Urheberrechtsrefrom: Über 150.000 „gekaufte Bots“ protestieren auf Deutschlands Straßen

Die heutigen europaweiten Proteste kommentiert der politische Geschäftsführer der Piratenpartei Daniel Mönch:

„Wir PIRATEN sind überwältigt, dass soviele Menschen heute ihren Protest gegen Uploadfilter auf die Straße getragen haben. Über 150.000 allein in Deutschland
sind friedlich durch die Städte gezogen. Insbesondere möchten wir den ehrenamtlichen Aktivisten von Savetheinternet.info (STI) danken, die die Demonstrationen, oft zusammen mit PIRATEN-Gliederungen, überall in Europa vorbereitet haben. Unser Dank gilt aber auch allen anderen, die in den letzten Wochen jede freie Minute dafür eingesetzt haben, dass dieser Tag zu einem Erfolg wird.

Die Behauptung von Daniel Caspary von der CDU/CSU, Demonstranten wären gekauft, ist eine einzige Unverschämtheit gegenüber den Demonstrierenden und vollkommen unrealistisch noch dazu. Selbst nach den Schätzungen der Polizei müssten allein die heutigen Proteste Millionen gekostet haben. Das liegt weit außerhalb der Mittel, welche den Aktivisten von STI oder der Piratenpartei zur Verfügung stehen.

Die Bilder vom heutigen Tag sind ein eindrucksvolles Signal an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Viele junge Menschen werden im Mai das erste Mal zur Wahl gehen. Ob Abgeordnete bei der Abstimmung für oder gegen Uploadfilter stimmen, wird für ihre Wahlentscheidung entscheidend sein.“

Jonathan Babelotzky, Bundesthemenbeauftragter der Piratenpartei für Urheberrecht und Uploadfilter sowie Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Bayern ergänzt:

„Es ist unglaublich, dass so viele Menschen in ganz Europa demonstriert haben. Das zeigt, hinter der Kritik an der Urheberrechtsreform stehen nicht nur wir Piraten, sondern inzwischen ein breites gesellschaftliches Bündnis. Als wir vor einem Jahr in München noch mit 10 Leuten an wenig interessierte Passanten Flyer verteilt haben, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass die Protestbewegung einmal so groß wird.“



https://www.piratenpartei.de/2019/03/23/urheberrechtsrefrom-ueber-150-000-gekaufte-bots-protestieren-auf-deutschlands-strassen/

Worum geht es eigentlich den Gelbwesten?

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Foto: Christian Schmeiser

Die Protestbewegung, wie sie sich selbst darstellt

Seit vier Monaten gibt es die Protest-Bewegung der Gelbwesten. Das nehme ich jetzt zum Anlass, eine Standortbestimmung zu versuchen, auch wenn sich natürlich die Gegenposition anführen lässt, dass der Zeitpunkt für eine quellenkritisch fundierte, unabhängige historische Position noch nicht gekommen ist.

Die Gelbwesten unter Beschuss

Natürlich lesen wir alle seit Monaten geballt Negativ-Meldungen über die Gilets jaunes in den reichweitestarken Medien. Nach der erneuten Eskalation am 16. März 2019 [1] (Acte 18), die Vergleiche mit der frühen "Sturm- und Drang"-Phase (Acte 1-4) herausfordert, beziehen die Gelbwesten erneut gehörig Prügel: Sie werden als gewalttätig, rechtsradikal und natürlich antisemitisch dargestellt [2], zudem - so ist zu lesen - rezipiert ein Großteil der Demonstranten regelmäßig fragwürdige "fake news" [3].

