Helden

Sigmund Jähn und der ESA-Astronaut Alexander Gerst © Jörg Carstensen/dpa


Auszug:

Sigmund Jähn hat nach der Wiedervereinigung vor allem ein privates Leben geführt. Und er ist immer wieder auf Kollegen getroffen, die ihm geholfen haben, sich für ihn eingesetzt haben. Alexander Gerst zum Beispiel. Der Astronaut, der im Moment als erster Deutscher und zweiter Westeuropäer überhaupt eine ISS-Mission leitet, nennt Jähn seinen Freund. Als er im Jahr 2014 seinen ersten Weltraumflug antrat, hat Gerst ein Abzeichen, das er irgendwo in einem verstaubten Andenkenladen in Sibirien gefunden hatte und auf dem Waleri Bykowski und Sigmund Jähn zu sehen sind, als eine Art Talisman mit ins All genommen, in ein Fenster der Raumstation gelegt und ein Foto gemacht, das er dem älteren Kosmonautenkollegen hinterher geschickt hat. Zu Weihnachten hat er ihm dann geschrieben: "Es war mir eine große Ehre und Freude, auf deinen Schultern in den Weltraum zu fliegen! Dein Freund Alex". Gerst also scheint ganz bewusst eine Traditionslinie zwischen sich und Sigmund Jähn zu ziehen, eine Linie, die es offiziell eigentlich nicht geben darf und die deshalb umso wichtiger ist. Jähn jedenfalls zeigt mir stolz das Foto von Gerst und auch sein Schreiben. Ich kann ihm ansehen, wie glücklich ihn die Gesten des Jüngeren machen. Der in Franken geborene Gerst war zwei Jahre alt, als Jähn flog; er war 13, als die Mauer fiel.

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