Kampfgruppe Semantik unterwegs - Update 16.2.2019

Die ARD hat ein "Framing-Manual" erstellen lassen.

Das ist ein Begriff aus der Psychologie / Kommunikationswissenschaft / PR / Spindoktor-Branche und meint, dass man bei einer Berichterstattung durch den Kontext und die Wort- und Metaphernwahl lenken kann, in welchem Kontext sie beim Rezipienten einsortiert wird. Ganz plumpes Beispiel: Wenn man an einen Artikel in Einzelhandel dranschreibt, er kostet 100 Euro, streicht das durch und schreibt 20 Euro dran, dann sortiert der Kunde das als "80 Euro gespart" ein, und die Frage, ob dieser Artikel wirklich 20 Euro wert ist, tritt in den Hintergrund. Umgekehrt löst man mit Metaphern wie "Migrantenflut" Assoziationen einer Naturkatastrophe aus, und mit "Ausländerkriminalität" transportiert man diskret die Annahme, dass Kriminalität unter Ausländern besonders häufig oder besonders wichtig ist.

Die häufigere Anwendung in der Politik ist allerdings das positive Framing. Wenn z.B. die offizielle Regierungskommunikation von "Arbeitslosenstatistik" auf "Beschäftigungsstatistik" oder gar "Arbeitsmarktstatistik" umschwenkt, dann wird damit der Aspekt wegretuschiert, dass wir hier über Menschen reden, die keinen Job gefunden haben, und von unserem Hartz-IV-System zu Menschen zweiter Klasse degradiert und gegängelt werden. Oder wenn die Politik davon redet, "ein Gesetz auf den Weg gebracht" zu haben, dann wird damit transportiert, das ein Gesetz sowas wie ein Boot ist, das man vom Stapel lässt, und danach ist halt "in Gottes Hand", was weiter passiert.

Kurz gesagt: Framing ist keine neutrale oder positive Technik. Das ist das Handwerkszeug von Spindoktoren, und die ARD sollte sich was schämen, dass sie ihre Mitarbeiter nach solchen Methoden schult.

Ich finde sehr schön, wie Meedia auch Framing benutzt, um den Ton zu setzen, wenn sie ein Foto der ARD-Generalsekretärin nehmen, wo sie besonders unehrlich zu lächeln scheint, und dann als Bildunterschrift das hier nehmen:

"Jeder darf so reden, wie er oder sie möchte."

Damit wird deutlich kommuniziert, dass das das in Abrede stand oder zumindest nicht klar war.

Es wird in der Mitte auch konkreter, was für Framing-Vorschläge dieses Manual so gemacht hat:

Q: Es werden aber nicht nur Vorschläge gemacht, wie man die ARD und den öffentlichen Rundfunk besser darstellt, sondern es wird auch erklärt, wie man den Privatmediensektor fast schon herabwürdigen kann. Da ist die Rede von “profitwirtschaftlichen Sendern”, von “medienkapitalistischen Heuschrecken”, vom “Kommerzsender”. Diese Begriffe fallen im Manual. Wie beurteilen Sie das?

A: Wir sind gewohnt, immer zu sagen “öffentlich-rechtlich” und “privat”. “Öffentlich-rechtlich” beschreibt aber nur eine juristische Organisationsform, das Pendant wäre “privatrechtlich”. Das wird aber nicht gesagt. Mit “privat” wird eher etwas Privates, Eigenes, Heimeliges verbunden. “Öffentlich-rechtlich” hat eine Konnotation, die für viele nach schwerfälliger Behörde klingt. Für mich war die Erkenntnis ganz wichtig, dass wir hier nicht ehrlich sprechen. Der Begriff “Gemeinwohlmedien” drückt viel besser aus, wofür wir stehen als “öffentlich-rechtlich”. Dass die kommerziell arbeitenden Medienhäuser nun mal kommerziell sind, ist meiner Meinung nach eine ehrliche Bezeichnung und keine herabwürdigende.

Das finde ich ausgesprochen harten Tobak. Besonders weil die angeblichen Gemeinwohlsender ja auch Werbung ausstrahlen (was ich übrigens skandalös finde).

Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=a29da961

(via Mr. Reader)

Update 16.2.2019

Wozu braucht man sowas?


Mörderbande

Venezuela hat ein Waffenschmuggelflugzeug der Amis auffliegen lassen.

A senior Venezuelan security official, Bolivarian National Guard Gen. Endes Palencia Ortiz, who is the nation’s vice minister of citizen security, said authorities found 19 assault weapons, 118 ammunition cartridges, and 90 military-grade radio antennas, among other items.

“This materiel was destined for criminal groups and terrorist actions in the country, financed by the fascist extreme right and the government of the United States,” Palencia Ortiz was quoted as saying.

Ach komm, Ortiz! Wann haben die USA jemals Waffen und Geräte an Terrorgruppen geliefert, damit die einen Coup durchführen?! SO GUT WIE NIE!! Kaum mehr als ein paar Dutzend Mal!!1! Das ist ja wohl eine völlig absurde Verschwörungstheorie!1!!

Update: Wo wir gerade bei Venezuela waren:

The United States is holding direct communications with members of Venezuela’s military urging them to abandon President Nicolas Maduro

Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=a29eda46

SPD läutet traditionelles linkes Halbjahr vor wichtigen Wahlen ein

Berlin (dpo) - Es ist wieder soweit: Die Führungsspitze der SPD hat am Wochenende bei einem Treffen im Willy-Brandt-Haus in Berlin den Beginn des traditionellen linken Halbjahres vor wichtigen Wahlen eingeläutet. In dieser Zeit ist das Spitzenpersonal darum bemüht, die SPD wie eine Partei wirken zu lassen, die Politik für Arbeiter und Geringverdiener macht. 

"Liebe Genossinnen und Genossen, das traditionelle linke Halbjahr wichtigen Wahlen ist hiermit feierlich eröffnet", verkündete die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles und klingelte laut hörbar mit der sogenannten "Glocke des kleinen Mannes". Nachdem der Applaus abebbte, erklärte sie: "Jetzt ist die Zeit gekommen, in der wir uns für einige Monate auf unsere sozialdemokratischen Wurzeln zurückbesinnen – zumindest bis die Europawahl, die Landtagswahlen in Bremen, Brandenburg, Sachsen und Thüringen sowie die Kommunalwahlen in mehreren Ländern vorbei sind." 

Ab sofort sei es SPD-Wahlkämpfern zur Schärfung des linken Profils der Partei ausdrücklich erlaubt, soziale Forderungen zugunsten der Arbeiterschaft zu formulieren: "Höhere Löhne, eine Abkehr von der Agenda 2010, Steuern runter, Steuern rauf für Reiche, höhere Renten – völlig egal!", so Nahles. "Aber bitte beachtet, liebe Genossen: Am Montag nach den Wahlen werde ich diese Glocke noch einmal läuten. Und ab diesem Zeitpunkt muss das alles wieder vergessen sein." 

Traditionelle linke Halbjahre vor Wahlen seit 2005 (Slideshow):

Parteienforscher versuchen bis heute herauszufinden, warum es in Deutschland Wähler gibt (immerhin 10 bis 20 Prozent), die immer noch auf das traditionelle linke Halbjahr der SPD hereinfallen. "Hier scheinen ähnliche psychische Prozesse abzulaufen wie bei einer vom Partner misshandelten Person", erklärt Parteienforscher Walter Rebke. "Der Wähler redet sich vor jeder Wahl ein, dass die reumütige SPD es dieses Mal ernst meint und ihr Verhalten wirklich zugunsten der Schwächeren in unserer Gesellschaft ändert." 

Doch damit sieht es schlecht aus. Üblicherweise folgen nämlich auf das traditionelle linke Halbjahr vor Wahlen die traditionellen dreieinhalb arbeitgeberfreundlichen Jahre, die von Freihandelsabkommen, Privatisierungen, Klientelpolitik und sozialen Kürzungen geprägt sind. 

ssi, dan; Foto oben: dpa;

Hinweis: Artikel erschien schon so ähnlich 2017 (damals aber noch mit 20-30%).

Quelle: http://www.der-postillon.com/2019/02/traditionelles-linkes-halbjahr.html

(via Mr. Reader)