Darüber hinaus wird auch unablässig auf den permanenten Rückgang der Demo-Teilnehmer verwiesen [4], der angeblich mit der rückläufigen Unterstützung in der französischen Bevölkerung korrespondieren soll. Viele Kommentare stellen jetzt nach Acte 18 am 16. März die "bösen" Gelbwesten-Demonstrationszüge der "guten" Klimawandel-Demo am gleichen Tag gegenüber [5]. Telepolis-Redakteur Thomas Pany differenziert [6] diese antithetische Polarisierung so :

Man kann es auch so sehen: Die politischen Forderungen, die die Klimamärsche aufstellen, sind wie Sonntagsreden. Sie verpflichten zu nichts außer zu Bekenntnissen. Das ist für Politiker leicht zu erfüllen. Bei den Gelbwesten ist das anders, sie rühren mit ihren Forderungen an den Kern der Macht, sie wollen Macron weghaben, sie wollen eine andere Republik, direkte Demokratie, sie agieren eine Wut aus, die schmerzen soll.

Paris: Panik auf den Boulevards [7]

Steht hinter den thematisch im Wochen-Turnus wechselnden Negativ-Meldungen über die Gelbwesten eine ausgeklügelte Form der psychologischen Kriegsführung [8]? Diese Frage lässt sich zurzeit noch nicht beantworten.

Die Gelbwesten und ihre Unterstützer

Dessen ungeachtet gibt es natürlich auch Autoren, die die Gilets jaunes unterstützen. Der in den frühen Achtzigern in die USA emigrierte französische Journalist Gilbert Mercier hält [9] die Gelbwesten für "eine Revolte gegen den Neoliberalismus, der weltweit Reichtum und Macht in wenigen Händen konzentriert" (Mercier hat übrigens 2015 ein bemerkenswertes Buch mit dem Titel The Orwellian Empire [10] veröffentlicht, in dem er den Transformationsprozess des US-Imperiums in ein neuartiges "empire orwéllien" ab 1980 analysiert). Ähnlich sieht es auch der Politikwissenschaftler Ulrich Mies [11] in einer von ihm aktuell herausgegebenen Publikation [12]:

Die Gelbwesten in Frankreich sind ein Beispiel für eine reale Aufstandsbewegung gegen das marktradikale Regime Emmanuel Macrons.

Ulrich Mies

Florian Ernst Kirner geht in seinem Artikel Die Politik der Massen [13] noch weiter, wenn er die "gilets jaunes" in der Tradition der französischen Revolution sieht.

Vor Ort bei den gilets jaunes

Wie kann man denn nun eigentlich herausfinden, worum es den Gelbwesten wirklich geht? Mein Vorschlag: Nach Paris fahren und sie dort besuchen. Das habe ich in spontanen Aktionen dreimal gemacht: Am 8. Dezember 2018 (Acte 4), am 9. Februar 2019 (Acte 13) (siehe "Was ist los mit den Gelbwesten? [14]) und dann nochmal am 2. März 2019 (Acte 16). Meine dritte und bislang letzte "Stippvisite" bei den "gilets jaunes" ist der Ausgangspunkt für diesen Artikel.

Was auch hier zunächst wieder auffiel, war der hohe Frauenanteil bei den Gelbwesten. Auf dem obigen Eingangsfoto zum Artikel sind Gilets jaunes nach einer wilden und ziemlich lustigen Tanzeinlage auf den Champs-Élysées, die dem verzögerten Demo-Beginn voranging, zu sehen.

Die Aufnahme unten zeigt junge Demo-Teilnehmerinnen, die sich über die solidarische Unterstützung der Gelbwesten durch einen "wertkonservativen" Angehörigen der französischen Streitkräfte freuen.

Foto: Christian Schmeiser

Nun stellen die Gilets jaunes ihre Anliegen [15] nicht nur ins Internet [16], sie malen sie auf Transparente - und mit einem schwarzen Filzstift auch auf ihre gelben Rettungswesten.

Gegen den Neoliberalismus

Auf zahlreichen Transparenten machen die Gelbwesten deutlich, dass sie ihre Revolte gegen den Neoliberalismus in die Tradition der französischen Revolution und der Pariser Commune stellen. Plakattexte wie beispielsweise "1789 révolution bourgeoise - 2019 révolution prolétarienne" verdeutlichen, dass sie sich in einer historischen Tradition sehen.

