Deutschtürkinnen und -türken haben gewählt

Wo die meisten Deutschtürken für Erdogan stimmten

Die Türkei im Wandel - dazu trugen auch die Deutschtürken bei. Sie sprachen sich bei dem Referendum mit deutlicher Mehrheit für Erdogans Präsidialsystem aus. Die Hochburg der „Ja“-Sager liegt im Ruhrgebiet.

Das Votum der in Deutschland lebenden Türken fiel deutlich aus: In allen 13 Generalkonsulaten, denen die Wahlberechtigten in Deutschland zugeordnet sind, stimmten mehr Menschen für die umstrittene Verfassungsänderung von Recep Tayyip Erdogan als dagegen.

Fast zwei Drittel der abgegebenen gültigen Stimmen wiesen ein „Ja“ aus - 63,07 Prozent oder 412.149 in absoluten Zahlen. Zur Erinnerung: Insgesamt erhielt Erdogan nur 51,3 Prozent Ja-Stimmen.

Mit „Nein“ votierten nach dem vorläufigen Ergebnis der türkischen Wahlkommission 36,93 Prozent (241.353) der Deutschtürken. Die Wahlbeteiligung lag hierzulande bei knapp unter 50 Prozent.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen konnte Erdogan überdurchschnittlich viele Befürworter mobilisieren. Allein im Konsulat Essen gaben drei von vier Wählern (fast 76 Prozent) eine „Ja“-Stimme ab, wie die regierungsnahe Zeitung „Daily Sabah“ online angibt. Demnach lag das Ergebnis der Anhänger Erdogans im türkischen Konsulat von Düsseldorf bei etwa 70 Prozent, in Köln und Münster bei 64 Prozent.

Am knappsten war der Ausgang in Berlin, hier stimmte laut „Daily Sabah“ fast jeder Zweite gegen einen stärkeren Einfluss Erdogans auf die türkische Politik.

Insgesamt gab es beim Referendum rund 58,2 Millionen Wahlberechtigte - 55,3 Millionen in der Türkei und 2,9 Millionen im Ausland.

Die Auslandstürken hatten bereits zuvor gewählt und sich laut Anadolu mit 59,09 Prozent mehrheitlich für das von Erdogan angestrebte Präsidialsystem ausgesprochen, in Deutschland sogar mit ebenjenen 63,1.

In einigen anderen Ländern lag die Zustimmung zum geplanten Präsidialsystem in der Türkei noch über dem „Ja“-Anteil der Türken in Deutschland:

Belgien: 75,0 Prozent „Ja“, 25,0 Prozent „Nein“

Österreich: 73,2 Prozent „Ja“, 26,7 Prozent „Nein“

Niederlande: 71,0 Prozent „Ja“, 29,0 Prozent „Nein“

Frankreich: 64,85 Prozent „Ja“, 35,15 Prozent „Nein“

Das „Nein“ überwog in (Auswahl):

Tschechien: 87,5 Prozent „Nein“, 12,5 Prozent „Ja“

Vereinigte Arabische Emirate: 86,7 Prozent „Nein“, 13,3 Prozent „Ja“

Bahrain: 86,4 Prozent „Nein“, 13,6 Prozent „Ja“

USA: 83,8 Prozent „Nein“, 16,2 Prozent „Ja“

Großbritannien: 79,8 Prozent „Nein“, 20,3 Prozent „Ja“

Bulgarien: 71,35 Prozent „Nein“, 28,65 Prozent „Ja“

Aserbaidschan: 61,7 Prozent „Nein“, 38,3 Prozent „Ja“

Australien: 58,2 Prozent „Nein“, 41,8 Prozent „Ja“

Zwar war das Votum der Auslandstürken deutlicher als das in der Türkei, entscheidend ins Gewicht aber fiel es nicht. Betrachtet man nur die Stimmen der Inlandstürken, so würde das “Ja“-Lager immer noch mit 51,18 Prozent gewinnen. Die Stimmen der Auslandstürken entsprachen rund fünf Prozent der Wahlberechtigten.

Das von Erdogan angestrebte Präsidialsystem bündelt alle exekutive Macht beim Präsidenten. Die Opposition warnte vor einer Ein-Mann-Herrschaft. Erdogan versprach dagegen Stabilität und Sicherheit, sollte das Präsidialsystem eingeführt werden.

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Quelle: https://www.welt.de/politik/ausland/article163763797/Wo-die-meisten-Deutschtuerken-fuer-Erdogan-stimmten.html