Besser als Kreditkarten, schlechter als Bargeld

Apple Pay und der Datenschutz: Wer weiß was über unsere Einkäufe?

Simple Aktivierung, schnelle Bezahlvorgänge – Apple Pay ist praktisch. Aber wie steht es um den Datenschutz des Zahlungsdienstes? Wir erklären, wer welche Daten unserer Einkäufe bekommt.

Mit mindestens drei Parteien haben wir es zu tun, zahlen wir Milch, Butter, Schmuddelromane, Schwangerschaftstests und Inkontinenz-Tabletten an einer Kasse über Apple Pay: Mit dem Händler, mit Apple, mit der Bank und/oder dem Kreditkartenanbieter. Und wer erfährt nun angesichts des Schwangerschaftstests, dass Nachwuchs im Haushalt anstehen könnte? Wer wird mit Werbepost gleich den ganzen Haushalt darüber informieren?

Vorab: Die Grundlagen von Apple Pay besprechen wir in diesem Video:

Infos zum Konto bei N26 mit kostenloser Kreditkarte *

Datenschutz bei Apple Pay: Das weiß der Händler

Der Händler vor Ort weiß, dass eben ein Schwangerschaftstest über den Strichcode der Kasse gezogen wurde. Er weiß aber nicht, wer wir sind und wo wir wohnen. Diese Daten, sogar die Kreditkartennummer, bleiben dem Shop unbekannt: Die Transaktion wird über eine Gerätekontonummer und einen variablen Code zwischen Apple Pay und dem Händler durchgeführt.

Verräterische personalisierte Werbung für Babywindeln kann also nicht im Briefkasten landen. Ausnahmen: Bei Verwendung einer Kundenkarte (er)kennt uns der Händler. Und bei Online-Käufen muss der Versandhändler natürlich zwangsläufig die Adresse erfahren.

Datenschutz bei Apple Pay: Das weiß Apple

Die Kreditkartennummer speichert auch Apple nicht – das bestätigen die an Apple Pay teilnehmenden Banken. Der Bezahlvorgang wird eben über die oben genannte, von der Bank erstellte Nummer realisiert. Transaktionsdaten, die Rückschlüsse auf die Person zulassen, speichert Apple laut eigenen Angaben nicht. Die einzelnen Produkte im Einkaufswagen erfährt das Unternehmen erst recht nicht.

Für die Identifikation von Geschäftsstandorten kann Apple allerdings die Ortsdaten verwenden. Die Übertragung an Apple erfolge laut Anbieter anonym. Ausschalten kann man das, indem man in den iOS-Einstellungen -> Datenschutz -> Ortungsdienste die Ortsdaten für die Wallet-App ausschaltet. Bei uns waren sie bereits ausgeschaltet – ob das die Standardeinstellung ist, können wir nicht sicher sagen.

Datenschutz bei Apple Pay: Das weiß die Bank

Die Bank ist (zwangsläufig) etwas schlauer: Sie weiß, in welchem Geschäft wir zu welchem Betrag und welchem Zeitpunkt eingekauft haben – wie auch bei einem Einkauf mit einer Bankkarte. Die einzelnen Produkte kennt sie nicht. Doch noch ein paar weitere Informationen erhält das Geldinstitut über Apple Pay, um die Verknüpfungen bei der Einrichtung des Zahlungsdienstes vornehmen zu können: Geräte-ID inklusive Modellnummer, Ort, Vertrauenswürdigkeit (die nimmt Apple aus der Nutzung des Gerätes vor, zum Beispiel, ob schon länger iTunes-Käufe getätigt wurden), sowie die Telefonnummer zur Sicherheitsprüfung. Zudem muss man Name und Rechnungsadresse angeben.

Sicherheit und Datenschutz von Apple Pay – Fazit

In Sachen Datenschutz will Apple bei dem Zahlungsdienst als Klassenprimus erscheinen – und hat in der Tat gute Arbeit geleistet. Die „echten“ Kreditkartendaten bekommen weniger Beteiligte als bisher zu Gesicht, Apple selbst hält sich beim Sammeln von Daten vornehm zurück. Genau dadurch will man sich von Google Pay unterscheiden: Die Konkurrenz nimmt sich das Recht, Einkaufsdaten für personalisierte Werbung zu verarbeiten. Bei Apple Pay braucht man nicht befürchten, Werbung für Windeln zu bekommen, nur weil man in einer Drogerie einen Schwangerschaftstest gekauft hat.