Foto: Christian Schmeiser

Weitere Plakate verknüpfen die Eckdaten "1789" und "2018/2019" noch mit dem "Mai 1968" und vervollständigen damit die Chronologie und den damit verbundenen revolutionären Referenzrahmen. Auffällig ist, dass die Protestschilder der "gilets jaunes" eindeutig von eigener Hand auf Karton oder Transparent verfertigt sind.

Nirgendwo sind Demo-Plakate in perfektem Design zu sehen - damit bestätigt sich erneut der Eindruck des Authentischen im Sinne einer dezentral organisierten Graswurzelbewegung (eine von "außen gesteuerte" Farbenrevolution erscheint somit eher unwahrscheinlich).

Dementsprechend ist auch das "résistance"-Motiv auf vielen selbstgemalten Plakaten präsent. Ohne ein mutiges und ausdauerndes Dagegenhalten lässt sich in der langwierigen und gefährlichen Auseinandersetzung mit einer neoliberalen Oligarchie nichts ausrichten - das entnehme ich dem farbenfrohen Plakat eines Demo-Teilnehmers auf dem Place de l'Étoile mit der Aufschrift "celui qui combat peut perdre - mais celui qui ne combat pas a déjà perdu" (derjenige, der kämpft, kann verlieren - aber derjenige, der nicht kämpft, hat schon verloren).

Foto: Christian Schmeiser

Ein weiteres Transparent in gelber Gilets jaunes-Farbe verdeutlicht ebenfalls - aus der Sicht der Gelbwesten - die Notwendigkeit der "résistance" gegen eine solipsistisch-autoritär agierende neoliberal-neofeudale Oligarchie. Der mittlerweile emeritierte Hochschullehrer Rainer Mausfeld [17] macht in seinen zahlreichen Vorträgen und in seiner aktuellen Publikation [18] darauf aufmerksam, dass eine "verblüffende Errungenschaft" des Neoliberalismus' darin besteht, sich in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu "unsichtbar" zu machen.

Foto: Christian Schmeiser

Das wollen die Gelbwesten offenbar - wie ich ihren Plakaten und Transparenten entnehmen kann - mit ihren allwöchentlichen Samstags-Demonstrationen ändern. Aus diesem Grund fordern sie auch ein "Référendum d'Initiative Citoyenne" (RIC), also eine direkte Demokratie anstelle einer repräsentativen Demokratie, die die bestehenden - als unerträglich empfundenen - Machtverhältnisse im Sinne einer anglo-amerikanisch orientierten Finanz-Oligarchie stützt. Damit verknüpfen die "gilets jaunes" die Forderung nach einem radikalen Umbau des Bankenwesens.

Foto: Christian Schmeiser

Dass der französische Präsident Macron faktisch ein Vertreter der neoliberalen Finanzindustrie ist, wird von ihnen sehr kritisch gesehen. Der frühere Präsident François Hollande hat in einer bekannten französischen Talk-Show Macron als den Interessensvertreter der "trés riches" benannt [19] - und damit die aktuelle Polarisierung "mitangeheizt".

Gegen Großkonzerne und ökologische Krise

Dass transnational agierende Groß-Konzerne von konzernnahen Politikern mittlerweile weitgehend von der "Bürde steuerlicher Belastungen und Sozialabgaben" zuungunsten der Allgemeinheit "befreit" wurden, verbinden die Gelbwesten häufig mit den Fragestellungen zu der rasant fortschreitenden ökologischen Verwüstung unseres Heimatplaneten.

So lese ich auf einem weiteren "gilets jaunes" - Plakat: "évasion fiscale - crime sociale et écologique" (Steuerflucht - soziales und ökologisches Verbrechen).

Foto: Christian Schmeiser

Gleichlautendes sehe ich auch auf einem weiteren großformatigen Transparent, das eine junge Frau "Atlas-artig" auf ihren Schultern trägt.

Foto: Christian Schmeiser

Ein mit einer gelben Weste bekleideter Erdball, der mit empörtem Gesichtsausdruck die linke Faust revolutionär-wutentbrannt ballt, ist von einer farbenfrohen Aufschrift umrankt: "fin du monde - fin du mois - meme combat" (das Ende der Welt - das Ende des Monats - der gleiche Kampf).

