensprojekt der Geschichte, die Europäische Union, lustig zu machen? Seit fünf Jahren sitzt der Satiriker Martin Sonneborn für die Partei „Die PARTEI“ im Europäischen Parlament. Er soll uns diese Frage beantworten und tritt erstaunlich ernsthaft auf. Doch zur Begrüßung fragt er seine beiden Gäste erst einmal: „Wer ist der Redakteur, wer der Praktikant?“

Herr Sonneborn, ist die EU ein Witz?

SONNEBORN (räuspert sich) Auf keinen Fall. Sie hat natürlich viele komische Aspekte, aber sie ist kein Witz. Sonst würden wir uns auch nicht so ernsthaft mit ihr auseinandersetzen.

Weshalb eignet sich das EU-Parlament für die satirische Betrachtung?

SONNEBORN Es war nicht mein dezidiertes Vorhaben, im EU-Parlament zu sitzen, das Mandat kam ja überraschend für uns. Und jetzt arbeite ich halt mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln, die ich bei „Titanic“ und „Heute Show“ gelernt habe.

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