Und wie steht es um die Sicherheit? Die Bezahlung über Apple Pay ist zunächst einmal vergleichbar mit der einer NFC-Bankkarte. Im Gegensatz zu einer Kreditkarte kann ein Dieb mit einem gestohlenen iPhone allerdings nicht bezahlen, wenn er den Zugangscode nicht kennt. Die sicherheitsrelevanten Daten sind auf dem iPhone in einem gut geschützten Bereich abgelegt, Apps können sie nicht auslesen. Die jahrelange Nutzung in den USA bescheinigt ein hohes Sicherheitslevel mit weniger Betrugsfällen als bei Bankkarten.

Freilich: Bargeld ist anonymer. Wer Kartenzahlungen ablehnt, für den ist Apple Pay ebenso nichts.

...

Quelle: https://www.giga.de/extra/apple-pay/specials/apple-pay-und-der-datenschutz-wer-weiss-was-ueber-unsere-einkaeufe/


Anmerkung von mir: Es spricht viel dafür, bei Apple Pay eine konfigurierbare Debitkarte wie etwa die oben beschriebene von N26 zu nutzen.

Gute Nachrichten! Endlich hat die Milliarden-Steuerhinterziehung via Cum-Ex juristische Folgen!

Sitz der Maschmeyer Group in der ehemaligen Villa Ebeling an der Hindenburgstraße Nr. 42 in Hannover-Zoo
Christian  A. Schröder (ChristianSchd) • CC BY-SA 4.0

Die Staatsanwaltschaft ermittelt!

Oh, Sekunde, ich sehe gerade: Nicht gegen die Bankster, sondern gegen den Chefredakteur von Correctiv. Ja gut, äh, der ist ja auch offensichtlich der Bösewicht hier. Der hat schließlich…

Er habe Banker angestiftet, Geheimnisse zu verraten.
Und DAS geht ja mal GAR nicht! Leute dazu anstiften, kriminelle Machenschaften aufzudecken? Na hör mal! Wo kommen wir da hin?! Sowas macht nur Ärger.

Gut, immerhin ist das Verhalten konsistent. Beim Dieselskandal gehen sie ja auch nicht gegen die Autobauer vor sondern gegen die Umwelthilfe.

Correctiv hat einen offenen Brief dazu veröffentlicht.

Der Paragraph, gegen den die verstoßen haben sollen, ist übrigens aus dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, und ist eigentlich für Industriespionage gedacht. Anstiftung zum Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. Kannste dir gar nicht ausdenken, sowas. Ist das überhaupt anwendbar, wenn der Angeklagte aus einer ganz anderen Branche kommt? Dann ist das ja kein Wettbewerb und kann daher auch kein unlauterer Wettbewerb sein.

Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=a2f1738e

(via Mr. Reader)

Immerhin wissen wir jetzt, was das Geheimnis des Geschäfts der Banken ist. 

Krone-Schmalz: „Ich empfinde das als unverhohlene Kriegshetze“

Gabriele Krone-Schmalz (2018)

Nach dem Vorfall im Asowschen Meer haben Medienvertreter für eine härtere Gangart gegenüber Russland plädiert. Im Presseclub wurde selbst von einer „militärischen Option“ gesprochen. Die ehemalige Russlandkorrespondentin der ARD, Gabriele Krone-Schmalz, ordnet im NachDenkSeiten-Interview die aktuelle Entwicklung zwischen der Ukraine und Russland ein und kritisiert die „aggressive Grundstimmung“, die in den Medien vorherrscht. Von Marcus Klöckner.


Frau Krone-Schmalz, Die Lage zwischen der Ukraine und Russland hat sich mit dem Vorfall im Asowschen Meer zugespitzt. Wie haben Sie den Vorfall wahrgenommen?