Das erinnert sehr an das in Frankreich durch die Gilets jaunes-Revolte mittlerweile bekannt gewordene geflügelte Wort "les riches parlent de la fin du monde, on a peur des fins des mois" (die Reichen reden über das Ende der Welt, wir haben Angst vor dem Monatsende).

Damit wird erneut das zentrale Agens der Gelbwesten deutlich: Nach vielen Jahren "neoliberaler Reformpolitik" unter Macron und seinen Vorgängern reicht das Monatsgehalt nicht mehr für das Allernotwendigste, für Miete, Essen und die Dinge des alltäglichen Bedarfs.

Die alleinerziehende junge Mutter, die sieben Tage in der Woche in prekären Arbeitsverhältnissen über die Runden zu kommen bemüht ist, schafft es nicht mehr, sich und ihre Kinder finanziell "durch den Monat zu bringen". Die leidenschaftlichen Proteste junger Frauen auf den Gilets jaunes - Demos sind die direkte Folge dieser Entwicklung.

"La planète agonise!" - "Der Planet liegt im Sterben"

Mit "fin du monde" wird aber auch - so meine Wahrnehmung - das "katastrophische" Bewusstsein der Gelbwesten deutlich - und damit ihr Blick auf die aktuelle Dystopie im Kontext einer drohenden "extinctio oecologica".

Das fügt sich nahtlos in den Kontext eines weiteren Karton-Plakats, auf dem ich die folgende Aufschrift lesen kann : "La planète agonise ! Ce système nous oppresse ! Plus question de laisser faire. La lutte est nécessaire." (Der Planet liegt im Sterben! Dieses System unterdrückt uns! So kann es nicht mehr weitergehen. Der Kampf ist notwendig).

Foto: Christian Schmeiser

"La planète agonise" - mit schwarzem Filzstift auf gewöhnlichen Karton gemalt - das ist alles nur noch "unterirdisch" - und erfordert einen Kommentar.

Neben den Protesten gegen Steuern, neoliberale Finanzoligarchie und Polizeigewalt sind "Klimawandel" und "ökologische Dystopie" ein zentrales Thema der Gilets jaunes. Die Textzeile "la planète agonise" erinnert mich unweigerlich an das 2017 veröffentlichte Buch "Où atterir? Comment s'orienter en politique" (Das terrestrische Manifest [20]) des emeritierten Pariser Hochschullehrers Bruno Latour [21] (siehe sein Interview [22] mit der FAZ).

Im Eingangskapitel führt Bruno Latour aus, dass die westliche Machtelite sich bereits seit vierzig Jahren darüber im Klaren ist, dass zweihundert Jahre Modernisierung der Welt gescheitert sind und jetzt im 21. Jahrhundert in eine so noch nie dagewesene Dystopie "einmünden".

Vierzig Jahre Neoliberalismus haben - so Bruno Latour - ihren eigentlichen Entstehungsgrund in dem Sachverhalt, "dass ein gewichtiger Teil der führenden Klassen zu dem Schluss gelangte, dass für ihn und den Rest der Menschen nicht mehr genügend Platz vorhanden sei".1 [23]

Aus der aktuellen Einsicht in die gegenwärtige Kollision des auf fossilen Energieträgern basierenden industriellen Systems mit den Grenzen des Planeten erwächst bei Bruno Latour die zentrale Erkenntnis: Wir verlieren unsere Welt.

"La planète agonise" auf dem Gilets jaunes - Plakat nimmt den gleichen Gedanken auf. Der ehemalige Minister John Kerry aus der früheren US-amerikanischen Obama-Administration spricht in einem Fernsehauftritt [24] Anfang 2019 von einem "mutual suicide pact" im Kontext einer katastrophalen Klimaerwärmung um vier Grad bis zum Ende des 21. Jahrhunderts, von der mittlerweile auszugehen ist.

