Haim Schwarczenberg, https://schwarczenberg.com . "Full name and blog URL address" must be cited when the photo is used anywhere. • CC BY-SA 4.0
Berichte von junge Welt und Wikipedia
Ahed Tamimis Vater Bassem äußerte sich im Gespräch mit jW kritisch über die »etablierte« Solidarität mit dem palästinensischen Volk:
»Der Neokolonialismus will die Palästinenser zu Opfern machen, so dass sie nur durch Mitleid unterstützt werden. Ich weiß, dass uns viele Europäer gefühlsmäßig unterstützen, aber die Staaten sind proisraelisch eingestellt. Deutschland schickt den Palästinensern finanzielle Unterstützung für Essen, aber die Israelis bekommen U-Boote für ihre Armee.
Der Kapitalismus will, dass ihr zufrieden damit seid, dem verwundeten Palästinenser einen Rollstuhl zu bringen. Aber eure Verantwortung ist, die Besatzung zu beenden, so dass der Palästinenser gar nicht angeschossen wird. Ihr kommt, um das Resultat und nicht die Ursache des Problems zu lösen! Niemand spricht über die Besatzung an sich, sondern über die Checkpoints, die Mauer, die Siedlungen usw. Aber das ist nicht das Problem, es ist nur eine Form des Problems.
All die Projekte, die im Westjordanland gestartet wurden, sind dazu da, das palästinensische Leben nur erträglicher zu machen. Ich brauche keine Autobahn von Nabi Saleh bis Ramallah, mit schnellem Transport und einem Checkpoint. Ich brauche nur einen kleinen Pfad und einen Esel, ohne Checkpoint. Ich will nicht, dass Sie mir helfen, eine Genehmigung für Jerusalem zu bekommen. Ich will ohne Genehmigung dorthin gehen können. Ich will nicht die Erlaubnis haben, beim Prozess gegen mein Kind anwesend zu sein. Ich will, dass der Prozess gar nicht stattfindet.
Als wir in 2017 in Südafrika waren, haben wir einen Dokumentarfilm über die Zustände in Nabi Saleh gezeigt. Nach dem Film haben viele geweint. Ahed hat eine kurze Rede gehalten: ›Danke für eure Tränen, aber wir haben viele Tränen wegen des Tränengases vergossen. Wegen der Würde meines Mutterlandes und der Würde meines Volkes mag ich es nicht, bemitleidet zu werden. Ich bin kein Opfer, sondern eine Freiheitskämpferin. Und wenn ihr uns als Freiheitskämpfer seht, die für ihre Rechte kämpfen, könnt ihr uns wirklich unterstützen. Wenn ihr uns als Opfer sehen wollt, brauchen wir euer Geld nicht. Eure Armen verdienen euer Geld mehr als wir.‹
Das ist die wichtigste Lektion, die mir meine Tochter erteilt hat. Ich brauche euch, damit ihr mit mir in den Kampf geht und die Besatzung beendet. Das Problem ist nicht Israel, Israel ist nur der Schatten des Problems. Israel ist die Wache und der Eingang zum Markt des Imperialismus, des Kapitalismus, der Militärindustrie. Die westlichen Mächte wie die USA und Europa brauchen Israel und seine spezielle Rolle als Kolonialmacht im Nahen Osten.i» (ff)