Menschenversuche


Berichte: Abgase auch an Menschen getestet

Kurzmeldungen 29.01.2018 07:22 Uhr

Im Abgasskandal soll es Schadstofftests nicht nur mit Affen, sondern auch mit Menschen gegeben haben. Das geht aus einem Report der Vereinigung EUGT hervor, über den Stuttgarter Zeitung (Ausgabe vom 29. Januar 2018) und Süddeutsche Zeitungberichten. Rund zweieinhalb Jahre nach Beginn des Abgasskandals kommen damit immer neue Details ans Licht.

Den Berichten zufolge soll die von den Konzernen Volkswagen, Daimler und BMW gegründete Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) eine „Kurzzeit-Inhalationsstudie mit Stickstoffdioxid bei gesunden Menschen gefördert“ haben. Dies stehe in einem als Tätigkeitsbericht 
Daimler distanzierte sich von den Studien und der EUGT. „Wir sind über das Ausmaß der Studien und deren Durchführung erschüttert“, hieß es. Vergrern 
Bild: Florian Pillaufür die Jahre 2012 bis 2015 herausgegebenen Report. Dabei seien an einem Institut des Universitätsklinikums Aachen 25 Personen untersucht worden, nachdem sie jeweils über mehrere Stunden Stickoxid (NO2) in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet hätten. Laut der 2017 aufgelösten EUGT wurde keine Wirkung festgestellt.

Der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus sagte der Stuttgarter Zeitung jedoch, die 2016 veröffentlichte Studie sei nur eingeschränkt aussagekräftig. Zum einen ließen sich die Befunde nicht auf die gesamte Bevölkerung übertragen, zum anderen sei Stickstoffdioxid nur ein Teil der gesamten Luftbelastung. Stickstoffdioxid (NO2) ist der Schadstoff, dessen Messwerte von VW in den USA jahrelang manipuliert worden waren, um die gesetzlichen Grenzwerte für Dieselfahrzeuge offiziell einzuhalten.

Zuvor hatten Tierversuche beim Test von Dieselabgasen breite Empörung ausgelöst. Sie wurden durch US-Ermittlungen zur Abgasaffäre bei Volkswagen bekannt. Affen waren dabei gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden. Diese Tests waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Deshalb hatte die EUGT – die von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative – sie beim US-amerikanischen Lovelace Respiratory Research Institute in Auftrag gegeben. Federführend war laut dem Studienleiter dabei Volkswagen.

Volkswagen entschuldigte sich am Wochenende für die in den USA durchgeführten Versuche. „Wir sind der Überzeugung, dass die damals gewählte wissenschaftliche Methodik falsch war. Es wäre besser gewesen, auf eine solche Untersuchung von vornherein zu verzichten“, teilte der Konzern am Samstag (27. Januar 2018) mit. Volkswagen distanziere sich klar von allen Formen der Tierquälerei. „Wir entschuldigen uns für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner.“

Auch Daimler distanzierte sich ausdrücklich von den Studien und der EUGT. „Wir sind über das Ausmaß der Studien und deren Durchführung erschüttert“, hieß es in einer Stellungnahme. Daimler verurteile die Versuche auf das Schärfste. „Auch wenn Daimler keinen Einfluss auf den Versuchsaufbau hatte, haben wir eine umfassende Untersuchung eingeleitet, wie es dazu kommen konnte.“

In der Politik wird unterdessen der Ruf nach einer Aufklärung der Vorwürfe lauter. Der niedersächsische Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann (CDU) bezeichnete die Tierversuche beim Test von Dieselabgasen als „absurd und unentschuldbar“. Althusmann sagte der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte neben einer vollständigen Aufklärung und einem umfassenden Bericht an den Aufsichtsrat „harte personelle Konsequenzen“ für diejenigen, die für diese Tierversuche verantwortlich seien.

Das Land Niedersachsen ist Großaktionär bei Volkswagen. „Zehn Affen stundenlang mutwillig Autoabgase einatmen zu lassen, um zu beweisen, dass die Schadstoffbelastung angeblich abgenommen habe, ist widerlich und absurd“, hatte Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) gesagt.

(dpa) / (mfz)

Dummheit: Soldaten markieren sich als Ziele

Fit bleiben, der Gegner schaut zu

Nicht viel zu sehen auf diesem Kartenbild da oben, oder? Wer genauer hinguckt, entdeckt zwei helle Regionen, einen eher links, einen eher rechts im Bild. Zoomen wir doch mal ran:

Das Muster das sich da abzeichnet, kommt dem einen oder anderen vielleicht bekannt vor. Vor allem, wenn er schon mal mit der Bundeswehr in Afghanistan war… Der gleiche Ausschnitt als Karte, hier von Open Street Map

… und noch ein bisschen näher:

und bei Google Maps ist es sogar noch besser erkennbar (aber Ausschnitte von Google Maps zu zeigen, ist immer so ein rechtliches Problem).

Die beiden dunklen Karten oben stammen aus einem Projekt der Plattform Strava, die die Daten von Fitness-Trackern auswertet, die mit dem Internet verbunden sind. Da fallen Unmengen von Daten an, die viele Sportler zur Auswertung ihres Trainings nutzen – aber diese zusammengeführten Daten lassen sich natürlich auch dazu gebrauchen, zu zeigen, wo überall auf der Welt gerade Menschen sportlich aktiv sind und ihre Daten von dieser Aktivität ins Internet schicken.

Und zu den Menschen, die überdurchschnittlich körperlich aktiv sind, gehören vor allem – Soldaten. Überall, und sei die Basis noch so abgelegen, trainieren sie, und wenn sie aus den Industriestaaten des Westens kommen, haben sie gerne einen Fitness-Tracker mit Internetverbindung. Dabei vergessen sie offensichtlich oft genug,  diese Tracker wie zum Beispiel Fitbit vom Internet abzukoppeln.

Das Ergebnis ist oben auf den Karten und hier gut erkennbar:

Wenn im Norden Afghanistans ausgerechnet bei Kundus und bei Masar-i-Scharif (der Ort ist leider auf dieser Karte nicht gekennzeichnet) starke Trainingsaktivitäten in einer Region auffallen, dürfte es sich um Militärbasen handeln – was im Fall von Camp Marmal und Kundus leicht nachzuvollziehen ist.

Diese Art von Nachrichtengewinnung aus offenen Quellen, Open Source Intelligence, scheint in diesem Fall recht ergiebig. Auf Twitter, wo ich das auch nur zufällig gesehen habe, kursieren jedenfalls schon etliche Hinweise auf Militärstützpunkte, die sich über diese globale Aktivitäten-Karte gut finden lassen – vor allem in abgelegenen Landstrichen.

Und bei weitem nicht nur für westliche Truppen:

Entdeckt hat das übrigens der hier

… und jetzt erreicht es auch die Medien:

U.S. soldiers are revealing sensitive and dangerous information by jogging

Fitness tracking app gives away location of secret US army bases

Natürlich ließe das sich leicht verhindern. Die Nutzer solcher Geräte und Apps müssten nur in der Gebrauchsanweisung nachsehen, wie sich der permanente Upload ihrer Daten ins Internet unterbinden lässt…

Nachtrag: In den Kommentaren meinte ein Leser auch die Kaserne in Rukla wo die eFP stationiert ist ist auch ziemlich sauber.

Ich bin mir da nicht so sicher. Die OpenStreetMap-Karte von Rukla

… und die Strava Heatmap der Gegend:

Ich hätte da schon ne Vorstellung, wo das eFP-Bataillon stationiert ist.