Der US-amerikanische Autor David Wallace-Wells beschreibt in seinem im Mai 2019 erscheinenden Buch The Uninhabitable Earth [25] apokalyptische Szenarien auf einem in Teilen lebensfeindlich gewordenen Planeten als Folge einer gescheiterten Modernisierung.

Mit "la planète agonise" und vielen weiteren Plakaten der Gelbwesten, die ich gesehen und fotographiert habe, ergibt sich - klar und unübersehbar - eine thematische Überschneidung mit den aktuell weltweiten "Friday for Future"-Schülerdemos, deren überraschende Dynamik [26] so ebenfalls nicht vorhersehbar war.

Die Aufschrift "si le climat était une banque il serait déjà sauvé" auf einer Pariser gelben Weste habe ich in deutscher Übersetzung auf der "Friday for Future"- Demo am 15. März 2019 in Frankfurt am Main wiedergefunden : "Wenn das Klima eine Bank wäre, hättet ihr es schon längst gerettet."

Vorläufiges Fazit

Eine abschließende Bewertung eines noch ganz neuen gesellschaftspolitischen Phänomens, wie es jetzt die Gelbwesten darstellen, ist erst mit größerem historischen Abstand möglich. Trotzdem möchte ich hier ein vorläufiges Fazit in den Raum stellen.

Die heterogene Widersprüchlichkeit und Vielschichtigkeit der Gilets jaunes reicht von witzigen und intelligenten Protestformen über eine bitternotwendige Kritik am neoliberalen Plünderungsfeldzug einer solipsistischen Oligarchie und an der rasanten ökologischen Zerstörung des Planeten bis zu fragwürdigen Demo-Gewaltexzessen reicht.

Sie gehört in den gegenwärtigen Kontext einer hochgradig dystopisch-krisenhaften Entwicklung, die mit Schlagworten wie "bröckelndes US-Imperium", "nukleare Hochrüstung und massiv gestiegene Kriegsgefahr", "Klimakatastrophe", "extinctio oecologica" und dem "Scheitern des neuzeitlichen Menschen" nur in grober Annäherung umrissen ist.


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[1] https://www.youtube.com/watch?v=q1NerVYkV-8
[2] https://www.tagesspiegel.de/politik/demonstranten-werfen-pflastersteine-massive-gewaltausbrueche-bei-gelbwesten-protesten-in-paris/24111234.html
[3] https://www.nzz.ch/international/facebook-in-der-kritik-gelbwesten-und-fake-news-ld.1467254
[4] https://www.rtl.de/cms/so-wenig-teilnehmer-wie-nie-bei-neuen-gelbwesten-protesten-4305670.html
[5] https://www.tagesschau.de/ausland/paris-719.html
[6] https://www.heise.de/tp/features/Paris-Panik-auf-den-Boulevards-4338442.html
[7] https://www.heise.de/tp/features/Paris-Panik-auf-den-Boulevards-4338442.html
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologische_Kriegsf%C3%BChrung
[9] https://www.globalresearch.ca/are-the-gilets-jaunes-todays-sans-culottes/5662307
[10] https://www.amazon.com/Orwellian-Empire-Gilbert-Mercier/dp/099665352X
[11] https://www.rubikon.news/artikel/die-schatten-macht
[12] https://www.amazon.de/Tiefe-Staat-schl%C3%A4gt-westliche-vorbereitet/dp/3853714498
[13] https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-politik-der-massen
[14] https://www.heise.de/tp/features/Was-ist-los-mit-den-Gelbwesten-4330155.html?seite=all
[15] https://www.youtube.com/watch?v=Qy3nhjrdbic
[16] https://www.google.de/search?hl=de&biw=1536&bih=747&tbm=isch&sa=1&ei=v52OXOSHN4XDxgP_i4qoDw&q=gaulois+gilets+jaunes&oq=gaulois+gilets+jaunes&gs_l=img.12..0i8i30.13993.17380..20650...0.0..0.99.1322.20......0....1..gws-wiz-img.......0i67j0j0i7i30j0i7i5i30j0i8i7i30.FOcq1zjdPt4#imgrc=UvLLL6xSGkIuzM
[17] https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Mausfeld
[18] https://www.westendverlag.de/buch/warum-schweigen-die-laemmer/
[19] https://www.youtube.com/watch?v=14qMzMjakFE
[20] https://www.suhrkamp.de/buecher/das_terrestrische_manifest-bruno_latour_7362.html
[21] https://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Latour
[22] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/interview-mit-dem-franzoesischen-soziologen-bruno-latour-15586851.html
[23] https://www.heise.de/tp/features/Worum-geht-es-eigentlich-den-Gelbwesten-4341302.html?view=fussnoten#f_1
[24] https://www.cnbc.com/video/2019/01/22/john-kerry-accuses-trump-of-lies-and-ignorance-on-climate-change.html
[25] https://www.theguardian.com/books/2019/feb/27/the-uninhabitable-earth-review-david-wallace-wells
[26] https://www.rubikon.news/artikel/die-verleumdungs-kampagne