In letzter Zeit lag der Focus der Berichterstattung nicht so sehr auf dem Thema Krim und das Asowsche Meer liegt ohnehin nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber es handelt sich natürlich um einen sehr sensiblen Punkt, der nach dem Bau der russischen Brücke über die Meerenge von Kertsch noch sensibler geworden ist. Danach hat sich die Lage insgesamt verschärft. Vor kurzem war im ukrainischen Parlament die Rede davon, dass diese Brücke beseitigt werden müsse und der Abgeordnete Igor Mossejtschuk, ein Nationalist und früher stellvertretender Kommandeur des berüchtigten Bataillons Asow hat vor dem Parlament sogar eine Sprengung der Brücke ins Spiel gebracht. Russland hat darauf offiziell reagiert und der russische Außenminister Lawrow hat deutlich gemacht, dass Russland diese Drohung sehr ernst nimmt. Es hat eine gewisse Logik, dass Russland nach dieser Vorgeschichte Schiffe der ukrainischen Marine, die sich der Brücke nähern, nicht so ohne weiteres passieren lässt, sondern auf einer Kontrolle besteht. Wie so oft ist der genaue Ablauf der Geschehnisse umstritten. Die ukrainische Seite beharrt darauf, nachts um 3 diese Schiffe angemeldet zu haben, die russische Seite sagt, es habe keinerlei Ankündigung gegeben und die ukrainischen Schiffe hätten auf Anruf nicht reagiert. Jedenfalls hat die russische Küstenwache eines dieser Schiffe gerammt und beschossen – das entsprechende Video haben die Russen ja selbst ins Netz gestellt – und alle drei schließlich aufgebracht und die Besatzung festgesetzt. Bei solchen Vorkommnissen stellen sich immer zwei Fragen: warum jetzt? Und wer hat welche Interessen?

Halten wir fest: Sowohl Russland als auch die Ukraine haben Interessen. Welche sind das?

Das Interesse Russlands mit Blick auf diese Geschehnisse ist es, sich die Bewegungsfreiheit im Asowschen Meer zu erhalten und natürlich die aufwendig gebaute Brücke zu schützen. Aber aus russischer Sicht kam dieser Vorfall zur Unzeit. Der G20 Gipfel stand bevor und in Zusammenhang damit ein Treffen zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten. Da sind solche Dinge höchst kontraproduktiv. Das Treffen wurde dann ja auch abgesagt. Damit sind wir bei den ukrainischen Interessen. Eine Begegnung zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten birgt für die Ukraine immer das Risiko, dass sich da zwei „Große“ ohne Einwirkungsmöglichkeiten der Ukraine einigen. Besser die reden nicht miteinander.

Welche Interessen hat der ukrainische Präsident Poroschenko noch?

Es gibt noch zwei wichtige Punkte. Der eine hat mit den bevorstehenden Wahlen in der Ukraine zu tun. Die Umfragewerte von Poroschenko sind dermaßen im Keller, dass er sich unter normalen Umständen keine Hoffnungen auf einen Wahlsieg machen kann. Es sei denn, er präsentiert sich als Retter. Es ist ja kein Zufall, dass er sich unmittelbar nach den Ereignissen im Asowschen Meer in Militäruniform kampfbereit auf Wahlplakaten zeigt. Das verhängte Kriegsrecht bildet den Rahmen, um unliebsame Konkurrenten fernzuhalten. Wie sollen die sich in Szene setzen, wenn großen Veranstaltungen und Demonstrationen enge Grenzen gesetzt sind und Berichterstattung noch weiter eingeschränkt wird, als sie es in der Ukraine ohnehin schon ist. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich Poroschenko mit seinem Wunsch, das Kriegsrecht für drei Monate auszurufen, im Parlament nicht durchsetzen konnte. Aus drei Monaten ist ein Monat geworden und statt landesweit gilt das Kriegsrecht „nur“ in den Gebieten, die an Russland grenzen plus zwei Gebiete im Süden der Ukraine, die weder eine Grenze mit Russland noch der Krim haben, nämlich Odessa und Nikolajew.
Der zweite Punkt hängt mit der im Bau befindlichen Gasleitung North Stream 2 zusammen, die durch die Ostsee direkt von Russland nach Deutschland führt, das heißt russisches Gas ohne Transit durch die Ukraine nach Westen leitet. Der ukrainischen Seite ist jede Zuspitzung recht, die im Kampf gegen North Stream 2 als Argument taugt. Damit soll der Druck auf Deutschland erhöht werden, dieser Energieleitung die politische Unterstützung zu entziehen. Das Interesse der Ukraine ist klar: einmal die nicht unerheblichen Transitgebühren und der Wunsch auch weiterhin eine Rolle beim Transport von russischem Gas spielen zu können.