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Romanerfolg für alle! Zur Buchmesse verschenkt 54Books fünf Romanideen

Die Pitch-Meetings für die Buchmesse sind geplant, der Kalender ist voll mit Terminen. Nur eine Sache fehlt: Die zündende Idee für einen Roman, der Kritik und Leserschaft gleichermaßen begeistert, der den Buchmarkt rettet, die zig Millionen Leser*innen zurückbringt, die über die Jahre verloren gegangen sind und der die deutschsprachige Literatur endlich wieder konkurrenzfähig macht. 54Books hilft und verschenkt an dieser Stelle fünf Romanideen, komplett mit Titel, Inhalt und Leseprobe: You’re welcome!

Ginsterträume (400 Seiten)

Nach dem Tod ihrer geliebten Leguane nimmt die Literaturprofessorin Friederike Weißner ein Freisemester und zieht in ein kleines Dorf im Südschwarzwald, um ihr Buch über Adalbert Stifter endlich zu Ende zu schreiben. Auf ihren täglichen Spaziergängen durch die unverdorbene Wildnis schweifen ihre Gedanken ab wie Kinder, die sich verirrt haben. Ginsterträume ist eine tiefe Meditation über den Tod, die Natur und das Leben. Der handlungsarme Roman – es gibt keine weiteren Figuren, außer eine vage weise lächelnde Bäckerin – wird in 12 Spaziergängen erzählt (Die Kapitel heißen „Spaziergang 1“ etc.) . Es handelt sich um ein leises, subtiles Buch, das es seinen Leser*innen nicht leicht macht. Man muss sich auf die Naturbeschreibungen bewusst einlassen, um diesem betörenden Meisterwerk seine tiefen Weisheiten abzulauschen. Es empfiehlt sich, während der Lektüre das Handy auszumachen.

Auszug: Den Hang hinab konnte man Krähen hören, deren vielstimmiges Krächzen den Wald mit einer dunklen Aura erfüllte. Elisabeth verharrte vor dem majestätischen Farn, fasziniert von der grünen Symmetrie seiner Blätter. Auch Stifter, dachte sie, hatte Harmonie in der Natur gesucht, aber hatte er sie gefunden? Wie lange hatte sie sich nicht mehr in ein einzelnes Phänomen so stark versenkt wie in diesen Farn? Im Hintergrund ihrer Gedanken konnte sie das ferne unruhige Rauschen der Hauptverkehrsstraße in der Stadt hören. Fern – Farn, fern – Farn … fast unwillig verscheuchte sie die Gedanken an das Anderswo und konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt.

 

Klinger (350 Seiten und eine Weltkarte von 1809)

Der historische Roman befasst sich mit dem Leben des vergessenen Dichters Friedrich Maximilian Klinger (1752–1831), der heute wenn überhaupt dafür bekannt ist, dass der Titel seines Dramas Sturm und Drang der Epoche ihren Namen gab. Zu Beginn befinden wir uns im Jahr 1830. Der greise Klinger sitzt in einem Zimmer in Dorpat, Estland und sinniert über sein ereignisreiches Leben. Insbesondere die Erinnerung an seine Zeit als Wegbereiter des ‚Sturm und Drang‘ lassen ihn nicht los. In der retrospektiven Erzählung wird deutlich, wie der umtriebige Goethe Klinger erst um seine große Liebe und dann um den verdienten literarischen Ruhm gebracht hatte. Dem Roman liegen ausgiebige Recherchen zugrunde (Safranski, Wikipedia) und er ist randvoll mit saftigen historischen Details; er ist das Beispiel für eine Erzählkunst, die der deutschen Literatur leider abhandengekommen ist.

Auszug: Klinger konnte sehen, wie der Herzog erst blass dann rot im Gesicht wurde, sich unwirsch abwandte und unverwandt einen Blick auf Goethe warf. Ob es denn wirklich wahr sei, rief er voller Zorn. Das Brokat seiner Ärmel spiegelte die Farbe seines Gesichts. Goethe wurde kerzenbleich, die bläulichen Schatten unter seinen Augen traten deutlich hervor. Er wich zurück und schien im Begriff, mit der Wand zu verschmelzen. Der Fürst verlangte ein weiteres Mal zu wissen, ob es wahr sei und trat dabei einen Schritt auf den Dichter zu. Es sei wahr, erwiderte Goethe mit einer Stimme, die heiser war wie ein ungestimmtes Cembalo. Dabei beugte er sein Haupt in der Art, als wolle er mit der Nasenspitze den Marmor des Bodes berühren. Selten hatte Klinger, der eine gepuderte Perücke trug, ein erbärmlicheres Schauspiel gesehen. Er dachte an Lenz, der ihm damals zuerst gesagt hatte, man dürfe Goethen nicht vertrauen. Oh guter Lenz, was war aus ihm geworden?

Was uns verbindet (250 Seiten plus achtseitige Danksagung an anonyme Menschen, ohne die dieser Roman nicht hätte geschrieben werden können.)

Lars Lange ist erfolgreicher CEO in einem großen Unternehmen. Die Lehren des Neoliberalismus hat er tief verinnerlicht. Als er im Zuge der #metoo-Bewegung seine Job verliert, rutscht er durch den obsessiven Konsum salafistischer Propaganda im Internet in die ostdeutsche Neonaziszene ab. Erst die Liebe der veganen Aktivistin Claudia, die er auf einem Spaziergang im Hambacher Forst kennenlernt, lässt ihn neuen Lebensmut schöpfen. Nachdem er seine Leidenschaft für Crystal Meth überwunden hat, beginnt er, sich für den Klimaschutz zu interessieren und wird  einer der Wegbereiter von #fridaysforfuture. Was uns verbindet ist ein Roman, der sich nicht scheut, aktuelle Themen aufzugreifen; ein Roman von geradezu überbordender Welthaltigkeit, erzählt in ehrlichen kurzen Sätzen, die nichts verschleiern. Der Autor hat alles, was im Roman passiert selbst erlebt oder mit Menschen gesprochen, die etwas ähnliches erlebt haben. Ein Roman, der weh tut, der seine Leser*inne nicht kalt lässt.

Auszug: Es war die Ruhe vor dem Sturm. Gleich begann der Tanz auf dem Vulkan. Öggie liest die Flasche Korn noch einmal kreisen. „Let’s rumble“, brüllte er und schlug sich mit beiden Fäusten gegen den rasierten Schädel. „Let’s rumble“, kam es aus Zweidutzend Kehlen zurück. Man konnte ihn spüren, den Hass, die Wut. Die Straße gehörte ihnen! Öggie stürzte los und die anderen hinterher. Alles war jetzt nur noch Schreie und Tritte. Rückspiegel krachten, Autoscheiben barsten. In der Ferne Sirenen. Lars sah nur noch Leiber, er roch nur noch Schweiß. Geil, einfach nur geil. Es gab keinen Lars mehr, es gab nur noch das Rudel.