Poroschenko hat Deutschland und die Nato um militärische Hilfe gebeten. Was halten Sie davon?

Gar nichts natürlich. Ich finde es auch mehr als bedenklich, wenn der Generalsekretär der NATO vor der Presse erklärt, man stehe fest auf Seiten der Ukraine. Warum eigentlich? Es gäbe eine Menge, was man der Ukraine in Bezug auf die Umsetzung bzw. Nichtumsetzung des Abkommens Minsk 2 vorwerfen kann. Es liegt bei weitem nicht nur an Russland, dass es da nicht voran geht. Auf jeden Fall ist Deeskalation angesagt und nicht weiteres Anheizen. Wohin soll das denn führen? Allein die Bitte um militärische Hilfe zeigt ein Maß an Verantwortungslosigkeit und Realitätsverlust, das für die Zukunft nichts Gutes ahnen lässt.

Manche Journalisten in Deutschland sind der Ansicht, man dürfe eine militärische Option nicht ausschließen – so war es vor kurzem im Presseclub zu hören. Wird hier mit Feuer gespielt?

Offen gestanden habe ich meinen Ohren nicht getraut, als ich das hörte und es fällt mir schwer, diese Entgleisung höflich zu kommentieren. Es handelt sich ja nicht um intellektuelle Spielerei, die im luftleeren Raum wirkungslos bleibt. Damit wird weiter an einer Eskalationsspirale gedreht, die eine unberechenbare Eigendynamik entwickeln kann. Das ist nun wahrlich nicht die Aufgabe von Journalisten. Aber das wäre ein eigenes Thema.

Was halten Sie von der Berichterstattung zur Ukraine und Russland in den vergangenen Tagen?

Es hat eine Phase gegeben, in der Politiker und Organisationen zu Wort kamen, die beide Seiten zur Mäßigung aufgerufen haben. Es war auch die Rede davon, man müsse erst einmal die genaue Sachlage klären. Wer hat da wen provoziert? Aber das war nicht von langer Dauer. Eine gewisse Nachdenklichkeit und Zurückhaltung wird mittlerweile überlagert von der Haltung: Wie lange will sich der Westen das russische Verhalten noch bieten lassen? Reagiert der Westen zu lasch mit Blick auf Russland? Ich empfinde das als unverhohlene Kriegshetze.

In dieser aggressiven Grundstimmung gehen auch die Details verloren, die man braucht, um Situationen real beurteilen zu können. Ja, die ukrainischen Hafenstädte am Asowschen Meer wie zum Beispiel Mariupol leiden unter der Situation, dass Schiffe, die ein- oder auslaufen wollen durch die russischen Kontrollen tagelange Wartezeiten einkalkulieren müssen. Dabei wird vergessen, dass die großen Einbrüche gleich zu Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine stattfanden, weil die beiden Industriestädte Donezk und Lugansk ausfielen. Das macht es nicht besser, hat aber nichts mit der Brücke über die Meerenge von Kertsch zu tun. Ja, diese Brücke verhindert, dass Schiffe, die höher als 35 Meter aus dem Meer herausragen, drunter her fahren können, aber soweit ich weiß, ist das in der Praxis bisher nicht vorgekommen. Es mussten allenfalls ein paar Antennen gekürzt werden, so ist zu hören, damit größere Schiffe passieren konnten.

Langer Rede kurzer Sinn: Es geht nicht darum, irgendetwas schön zu reden oder unter den Tisch fallen zu lassen. Aufgabe von Journalisten ist die kritische Beobachtung, aber nicht nur die einer Seite. Wer sich von vornherein zum Richter aufschwingt, sollte den Beruf wechseln.

Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=47748