Wetterleuchten (200 Seiten)

Der autobiographisch eingefärbte Roman erzählt von einer Jugend im Karlsruhe Anfang der 2000er. Karl ist 18 Jahre alt und wird von allen Seiten mit Fragen bombardiert: Was willst du studieren? Wo willst du dein freiwilliges soziales Jahr verbringen? Welches Auto sollen wir dir kaufen? Lieber Apple oder Windows? Ihn quälen diese gesellschaftlichen Imperative, aber vor allem quält ihn seine unerhörte Liebe zu Lisa, der Tochter des Rektors am H-Gymnasium. Mit seinen Freunden Thorben (der Dicke), Jan (der Liebe) und Olav (der Versoffene) klaut er den Ford seines Vaters (Zweitwagen), um einen letzten Trip an die Nordseee zu machen. Die Geschichte eines verzauberten Sommers zwischen Kindheit und Erwachsenensein, gleichzeitig auch ein zarter Freundschaftsroman, der in den kleinen Anekdoten der Jugend die ganz großen Fragen stellt.

Auszug: Ich weiß nicht mehr genau, wann wir auf die Idee gekommen sind, noch ein letztes Mal rauszukommen. Bevor alles auseinander ging, bevor wir endlich „Entscheidungen“ treffen mussten, dem „Ernst des Lebens“ ins Gesicht schauen. Wir saßen jedenfalls im Schlossgarten, den alle nur „Schlo“ nannten, tranken Zäpfle und hörten Robbie Williams auf unseren iPods. Es war eine dieser Nächte, die voller Geräusche war und dem Geruch von Flieder. „Fuck den Ernst des Lebens“, lallte Olav, der gerade aus den Fichten hervortrat und sich umständlich den Hosenladen zuzog. Olav war der Clown der Truppe, immer zu Späßen aufgelegt, aber er hatte auch Schlag bei den Weibern. Ein echter Gentlemen, aber wir sprachen uns damals alle mit „Gentlemen“ an.

Strobodreams (140 Seiten und zehn zusammenhangslose Fotografien von Parkbänken)

Was wiegt die Seele im Spätkapitalismus? Gibt es Ironie nach Lacan? Ist Berlin ein state of mind? Diese Fragen versucht der popmoderne Kurzroman Strobodreams zu beantworten. Flip, Mo und Finn sind zeitgenössische Stadtpiraten und das Berliner Nachtleben ist ihr Atlantik. Zwischen DJ-Gigs, Konzeptkunst und Chemsexparties diskutieren sie, was Deleuze mit Ketamin zu tun hat, wie Žižek den Kotti gesehen hätte und warum man seit Jordan Peterson nicht mehr ins Berghain gehen kann. Ausgestattet mit rätselhaften Einkommen, die nie thematisiert werden, ziehen diese drei Mittzwanziger durch die Nächte, feiernd und redend, redend und feiernd – so, dass man am Ende nicht mehr erkennen kann, wo der Diskurs aufhört und die Party anfängt.

Auszug: Verirrt im Darkroom, während der Bass rhythmisch über sie zu lachen scheint. Mo stolpert über Leiber, und das Miasma aus Fleisch und Latex machte sie unglaublich glücklich. Das Teilchen hat gekickt und die angenehme Kälte ihrer Hände machte sie wach wach wach. Von Links sieht sie Janosch an die Wand gelehnt; die Goldrandbrille tief auf der Nase, die Mütze bedeckt diskret die leicht Tonsur auf seinem Hinterkopf. Janosch schreit ihr ins Ohr: Ranciere hat mich abgefuckt! Rancier ist der MC des Grauens! Hilfesuchend schaut sie sich um, wo ist Finn? Janosch packt sie an der Schulter, seine Augen flackern panisch: Woher kommen die Cyborgbabies? Mo reißt sich los, geht drei Schritte, der Bass klingt anthropomorph, höhnisch, ha ha ha. Zuckende Konturen halbnackter Körper, Priester des Exzess. Hände wippen, wirbeln. Was ist Identität, denkt Mo und nimmt einen Schluck von ihrer Fritz-Cola, was ist Leben?

Photo by Artem Bali on Unsplash


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